Full text: Ein Wörtchen mitreden (9)

Arbeit&Wirtschaft 9/201446 Man kann nicht alles wissen
affin: nahe stehend; sehr interessiert. (Seite 35)
Antagonist: Gegenspieler. (Seite 32)
Arbeiterbildungsverein: Nach der März-Revolution 1848 
entstanden die ersten derartigen Vereine, im Juni 1848 
wurde durch die Initiative des Buchbindergesellen Fried-
rich Sander der „Erste Allgemeine Arbeiterverein“ in Wien-
Landstraße gegründet. Er wurde schon im Oktober wieder 
aufgelöst. Erst rund zwei Jahrzehnte später konnte mit 
einer systematischen Bildungsarbeit für die ArbeiterInnen 
begonnen werden, wobei diese Vereine anfangs zum Teil 
von Liberalen finanziert und gefördert wurden. Nach dem 
Hainfelder Parteitag 1888/89 wurden die Arbeiterbil-
dungsvereine von den gewerkschaftlichen Zusammen-
schlüssen der einzelnen Berufsgruppen zurückgedrängt, 
die ebenfalls „Vermittlung von Wissen, Aufklärung und 
Bildung“ als ihre Aufgabe betrachteten. (Seite 34)
Arbeitsverfassungsgesetz (ArbVG): 1973 unter Sozial-
minister Rudolf Häuser nach langen Verhandlungen 
verabschiedetes und am 1. Juli 1974 in Kraft getretenes 
Gesetz, das die Rechtsgrundlage für die Interessenver-
tretung der ArbeitnehmerInnen in den Betrieben darstellt. 
(Seite 16; 45)
ATX: Der Austrian Traded Index (ATX) ist der wichtigste 
Aktienindex in Österreich. Er wird während des Börsehan-
dels laufend berechnet und veröffentlicht. Der Index ent-
hält die Aktien der 20 größten börsennotierten Unterneh-
men Österreichs. (Seite 20)
Baernreither, Josef Maria: deutsch-böhmischer Politiker 
und Jurist (1845–1925), war viele Jahre Mitglied des 
Reichsrats (= Parlaments); 1898 und 1907 Handelsminis-
ter, 1916 bis 1917 Minister ohne offiziellen Kompetenz-
bereich mit der Aufgabe, den Aufbau eines Sozialministe-
riums vorzubereiten. Als Mitbegründer der Partei „Verfas-
sungstreuer Großgrundbesitz“ zählte er zu den führenden 
fortschrittlichen Sozialpolitikern seiner Epoche. (Seite 11)
Benchmark: Richtwert, Maßstab; Höhenfestpunkt, bei-
spielsweise an Messlatten. Beim Benchmarking werden 
gezielt erfolgreiche Produkte, Produktionsmethoden etc. 
der Konkurrenz beobachtet, um sich daran zu orientieren. 
(Seite 30)
Commitment: sich bekennen/verpflichten; Identifikation 
einer Person mit einem Unternehmen oder einem Projekt. 
(Seite 31)
Corporate-Governance-Aktionsplan: Die EU-Kommissi-
on stellte Ende 2012 einen Aktionsplan „Europäisches 
Gesellschaftsrecht und Corporate Governance“ vor. Des-
sen Ziel ist es, einen modernen Rechtsrahmen für enga-
giertere Aktionäre und besser überlebensfähige Unterneh-
men zu schaffen. Kernpunkte sind: mehr Transparenz, 
Förderung langfristigen Engagements der Aktionäre, Ini-
tiativen im Bereich des Gesellschaftsrechts zur Unterstüt-
zung europäischer Unternehmen und zur Förderung ihres 
Wachstums und ihrer Wettbewerbsfähigkeit. (Seite 20)
Crowdworking: Mit „Crowdsourcing“ wird der neue Trend 
der Arbeit bezeichnet. Die Verlagerung der Arbeit erfolgt 
nicht mehr an konkrete, klar identifizierbare Unternehmen 
mit festem Firmensitz und einem Mindestmaß an gesetz-
lich verbrieften Rechten für ArbeitnehmerInnen. Arbeit 
wird jetzt über professionelle Internet-Plattformen an eine 
scheinbar anonyme Masse von „CrowdworkerInnen“ ver-
teilt. Ein bekanntes Beispiel ist das Online-Lexikon Wiki-
pedia. de.wikipedia.org/wiki/Crowdsourcing (Seite 28)
Die Glühlichter: bedeutendste humoristisch-satirische 
Zeitschrift der Sozialdemokratie im Stil des Münchner 
„Simplicissimus“, die von 1889 bis 1915 erschien (ab 
1895 „Neue Glühlichter“). Neben bekannten Redakteuren 
wie Josef Luitpold Stern schrieben dort auch Schriftstel-
lerInnen wie Marie Ebner-Eschenbach, Alfons Petzold, 
Alexander Roda Roda oder Hermann Hesse ihre Beiträge. 
