14 Arbeit&Wirtschaft 7/2014Schwerpunkt
D
as energiepolitische Handeln 
wird vor allem durch die Ziel-
setzung einer sicheren, wirt-
schaftlichen und umweltver-
träglichen Versorgung mit Energie ge-
prägt. Dieses energiepolitische Zieldrei-
eck hat sich im Laufe der Zeit nicht 
wesentlich geändert, die Gewichtung 
der einzelnen Ziele hingegen schon und 
damit auch die politischen Rahmenbe-
dingungen und Herausforderungen. 
Immer noch hängt unsere Versorgung 
mit Energie in hohem Maße von fossi-
len Energieträgern ab, also Erdöl und 
Erdgas. Die größten Vorkommen be-
finden sich weiterhin in geopolitisch 
sensiblen Regionen. Die Folge des 
„Arabischen Frühlings“ oder der Kon-
flikt in der Ukraine führen uns die Pro-
blemlagen, die mit der Energieversor-
gung einhergehen, deutlich vor Augen. 
Abhängigkeit
Lösungen sind mittelfristig und wohl 
auch langfristig nicht in Sicht: Die Im-
portabhängigkeit der EU und Öster-
reichs von Erdöl und Erdgas wird hoch 
bleiben. Eng verbunden mit der Frage 
der Versorgungssicherheit ist die Frage 
der Leistbarkeit von Energie, sowohl für 
die Wirtschaft als auch für die Konsu-
mentInnen. Aber nicht nur hohe Import-
preise – wie derzeit vor allem für Erdgas 
–, sondern auch die Gewährleistung von 
sicheren und ausreichenden Erzeugungs- 
und Verteilungskapazitäten erhöhen die 
Kosten des Energiesystems. 
Energiearmut ist nicht nur ein Phäno-
men in wirtschaftlich unterentwickelten 
Ländern, sie findet sich auch in der EU 
(siehe „Essen oder heizen?“, S. 34–35). 
Die Zahl der Betroffenen nimmt drama-
tisch zu. Allein in Österreich können sich 
rund 200.000 Menschen den ausrei-
chenden Bezug von Strom, Gas oder 
Fernwärme nicht leisten. Auf der anderen 
Seite stehen die Wirtschaft und vor allem 
die energieintensive Industrie, die die 
Höhe der Energiekosten als Messlatte für 
ihre Wettbewerbsfähigkeit heranzieht 
(siehe „Übertriebene Energiepreise“, S. 
38–39). In den letzten Jahren hat das In-
teresse an einer umweltfreundlichen Er-
zeugung und Nutzung von Energie zuge-
nommen. In klimapolitischen Fragen 
nimmt die Europäische Union schon seit 
der Klimakonferenz 1997 in Kyoto eine 
Vorreiterrolle ein. Unabhängig von ande-
ren Staaten hat sich die EU auch zur Wei-
terführung ihrer ambitionierten Ziele im 
Rahmen der Energie- und Klimapolitik 
bis 2020 und darüber hinaus entschlos-
sen. Im Mittelpunkt stehen die Verringe-
rung der klimaschädigenden Treibhaus-
gasemissionen, der Ausbau erneuerbarer 
Energien und die Steigerung der Ener-
gieeffizienz und damit die Reduktion des 
Energieverbrauchs. 
Die Rahmenbedingungen für die 
Energiepolitik haben sich in den letzten 
zwei Jahrzehnten massiv verändert, und 
zwar sowohl durch energie- und klima-
politische als auch durch gesamtwirt-
schaftliche Entwicklungen. Die wohl 
nachhaltigste Veränderung erfuhren die 
Energieversorgungsunternehmen durch 
die Liberalisierung der Strom- und Gas-
märkte, die mit dem EU-Beitritt auch in 
Österreich ihren Anfang nahm. Ur-
sprünglich wiesen die Energieunterneh-
men einfache vertikal integrierte Struk-
turen auf: Erzeugung, Verteilung und 
Vertrieb waren unter einem Dach ver-
eint. Zugleich standen sie mehrheitlich 
im Eigentum der öffentlichen Hand. 
Sowohl die Organisationsstrukturen als 
auch die Eigentumsverhältnisse mit den 
EU-Wettbewerbsbelebungspaketen ha-
ben sich wesentlich geändert. Energieer-
zeugung und Energiehandel unterliegen 
nun den Regeln des freien Wettbewerbs. 
Gesellschaftsrechtlich bzw. eigentums-
rechtlich sind diese Bereiche vom Netz-
bereich, der als „natürliches Monopol“ 
einer staatlichen Regulierung unterliegt, 
getrennt. Der Anteil der öffentlichen 
Hand an den Energieversorgungsunter-
nehmen geht sukzessive zurück, die Be-
friedigung von Aktionärsinteressen rückt 
bei Unternehmensentscheidungen in 
den Vordergrund (siehe auch „Mehr pri-
vat als Staat im Strom“, S. 26?27). Gera-
de die Stromversorgung ist immer weni-
ger eine öffentliche Dienstleistung, 
Energiepolitischer Rahmen
Die Bedeutung von Energie hat in den letzten 200 Jahren exponentiell  
zugenommen. Über veränderte Prioritäten und aktuelle Herausforderungen.
Dorothea Herzele
Abteilung Wirtschaftspolitik der AK Wien B U C H T I P P
Thomas Kästner, 
Andreas Kießling:
Energie in 60 Minuten
Ein Reiseführer durch die 
Stromwirtschaft  
VS Verlag für Sozialwissen-
schaften, 2009
120 Seiten, € 19,99
ISBN-13: 978-3531170589
Bestellung:
www.besserewelt.at
        

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