23Arbeit&Wirtschaft 7/2014 Schwerpunkt
die massiven Böden und die doppel-
schaligen Ziegelwände. Durch den Ent-
fall von aufwendiger Gebäudetechnik 
sind die Investitionskosten dieses Ge-
bäudes niedriger als bei konventionellen 
Bürobauten. 
Gebäude werden im nächsten Tech-
nologieschritt als Infrastruktur für ak-
tive Energiesysteme entdeckt, vor allem 
durch die Integration von Photovoltaik 
in die Gebäudehülle. Somit schaffen 
diese neuen Bautechnologien die Evo-
lution von Niedrig- zu Null- und 
schließlich zu Plusenergiehäusern.
Wohnen und Arbeiten
In traditionellen Wohngebäuden wer-
den wir in den nächsten Jahren immer 
mehr jene Tätigkeiten ausüben, die wir 
jetzt unter Berufsarbeit einstufen. Die 
Veränderungen in der Arbeitswelt wer-
den immer weniger gemeinsame Anwe-
senheit in sogenannten Firmenräumen 
erfordern. Schon jetzt offerieren nam-
hafte österreichische Unternehmungen 
ihren MitarbeiterInnen „Teleworking“, 
also die Möglichkeit, tageweise zu Hau-
se zu arbeiten.
Die genannten Optionen für ein 
innovatives Bauen können gar nicht 
schnell genug wahrgenommen werden, 
weil sie Folgen über viele Jahrzehnte 
haben. Auch bei den in Gebäuden zu 
erbringenden Energiediensten ist mit 
einem Produktivitätspotenzial um den 
Faktor zehn zu rechnen.
Aus mehreren Gründen wird in der 
Sachgüterproduktion eine dritte indus-
trielle Revolution erwartet. Eine neue 
Generation von Produktionsmaschinen 
wird fast alle mechanischen Arbeits-
vorgänge übernehmen können. Der 
Einsatz dieser Maschinen reicht von 
der Montage von Autos bis zur Monta-
ge von Smartphones und macht es 
möglich, Produktionsvorgänge aus den 
einstigen Billiglohnländern wieder in 
die alten Industriegebiete zurückzu-
bringen. 
3-D-Printing im Alltag
Radikal neue Produktionstechniken öff-
nen sich unter der Bezeichnung von 
3-D-Printing oder additiver Produktion, 
weil damit – ähnlich einem Tinten-
strahldrucker – dreidimensionale Struk-
turen entstehen. Diese Technologien 
produzieren schon heute Ersatzteile für 
Armeen in Kriegsgebieten, ganze Ge-
bäude, aber auch Implantate für den 
menschlichen Körper. Es gibt Überle-
gungen, dass diese Technologie künftig 
Produktionsvorgänge in Haushalten ge-
nauso selbstverständlich macht wie heu-
te das Erstellen von schriftlichen Doku-
menten mit Tintenstrahldruckern. Die-
se neuen Produktionstechnologien 
werden ergänzt durch neue Werkstoffe, 
beispielsweise Kunststoffe, die auf der 
Basis von biogenen Rohstoffen erstellt 
werden. Diese neuen Werkstoffe könn-
ten deutlich den Bedarf an Stahl und 
Aluminium reduzieren. 
Überlegungen über die Zukunft der 
Sachgüterproduktion sind noch relativ 
ungesichert. Eine dritte industrielle Re-
volution könnte aber auch in diesem 
Bereich Technologiebrüche auslösen.
Nach diesen im besten Sinne aufre-
genden Perspektiven stellen sich fol-
gende Fragen: Wie viel Energie wird in 
dieser skizzierten Zukunft erforderlich 
sein? Und woher soll diese kommen? 
Die Antwort darauf ist in der Kürze 
sicher unbefriedigend, aber durch viel-
fältige Technologieabschätzungen fun-
diert: Mit weniger als der Hälfte der 
jetzigen Energiemengen sollte eine gute 
Zukunft in einem Land wie Österreich 
leicht bewältigbar sein. Schon die jet-
zigen Mengen an erneuerbaren Ener-
gien würden dann mehr als zwei Drittel 
des Energiebedarfs abdecken. Elektrizi-
tät wird zum wichtigsten Energieträger 
und sollte weitgehend aus erneuerbaren 
Quellen erzeugbar sein.
Was diese großen Veränderungen 
im Umgang mit Energie für unseren 
Wirtschafts- und Lebensstil noch an 
Überlegungen braucht, erfordert ein 
gemeinsames Nachdenken von jedem 
und jeder von uns bis zu den Spitzen 
der Unternehmungen und der Politik. 
Hilfreich erscheint folgendes Zitat von 
Albert Einstein: „Probleme kann man 
niemals mit derselben Denkweise lösen, 
durch die sie entstanden sind.“ Und für 
alle, die die vorliegenden Überlegungen 
für utopisch halten, nochmals Einstein: 
„Eine wirklich gute Idee erkennt man 
daran, dass ihre Verwirklichung von 
vorneherein ausgeschlossen erscheint.“
Schreiben Sie Ihre Meinung 
an den Autor
stefan.schleicher@uni-graz.at
oder die Redaktion
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Dank neuer Technik bleiben wir praktisch 
nirgends ohne Orientierung. 
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