4 Arbeit&Wirtschaft 7/2014Historie
Öko und sozial gehören zusammen 
A
uf einmal saßen wir im Finsteren. 
Es war ein gemütlicher Winter-
abend in Kärnten, meine Familie 
und ich saßen gemütlich vor dem 
Fernseher. In der Gegend kommen 
Stromausfälle durchaus vor, zum Beispiel 
wenn ein Gewitter die Sicherung sprin-
gen lässt oder wenn, wie in diesem Fall, 
ein Baum durch die schweren Schnee-
massen zum Umstürzen gebracht wurde 
und dabei eine Stromleitung mitgenom-
men hatte. Dabei hatten wir noch Glück, 
denn während bei uns nach ein paar 
Stunden das Licht wieder leuchtete und 
die Heizung wieder heizte, mussten die 
BewohnerInnen des Lesachtals einen 
ganzen Tag ohne Strom auskommen. 
Dabei hatten wir dieses Jahr Glück im 
Unglück: Es war kein bitterkalter Win-
ter, sodass der Ausfall der Heizung nicht 
allzu schwer wog. 
Österreich stärker betroffen
An diesem kleinen Beispiel offenbart sich 
ein Zusammenhang, der inzwischen un-
umgänglich ist, nämlich jener zwischen 
Energieverbrauch und Klimawandel. Ein 
aktueller Bericht von KlimaforscherIn-
nen bestätigt einmal mehr, dass dieser 
nicht geleugnet werden kann. Nicht nur 
das: Der Klimwawandel schreitet in Ös-
terreich schneller voran, als man viel-
leicht denken würde. Um es zu illustrie-
ren: Seit 1880 ist die Temperatur hierzu-
Sonja Fercher
Chefin vom Dienst
Standpunkt
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lande um fast zwei Grad Celsius gestiegen 
– global waren es „nur“ 0,85 Grad. Wie 
sehr sich diese Entwicklung beschleunigt 
hat, beweist die Tatsache, dass es seit den 
1980ern in Österreich um ein Grad wär-
mer wurde. 
Verteilungsfrage
Dabei leben wir in einer sehr spannenden 
Zeit, die uns viele nützliche oder unter-
haltsame neue Technologien beschert. 
Von der Wohnzimmercouch aus kann 
man an der Welt teilhaben wie noch nie 
zuvor. Zugleich steigt auch das allgemei-
ne Bewusstsein für Energieeffizienz. Bes-
ser gesagt: Angesichts der zur Neige ge-
henden Reserven an fossilen Brennstoffen 
ist dies auch bitter nötig. Energie ist auch 
eine Verteilungsfrage. So dringt immer 
stärker ins öffentliche Bewusstsein, dass 
es Menschen gibt, die von all diesen neu-
en Technologien nur träumen können, 
denn sie können sich nicht einmal das 
Heizen leisten. Das Schlagwort lautet 
„Energiearmut“, davon betroffen sind in 
Österreich immerhin mehr als eine Vier-
telmillion Menschen. Auch global be-
trachtet gibt es ein grobes Ungleichge-
wicht. So ist laut Internationaler Energie-
agentur ein Fünftel der Weltbevölkerung 
nicht mit elektrischer Energie versorgt, 
95 Prozent dieser Menschen leben in 
Asien und in den südlich der Sahara ge-
legenen afrikanischen Ländern. Zugleich 
nimmt der Energiebedarf enorm zu, die 
höchsten Zuwächse gab es in den letzten 
Jahrzehnten – wenig überraschend – in 
den Ländern des Mittleren Ostens, China 
und Indien. Immer noch führen die Liste 
der größten Energieverbraucher aber die 
USA und Europa an: Sie verbrauchen 
mehr als die Hälfte der Energie weltweit. 
Nachhaltigkeit ist also angesagt, nicht nur 
im Sinne der Umwelt. So manches alte 
Stromsparrezept mag schon etwas ausge-
leiert klingen, aber nach wie vor kann man 
mit einfachen Maßnahmen einiges errei-
chen, und zwar nicht nur im privaten Um-
feld: Auch für Unternehmen schlummert 
hier noch einiges an Potenzial. 
„Öko“ und „Sozial“ gehören zusammen
Es ist fast genau ein Jahr her, dass ich mit 
einem spannenden Wirtschaftsberater 
ein Interview führen durfte, der unter 
anderem für einen großen deutschen Au-
tokonzern arbeitet. Die häufigsten Spar-
maßnahmen, die dieser etwas andere 
„Rationalisierer“ empfiehlt, gehen nicht 
zulasten der ArbeitnehmerInnen oder gar 
der Arbeitsplätze. Vielmehr sind es Ener-
giesparmaßnahmen, von denen einige in 
der Tat sehr einfach sind. So lassen sich 
Energie und Geld sparen. Damit schließt 
sich ein weiterer Kreis: „Öko“ und „So-
zial“ lassen sich nicht voneinander tren-
nen, vielmehr hängen die beiden The-
men eng miteinander zusammen.
        

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