Full text: Ein Wörtchen mitreden (9)

Arbeit&Wirtschaft 9/2014 43Wir sind Europa
Was bedeutet Ihnen Arbeit?
Selbstverwirklichung, mit Menschen um-
gehen, soziale Kontakte. Ich habe, im 
wahrsten Sinne des Wortes, „einen Bock 
auf Leute“.
Wie sehen Sie die Wirtschaft?
Gesellschaftliche Basis, auf der wir uns 
bewegen, Spielfeld für die sozialen 
 Konflikte. „Sein bestimmt das Bewusst-
sein.“ (Marx) Die Wirtschaft ist die 
Basis für alles, gleich dem Feld, auf dem 
wir alles erwirtschaften, verteilen und 
 gestalten.
Was bedeutet Ihnen Gewerkschaft?
Die Gewerkschaft ist nicht nur mein 
 Arbeitgeber, die Gewerkschaft ist meine 
Heimat (vor allem die IG BAU) – mit 
 einer Fülle an Kontakten und einem 
 weltumspannenden Netzwerk. Aus 
 meiner Sicht ist die Gewerkschaft in 
der Schweiz eher Ordnungsfaktor als 
 Gegenmacht!
Was bedeutet Ihnen die EU?
Die EU ist der Raum, in dem wir ökono-
misch und auch politisch die Regeln set-
zen müssen! In der Schweiz ist die EU 
wichtiger Partner, aber ein EU-Beitritt 
kein Thema.
Ihr Lieblingsland in Europa? Warum?
Mein Lieblingstier ist der Otter – ist schlau 
und fleißig. Ich halte nicht viel von „Lieb-
lingsländern“ und der gleichen. 
Was bringt der Euro­Betriebsrat?
Aus Gewerkschaftssicht ist der EBR  eines 
der zentralen Themen und der  Beginn ei-
ner grenzüberschreitenden Arbeitneh-
merInnenmitwirkung (ich war früher als 
Trainer für Euro-Betriebsräte tätig). Der 
EBR muss sich noch entwickeln, stellt die 
Basis dar (siehe auch die Frage über die 
Wirtschaft) und soll sich über die Gren-
zen hinweg organisieren. Der EBR ist die 
einzige grenzüberschreitende Arbeitneh-
merInnenvertretung mit gesetzlicher Ba-
sis!  Mein Wunsch wäre: „Enger an Ge-
werkschaften.“ Das Problem auch der 
Schweizer Firmen ist: Sie wollen Markt-
zugang, Personenfreizügigkeit etc. Die Ar-
beitnehmerInnenmitwirkung ist jedoch 
eher gering ausgeprägt!
Wie und wie oft machen Sie Urlaub?
Eher individuell, zweimal im Jahr.
Was wünschen Sie sich für Ihre Zukunft?
Wir müssen es schaffen, dass es keine Rol-
le spielt, welche Augenfarbe, Haarfarbe 
bzw. welches Geschlecht jemand hat. Alle 
ArbeitnehmerInnen sind Mitglieder einer 
Gewerkschaft (Stichwort: „freie“ Gewerk-
schaft) – weltweit (global sind circa sieben 
Prozent organisiert).
Das Steuersystem in der Schweiz ist an­
ders als in Österreich, was zeichnet es aus? 
Der Schweizer Staatsbürger bekommt sein 
Gehalt/seinen Lohn brutto und führt Steu-
ern selbst ab. Das erfolgt monatlich in 
Form einer „Steuerrechnung“, man zahlt 
durchschnittlich circa 25 Prozent, das ist 
je nach Kanton unterschiedlich. Es gibt 
eine gemeinsame Veranlagung der Ehe-
partner. Das Steuersystem ist dreiteilig auf-
gebaut: Es gibt bundesweite Abgaben 
(überall in der Schweiz ident), Abgaben 
im Kanton (unterschiedlich) und Abgaben 
im Wohnort (unterschiedlich). Das ergibt 
einen maximalen Durchschnittssteuersatz 
von circa 30 Prozent. Der  „Ausländer“ bzw. 
der im Ausland wie Frankreich wohnt: Ab-
gaben werden von der Payroll komplett 
abgezogen und abgeführt. Man bekommt 
sein Gehalt bzw. seinen Lohn netto. 
Wie funktioniert die Sozialversiche­
rung?
Es gibt eine Versicherungspflicht bei pri-
vaten Versicherern, die personenbezogene 
und -abhängige Sätze verrechnen, plus 
 unterschiedliche Selbstbehalte im Ver-
sicherungsfall. 
I N F O & N E W S
Schweiz
Fläche: 41.285 km?
EinwohnerInnen: 8.160.900
Währung: Schweizer Franken CHF
BIP pro Kopf 2013: € 64.976
Human Development Index: 0,917
Aktuelle Durchschnittskosten 
1 Liter Benzin: 1,83 CHF (€ 1,50)
1 Laib Brot: 2–4 CHF (€ 1,70–€ 3,30)
1 Liter Milch: 1,35 CHF (€ 1,10)
? Liter Bier: 8–10 CHF (€ 6,70–€ 8,30)
1 Kilo Äpfel: ab 3 CHF (€ 2,50)
Z U R  P E R S O N
Matthias Hartwich
Alter: 47
Beruf: Director, Mechanical Engineering and Materials Industries
Erlernter Beruf: Diplom-Politikwissenschafter
Firmenstandort (Mitarbeiter): Genf (GE), knapp 50 MitarbeiterInnen
Gewerkschaft: Unia (Unia ist eine branchenübergreifende Schweizer Gewerkschaft.  
Sie organisiert die Arbeitnehmenden in Industrie, Gewerbe, Bau und privatem Dienstleistungsbereich), IG BAU
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.