20 Arbeit&Wirtschaft 7/2014Schwerpunkt
K
limapolitik und Energiepolitik 
sind aufs Engste miteinander ver-
knüpft. So stammen in Österreich 
etwa drei Viertel der Treibhaus-
gasemissionen aus dem Ausstoß von Koh-
lendioxid (CO2) bei der Verbrennung 
fossiler Energieträger. Zugleich hat die 
Nutzung fossiler Energien der Wirtschaft 
in den letzten Jahrhunderten ein enormes 
Wachstum beschert. Ende des 18. Jahr-
hunderts gelang mit der Dampfmaschine 
erstmals die Umwandlung von Verbren-
nungswärme in mechanische Energie. 
Seither ist eine Unzahl von Produktions-
vorgängen vom Antrieb durch Menschen 
oder Tiere unabhängig geworden. Dies 
ermöglichte in den letzten zwei Jahrhun-
derten einen Aufschwung der industriel-
len Produktion, der zuvor schlicht un-
denkbar war. Gleichzeitig wurden in 
ebenso wachsendem Maß fossile Brenn-
stoffe – zunächst Kohle, später Erdöl und 
Erdgas – genutzt, sodass Maschinen von 
der Verfügbarkeit biogener Brennstoffe 
– vor allem Holz – unabhängig wurden. 
Das damit einhergehende Wirtschafts-
wachstum hat die Welt von Grund auf 
verändert.
Krisen
Zwei Vorgänge machen allerdings deut-
lich, dass diese Entwicklung nicht für 
immer so weitergehen kann. Zum einen 
zeigte die Ölkrise 1973, dass die wach-
sende Abhängigkeit von Erdöl zu geopo-
litischen Gefahren führen und ein spar-
samer Umgang mit der Ressource Erdöl 
Vorteile haben kann. Zum anderen ver-
dichteten sich in den 1980er-Jahren die 
Hinweise, dass die steigenden CO2-
Emissionen eine Erwärmung des Klimas 
bewirken und damit eine Gefahr für 
Landwirtschaft, Wetter und Meeresspie-
gel darstellen. Letzteres wird derzeit als 
drängendere Gefahr angesehen, was die 
EU dazu veranlasst hat, ein ambitionier-
tes System der Beschränkung des Aus-
stoßes von Treibhausgasemissionen aus 
großen Industrieanlagen und Kraftwer-
ken ins Leben zu rufen: den EU-Emissi-
onshandel, nach dem englischen Begriff 
„Emission Trading System“ häufig als 
ETS abgekürzt. 
„Cap and Trade“
Jedes Emissionshandelssystem weist zwei 
zentrale Bestandteile auf: Erstens wird ein 
zulässiger Schadstoffausstoß für jedes teil-
nehmende Unternehmen festgelegt; zwei-
tens erhalten die teilnehmenden Unter-
nehmen die Möglichkeit, das Emissions-
recht bei Unterschreitung dieser Menge 
an andere zu verkaufen bzw. es bei Über-
schreitung von anderen zu kaufen. Ein 
solches System wird mit den englischen 
Begriffen kurz „Cap and Trade“-System 
genannt. Im optimalen Fall, so die öko-
nomische Theorie, führt dies dazu, dass 
die Reduktion der Treibhausgasemissio-
nen mit dem geringstmöglichen Kosten-
aufwand geschieht. 
Die EU war im Jahr 2005 der erste 
Wirtschaftsraum weltweit, der ein Sys-
tem des Emissionshandels für Treib-
hausgase einführte. Die Teilnahme ist 
für große Industrieanlagen und für kalo-
rische Kraftwerke verpflichtend. Bis 
2012 legten die Mitgliedsstaaten die 
Gesamtmenge an zulässigen Emissionen 
fest, seit 2013 erfolgt dies auf EU-Ebe-
ne. Im Rahmen des Klima- und Ener-
giepakets für 2020 wurde vereinbart, 
dass die Emissionen der ETS-Betriebe 
im Jahr 2020 um 20 Prozent geringer 
sein sollen als 2005. Die Reduktion soll 
schrittweise erfolgen: In der Periode 
zwischen 2013 und 2020 soll die Menge 
der gesamten Emissionen jedes Jahr um 
1,74 Prozent verringert werden. Als die 
EU-Kommission dies 2008 vorschlug, 
rechnete sie mit einem Anstieg des 
Preises für eine Tonne CO2 auf 30 bis 40 
Euro bis 2020. Inzwischen hat die Wirt-
schaftskrise zu einem Überangebot an 
Zertifikaten geführt. Ihr Preis ist folg-
lich verfallen und liegt derzeit bei etwa 
sechs Euro pro Tonne CO2, ohne Aus-
sicht auf Erholung bis 2020. Dadurch 
lohnen sich weder Forschung und Ent-
wicklung noch Investitionen in Maß-
nahmen zur Verringerung der CO2-
Emissionen.  
Die Kostenbelastung durch den 
Emissionshandel kann grundsätzlich für 
jene Unternehmen einen Wettbewerbs-
nachteil darstellen, die mit Produzenten 
aus Drittstaaten konkurrieren, die keine 
derartige Kostenbelastung tragen müs-
sen. Der Schlüsselbegriff lautet hier 
„Carbon Leakage“. Dies bezeichnet die 
Verlagerung von Produktionsbetrieben 
aus einem Staat, in dem CO2-Emissi-
onen mit Kosten verbunden sind, in ei-
nen Staat, in dem keine oder geringere 
CO2-Kosten anfallen. Unternehmens-
vertreterInnen argumentieren, dass die 
zu erwartenden hohen CO2-Kosten in 
der EU die Industrie aus Europa vertrei-
Vertreibt Klimaschutz die Industrie?
Die Verringerung der Treibhausgasemissionen in der EU ist mit Kosten verbunden. 
Was ist dran an der Befürchtung, dass deshalb Unternehmen abwandern?
Christoph Streissler
Abteilung Umwelt und Verkehr der AK Wien
        

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