Full text: Ein Wörtchen mitreden (9)

Arbeit&Wirtschaft 9/2014 15Schwerpunkt
chen, etwa mit Arbeitsplatzbeschreibun-
gen eine Transparenz zu schaffen.“ Das 
Betriebsratsgremium teilt sich die Arbeits-
bereiche gut auf: „Von jedem werden die 
besten Fähigkeiten herausgekitzelt“, er-
klärt Culver. Zum Gremium gehört Peter 
Kajcsa, er ist der Arbeitsrechtsexperte – 
„der Paragrafenchef“. Großes Verhand-
lungsgeschick beweist Jürgen Redl. Frei-
lich sind auch Frauen im Team – Elfriede 
Diem und  Antonietta Manfredi. „Sie 
 sehen die Konflikte oft objektiver und 
 weniger emotional“, weiß der Betriebs-
ratsvorsitzende der Angestellten. 
Flowserve ist ein Unternehmen mit 
vielen unterschiedlichen Kulturen – der 
Konzern hat weltweit rund 17.000 Mit-
arbeiterInnen. Hier wird Rücksicht ge-
übt, Witze und dumme Bemerkungen 
etwa über Religionen werden nicht tole-
riert. Vieles, das verhandelt wird, ist 
langwierig und erst nach Jahren spürbar. 
Culver: „Die Leute trauen sich erst lang-
sam, über die Jahre hin, ihre Meinung zu 
äußern, auch wenn die Geschäftsleitung 
anwesend ist. Es ist einfach wichtig, auch 
außerhalb der Firma zu reden.“ Viele 
Themen lassen sich nämlich einfacher 
am Würstelstand gegenüber oder nach 
der Arbeit bei einem Bier bereden. 
Betriebsrat initiiert Lehrausbildung
Die Baufirma Porr Steiermark hat Ende 
Oktober den Anton-Benya-Preis gewon-
nen. Derzeit bildet sie 21 Lehrlinge aus 
– bei einer Belegschaft von knapp 200 ist 
das eine sehr hohe Ausbildungsquote. Vor 
rund zehn Jahren wurde das Lehrausbil-
dungsprogramm vom Betriebsratsvorsit-
zenden Christian Supper ins Leben geru-
fen: „Zu Beginn meiner Tätigkeit habe ich 
mir mit dem damaligen Niederlassungs-
leiter Gedanken gemacht, wie wir dem 
Fachkräftemangel entgegensteuern kön-
nen.“ Supper hat selbst bei Porr eine Leh-
re absolviert. „Damals, 1986, waren wir 
zwei Porr-Lehrlinge in der gesamten Stei-
ermark.“ Das Ziel: Bedürfnisse von Firma 
und Region auf einen Punkt zu bringen. 
Herausgekommen ist eine triale Ausbil-
dungsform: Dabei machen die Lehrlinge 
Erfahrungen im Betrieb, der Berufsschu-
le und auf Lehrbauhöfen, auf denen sie 
einige Wochen im Jahr betreut werden. 
Das Projekt hat sich positiv entwickelt. 
Die Firma profitiert, weil sie gute Maurer 
und Schalungsbauer ausbildet, die genau 
wissen, welche Anforderungen es im Be-
trieb gibt. Lehrlinge haben einen gesicher-
ten Arbeitsplatz mit Perspektive im Kon-
zern – nicht selbstverständlich, besonders, 
wenn sie aus der Peripherie der Steiermark 
stammen. In den letzten Jahren haben be-
reits sechs Lehrlinge die Polierschule ab-
solviert und sind auch bereits als Poliere 
im Einsatz.
Ungewöhnliche Wege
Niederlassungsleiter, Personalleitung und 
Betriebsrat bilden eine gelebte Sozialpart-
nerschaft im Betrieb. Können sich alle auf 
einen Nenner einigen, kommt auch ein 
gutes Ergebnis raus. Für Porr wirbt Sup-
per nun auch in den Schulen und Poly-
technischen Lehrgängen, um den Schüle-
rInnen die Firma als attraktiven Arbeitge-
ber vorzustellen. Für die Jungen ist es 
freilich ab und an hart, gleich mit 15 Jah-
ren Wochenpendler zu werden. Doch bin-
nen einiger Wochen werden sie sehr selbst-
ständig. Bereits seit sieben Jahren gibt es 
einen Lehrlingstag in der Steiermark, zu 
dem alle Porr-Lehrlinge und die Eltern aus 
dem ersten Lehrjahr eingeladen werden. 
„So können wir uns alle kennenlernen. Es 
werden auch ungewöhnliche Wege in der 
Ausbildung gegangen.“ 
Vor Kurzem haben Lehrlinge vom 
ersten bis zum dritten Lehrjahr einen 
Bauabschnitt selbstständig übernom-
men, erzählt Supper. Bei einem Grazer 
Wohnhaus waren sie dabei für das Anle-
gen, Mauern, Schalen der Decken, Be-
wehren, Betonieren und Versetzen von 
Fertigteilen auf der Baustelle verantwort-
lich. Dabei errichteten sie drei Geschoße 
und ein Penthaus, bloß ein Vorarbeiter 
kontrollierte die Lehrlinge. Betriebsrats-
vorsitzender Supper ganz stolz: „Anfangs 
arbeiteten sie ein bisschen ungenau, doch 
dann haben sie die Aufgaben toll erfüllt.“
Internet: 
Weitere Infos finden Sie unter:
www.betriebsraete.at
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an den Autor
resei@gmx.de
oder die Redaktion
aw@oegb.at
Ein Betriebsrat oder eine Betriebsrätin sollte 
Diskussionsfreudigkeit und Verhandlungs-
geschick mitbringen. Ein reger Gedanken-
austausch entwickelt sich vor allem bei 
Konfe renzen, wo sich BetriebsrätInnen treffen 
und sich über ungewöhnliche oder fortschritt-
liche Projekte austauschen können und sich 
Inputs für den eigenen Betrieb holen können. 
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