Full text: Ein Wörtchen mitreden (9)

Arbeit&Wirtschaft 9/2014 13Schwerpunkt
Arbeitsmaterialien etc.) wie auch auf die 
für die Betriebsratstätigkeit zur Verfü-
gung stehenden finanziellen Ressourcen. 
Jedes dritte befragte Betriebsratsmitglied 
beklagt hingegen mangelnde zeitliche 
Ressourcen. 
Dass die zeitlichen Ressourcen ein 
neuralgischer Punkt für die Mitbestim-
mung sind, wird von anderen Ergebnis-
sen verstärkt: 
 » So etwa kann nur ein Drittel der Be-
triebsratsmitglieder die Betriebsratsarbeit 
zur Gänze in der Arbeitszeit erledigen,
 » einer Kandidatur zum Betriebsrat steht 
am häufigsten die zeitliche Überlastung 
im Wege, und 
 » für ihre künftige Arbeit wünschen sich 
Betriebsratsmitglieder am häufigsten 
Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit 
von Betriebsratsarbeit, beruflicher Arbeit 
und Familie/Freizeit.
Eine weitere wichtige Rahmenbedin-
gung für die Arbeit des Betriebsrates ist 
dessen Verhältnis zum/zur Arbeitgeber/
Arbeitgeberin. Zwei Drittel der befragten 
Betriebsratsmitglieder schätzen dieses als 
(sehr) vertrauensvoll und kooperativ ein 
und 23 Prozent sehen das Verhältnis im 
Mittelfeld. Als (sehr) konfliktträchtig 
und angespannt bewertet dieses Verhält-
nis nur jedes zehnte Betriebsratsmitglied. 
Ungeachtet dessen wirkt sich das Verhal-
ten der ArbeitgeberInnen am häufigsten 
erschwerend auf die Betriebsratsarbeit 
aus: reichend von fehlenden Informatio-
nen über ein mangelndes Vertrauensver-
hältnis bis hin zur mitunter feindlichen 
Haltung gegenüber dem Betriebsrat.
Für je knapp ein Drittel der Betriebs-
ratsmitglieder erschweren auch Umfang 
und Komplexität der Aufgaben und die 
aus der Betriebsratsarbeit resultierenden 
psychischen Belastungen die Betriebs-
ratsarbeit.
2.3  Veränderungen in der Arbeitswelt 
beeinflussen die Mitbestimmung 
Die in den vergangenen Dekaden zu be-
obachtende Heterogenisierung der Be-
legschaften – Stichworte: stärker differen-
zierte formale Qualifikationsstrukturen, 
Individualisierung und Atypisierung der 
Arbeit – wirkt sich auf die Arbeit der Be-
triebsräte aus (siehe auch „Der Betriebs-
rat als Störfaktor“, S. 30). 
Rund ein Drittel der befragten Be-
triebsratsmitglieder meint, dass die be-
triebsrätliche Arbeit von divergierenden 
Interessen in der Belegschaft und zu we-
nig Unterstützung seitens der Belegschaft 
erschwert wird – ungeachtet dessen, dass 
die befragten ArbeitnehmerInnen ihren 
BetriebsrätInnen grundsätzlich eine gute 
Gesprächsbasis mit der Belegschaft attes-
tieren und sich mehrheitlich interessiert 
an der Betriebsratsarbeit zeigen. 
Vor diesem Hintergrund gewinnt ein 
von den Betriebsratsmitgliedern häufig 
geäußerter Wunsch an Bedeutung, näm-
lich jener nach einer stärkeren Einbin-
dung bisher unterrepräsentierter Grup-
pen in die Betriebsratsarbeit, wie etwa 
Frauen, MigrantInnen oder jüngeren 
ArbeitnehmerInnen. 
2.4  Inhalte der Betriebsratsarbeit 
Dass die Betriebsratsarbeit eine vielfälti-
ge und anspruchsvolle Tätigkeit ist, lässt 
sich auch aus dem breiten Themenfeld, 
das dabei bearbeitet wird, ableiten. Laut 
Angaben der befragten Betriebsratsmit-
glieder stehen folgende Aktivitäten im 
Vordergrund ihrer Betriebsratsarbeit: 
 » Konfliktlösung (67 Prozent)
 » Werbung von Gewerkschaftsmitglie-
dern (64 Prozent)
 » Fragen im Zusammenhang mit Ein-
stellungen und Kündigungen (63 Prozent)
 » Fragen im Zusammenhang mit Ar-
beitsbelastungen/Gesundheit (62 Pro-
zent) sowie 
 » Lohn- und Gehaltsfragen (60 Prozent) 
Ähnlich sehen es die ArbeitnehmerInnen: 
Sie berichten am häufigsten (jeweils 54 
Prozent) von Aktivitäten der Betriebsräte 
in folgenden Bereichen: 
 » Arbeitsbelastungen/Gesundheit
 » Lohn- und Gehaltsfragen
 » ArbeitnehmerInnenschutz/Sicherheit
 » betriebliche Sozialleistungen
In vielen dieser Aktivitätsbereiche 
können die Betriebsratsmitglieder laut 
eigener Einschätzung gute Erfolge erzie-
len. Und die befragten ArbeitnehmerIn-
nen bewerten die Erfolge „ihrer“ Be-
triebsrätInnen noch positiver als die Be-
triebsratsmitglieder selbst.
Internet:
Böckler-Stiftung zu Mitbestimmung:
www.boeckler.de/index_mitbestimmung.htm
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an die AutorInnen
ursula.filipic@akwien.at
christoph.klein@akwien.at
oder die Redaktion
aw@oegb.at
Knapp zwei Drittel der befragten Arbeitnehme-
rInnen fühlen sich vom Betriebsrat sehr gut bzw. 
gut vertreten.
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