Full text: Ein Wörtchen mitreden (9)

Arbeit&Wirtschaft 9/201412 Schwerpunkt
Vom Wert der BetriebsrätInnen
ArbeitnehmerInnen schätzen die Arbeit ihrer gewählten VertreterInnen sehr.  
Die neue Arbeitswelt birgt neue Herausforderungen für die BetriebsrätInnen. 
I
m politischen Diskurs werden Be-
triebsrätInnen und die sie tragende 
Gewerkschaftsbewegung von neolibe-
ralen Meinungsmachern gerne als alt-
modisch, rückschrittlich, Verhinderer und 
Betonierer – kurz als unzeitgemäß und 
überholt dargestellt. Es ist daher wichtig 
zu überprüfen, ob diese Botschaften bei 
ArbeitnehmerInnen Gehör finden und 
BetriebsrätInnen und Gewerkschaften in 
Misskredit bringen oder ob die betriebs-
rätliche und gewerkschaftliche Mitbestim-
mung weiter den Stellenwert im Bewusst-
sein der Menschen hat, den sie verdient. 
Rahmenbedingungen 
In einer Zeit, in der die Wachstums-
schwäche im Gefolge der Finanzkrisen die 
Realwirtschaft und die in ihr Beschäftig-
ten und damit auch die BetriebsrätInnen 
stark unter Druck bringt, ist weiters wich-
tig, nicht nur die Einstellungen gegenüber 
BetriebsrätInnen zu erheben, sondern 
auch die Rahmenbedingungen und 
Schwierigkeiten ihrer Tätigkeit. So erhal-
ten auch die die BetriebsrätInnen betreu-
enden Gewerkschaften wichtiges empiri-
sches Material, um Umfeldveränderungen 
zu analysieren und zu diskutieren und auf 
dieser Basis gegebenenfalls ihre Unterstüt-
zung für die BetriebsrätInnen adaptieren 
oder weiterent wickeln zu können. Mit 
diesen Zielsetzungen hat daher die AK 
Wien in Kooperation mit den Gewerk-
schaften in den Jahren 2012/2013 durch 
IFES eine repräsentative Befragung unter 
ArbeitnehmerInnen (mit und ohne Be-
triebsrat) sowie unter Betriebsratsmitglie-
dern durchführen lassen. 
1. Hohe Zustimmung zu Betriebsrat und Gewerkschaften 
Die Ergebnisse der Befragung zeigen eine 
hohe Zustimmung zur kollektiven Vertre-
tung von Interessen der ArbeitnehmerIn-
nen durch gewählte BetriebsrätInnen. 
Ebenso werden die Gewerkschaften als 
wichtige gesellschaftspolitische Akteure 
wahrgenommen. Aus Sicht der Beschäf-
tigten sprechen viele Gründe für die Er-
richtung eines Betriebsrates, allen voran, 
dass damit KollegInnen in schwierigen 
 Situationen geholfen werden kann. Insge-
samt fällt die Bewertung der Betriebsrats-
arbeit durch die Beschäftigten sehr positiv 
aus: Knapp zwei Drittel der Befragten füh-
len sich vom Betriebsrat sehr gut bzw. gut 
vertreten. Dem stehen nur zwölf Prozent 
der Befragten gegenüber, die sich vom Be-
triebsrat nicht gut vertreten fühlen. Befragt 
nach den Eigenschaften „ihrer“ Betriebs-
rätInnen, attestieren die ArbeitnehmerIn-
nen ihnen am häufigsten Vertrauenswür-
digkeit, soziale Gesinnung und eine gute 
Gesprächsbasis mit der Belegschaft.
2. Betriebsratsarbeit: vielfältig und ver-antwortungsvoll 
2.1  Motive für bzw. gegen eine Be­
triebsratskandidatur 
Die Motive für bzw. gegen eine Betriebs-
ratskandidatur erlauben Rückschlüsse da-
rauf, wie anspruchsvoll betriebsrätliche 
Arbeit ist, die von den Betriebsratsmitglie-
dern hohes persönliches Engagement und 
Know-how erfordert. 
Knapp ein Zehntel der befragten Ar-
beitnehmerInnen gibt an, schon einmal 
bei einer Betriebsratswahl kandidiert zu 
haben. Gegen eine Kandidatur zum Be-
triebsrat sprechen aus Sicht der befragten 
ArbeitnehmerInnen am stärksten die 
zeitliche Überlastung (57 Prozent) sowie 
die mit der Betriebsratsarbeit verbunde-
ne hohe psychische Belastung und Ver-
antwortung (43 Prozent). Schwerwie-
gend sind mitunter auch die Sorge um 
mangelnde Unterstützung bzw. fehlen-
des Interesse seitens der KollegInnen (34 
Prozent) und zu erwartende Konflikte 
mit der Geschäftsführung (30 Prozent). 
Bei den Motiven für eine Kandidatur 
zum Betriebsrat rangieren bei den be-
fragten Betriebsratsmitgliedern die Mög-
lichkeit, die Situation für die Beschäftig-
ten zu verbessern (96 Prozent), und die 
generelle Stärkung der Mitbestimmung 
im Betrieb (86 Prozent) an vorderster 
Stelle. Viele haben aber auch kandidiert, 
weil sie von KollegInnen darum ersucht 
worden sind (83 Prozent) oder weil sie 
darin die Chance sahen, ein akutes Prob-
lem im Betrieb zu lösen (79 Prozent). 
2.2  Rahmenbedingungen der Be­
triebs ratsarbeit
Die befragten Betriebsratsmitglieder sind 
in hohem Maße zufrieden mit den ihnen 
zur Verfügung stehenden Ressourcen. 
Dies bestätigen mehr als zwei Drittel so-
wohl im Hinblick auf die Ausstattung 
mit Infrastruktur (wie Räumlichkeiten, 
Ursula Filipic¡
Referentin Abt. Sozialpolitik der AK Wien
Christoph Klein
Abteilungsleiter-Stellvertreter Abt. 
Sozialpolitik der AK Wien
        

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