31Arbeit&Wirtschaft 7/2014 Schwerpunkt
und Flexibilitätsoptionen; nicht zuletzt 
würden damit etablierte, effiziente und 
länderübergreifende Marktmechanismen 
zur Vermeidung von regionalen Engpäs-
sen außer Kraft gesetzt. Zudem erscheint 
es angesichts der Anstrengungen zur 
Schaffung eines gemeinsamen EU-Bin-
nenmarktes kontraproduktiv, einzelstaat-
liche Erzeugungsmärkte zu schaffen.
Sinnvoll erscheint vielmehr eine an-
dere Strategie, und zwar eine kurzfristige 
Absicherung der Versorgungssicherheit 
zu schaffen. Als Vorbild könnte die deut-
sche Reservekraftwerksverordnung die-
nen. Diese verpflichtet Kraftwerksbetrei-
ber dazu, eine geplante Stilllegung von 
Kraftwerken bestimmten Behörden an-
zuzeigen, in Österreich könnten diese 
Funktion die Energie-Control und der 
Übertragungsnetzbetreiber, Austrian 
Power Grid AG, übernehmen. Um regio-
nale Engpässe zu vermeiden, sollte bei 
systemrelevanten Kraftwerken die Mög-
lichkeit geschaffen werden, diese gegen 
eine angemessene Kostenerstattung in 
Betrieb zu halten.   
Auch im Gasbereich ist Österreich in 
einer komfortablen Position. Es hat im 
internationalen Vergleich sehr große 
Speicherkapazitäten, die sogar mehr als 
den Jahresverbrauch decken. Aus den 
Gaskrisen 2006 und 2009 wurden so-
wohl auf heimischer als auch europä-
ischer Ebene zahlreiche Lehren gezogen 
und entsprechende Verbesserungen 
durchgeführt. So wurden beispielsweise 
grenzüberschreitende Krisenvorsorgeme-
chanismen weiterentwickelt, zusätzliche 
Speicherkapazitäten aufgebaut und 
Transportnetze flexibilisiert. Aufgrund 
dieser Maßnahmen sowie der aktuellen 
Preisentwicklung von Gas auf internatio-
nalen Handelsplätzen, die auch trotz des 
derzeitigen Konfliktes in der Ukraine 
keine Knappheitssignale zeigen, ist wei-
terhin eine gewohnt zuverlässig hohe 
Versorgungssicherheit im Gasbereich ge-
geben.  
Dennoch gilt es, auch in Zukunft 
Maßnahmen zur stärkeren Vernetzung 
des europäischen Strom- und Gasnetzes 
voranzutreiben und Back-up-Mechanis-
men zur Sicherung der heimischen Ener-
gieversorgung aufzubauen. Auf euro- 
päischer Ebene wurden dazu 248 soge-
nannte transeuropäische Projekte ge-
meinsamen Interesses (PCI) identifiziert, 
die in weiterer Folge von speziellen För-
derungen und schnelleren Genehmi-
gungsverfahren profitieren. Zudem ste-
hen mit günstigen großvolumigen und 
langfristigen Investitionsdarlehen der 
Europäischen Investitionsbank (EIB) 
auch zusätzliche Finanzierungsmittel zur 
Verfügung, um dringend notwendige 
Aus- und Neubaumaßnahmen in der 
Energieinfrastruktur umzusetzen. Ange-
sichts eines Investitionsvolumens von 
knapp 8,7 Milliarden Euro in Österreich 
bis zum Jahr 2020 gilt es – wie auch im 
aktuellen Regierungsprogramm vorgese-
hen –, günstige europäische Finanzie-
rungsmittel zu nutzen und so die Kosten-
belastungen für heimische Strom- und 
GaskundInnen zu minimieren. Denn je 
niedriger die Kosten für den Finanzie-
rungsaufwand, desto geringer sind auch 
die Netztarife, die von jedem/jeder 
VerbraucherIn zu bezahlen sind. Ein 
günstiger Netzausbau schont mit einem 
Wort die Geldbörse der Energiekonsu-
mentInnen. 
Angesichts der derzeitigen wirtschaft-
lichen Situation gilt es auch, die kon-
junkturstimulierende Wirkung von In-
vestitionen in die Energieinfrastruktur 
hervorzuheben. So wurden in der Steier-
mark und im Burgenland durch den 150 
Millionen Euro teuren Bau der 380-kV-
Steiermark-Leitung zusätzliche regionale 
Wertschöpfungseffekte von 55 Millionen 
Euro erzielt. Durch das Vorziehen von in 
den nächsten Jahren ohnehin notwendi-
gen Erneuerungs- und Ausbaumaßnah-
men könnten nach Berechnungen der 
Energie-Control rund 65.000 Vollzeit-
arbeitsplätze vor allem in der Elektronik-
branche und der Bauwirtschaft ge- 
schaffen werden. Zusätzlich geschaffene 
Wertschöpfungseffekte würden knapp 
5,4 Milliarden Euro betragen und zu 
einem Großteil den jeweiligen Regionen 
zugutekommen. 
Internet:
Mehr Infos unter:
www.e-control.at/de/home
Schreiben Sie Ihre Meinung 
an den Autor
martin.graf@e-control.at
oder die Redaktion
aw@oegb.at
Eine zuverlässige und stabile Strom- und Gas-
versorgung zeichnet sich dadurch aus, dass 
wetterunabhängige Kraftwerkskapazitäten 
zur Verfügung stehen, außerdem braucht es 
leistungsstarke und „intelligente“ Netze. 
©
 Ö
GB
-V
er
la
g/
Pa
ul
 S
tu
rm
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.