Texte und Karikaturen hatten das Ziel, die Menschen von 
der Notwendigkeit der Arbeiterbewegung zu überzeugen. 
Unter anderem wegen seiner pazifistischen Grundhal-
tung wurde das Blatt ab 1914 immer wieder zensuriert. 
(Seite 11)
Facility-Management: umfassende Betreuung und Ver-
waltung von Gebäuden. (Seite 32)
Finanzmarktaufsicht (FMA): 2002 gegründete Instituti-
on zur Beaufsichtigung von Banken, Versicherungen, 
Pensionskassen, betrieblichen Vorsorgekassen, Wertpa-
pierfirmen und Wertpapierdienstleistungsunternehmen, 
Investmentfonds, Finanzkonglomeraten sowie Börsenun-
ternehmen. Als Behörde kann die FMA verbindliche Nor-
men, wie etwa Verordnungen und Bescheide, erlassen 
oder Zwangsakte setzen (Konzessionen entziehen, Ge-
schäftsleiter abberufen, Verwaltungsstrafen verhängen). 
(Seite 21)
Gewerbegerichtsgesetz: Mit dem Gesetz von 1896 wurde 
erstmalig die Einführung von Gewerbegerichten sowie die 
Gerichtsbarkeit in Streitigkeiten aus gewerblichen Ar-
beits-, Lehr- und Lohnverhältnissen in Österreich, Tsche-
chien und Slowenien geregelt. (Seite 11)
Institut für Aufsichtsrat-Mitbestimmung (IFAM): Ziel des 
Instituts von AK und ÖGB ist es, Arbeitnehmervertrete-
rInnen im Aufsichtsrat bei ihrer Tätigkeit zu unterstützen. 
Das Angebot an Bildungsmaßnahmen berücksichtigt 
sowohl rechtliche als auch betriebswirtschaftliche As-
pekte, es umfasst u. a. die dreiwöchige Grundausbildung, 
Spezialseminare, Informationsmaterial sowie Veranstal-
tungen, außerdem individuelle Beratung. (Seite 21)
ISW: Institut für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, 
gegründet 1977 in Linz, forscht und publiziert zu Arbei-
ternehmerInnen-relevanten Fragen, Präsident: Johann 
Kalliauer. www.isw-linz.at (Seite 31)
Müller, Rudolf: sozialdemokratischer Gewerkschafter und 
Politiker (1864–1955), war gelernter Bäcker und später 
Bahn-Bediensteter. Zusammen mit dem Werkstättenar-
beiter Josef Tomschik gründete er die freigewerkschaft-
liche Eisenbahner-Organisation und war Redakteur der 
Gewerkschaftszeitschrift „Der Eisenbahner“. Mit kurzer 
Unterbrechung von 1908 bis 1914 und 1917 bis 1918 
Reichsratsabgeordneter, 1918 bis 1932 Parlamentsabge-
ordneter der Ersten Republik. (Seite 11)
Paritätische Kommission: paritätisch = ausgewogen, 
gleichberechtigt; in paritätischen Kommissionen sind 
prinzipiell sämtliche Interessengruppen gleichberechtigt 
vertreten. So vertreten etwa in der Schweiz die Paritä-
tischen Kommissionen der verschiedenen Branchen zu 
gleichen Teilen die Interessen der Arbeitnehmer und Ar-
beitgeber. Die österreichische paritätische Kommission 
für Lohn- und Preisfragen entstand 1957 als informelles 
System der freiwilligen Zusammenarbeit von Arbeitgeber- 
und Arbeitnehmerverbänden und Regierung und wurde 
ein zentrales Instrument der Sozialpartnerschaft, hat 
heute jedoch an Bedeutung eingebüßt. So gab es etwa 
im Bereich der Preise seit 1994 keine Regelung mehr. 
(Seite 42)
Payroll: Gehaltsabrechnung, Lohnzettel, Lohnkonto. 
 (Seite 43)
Plutokratie (Plutarchie): Herrschaftsform, bei der poli-
tische Rechte anhand des Vermögens vergeben werden; 
Herrschaft der Reichen. (Seite 17)
Präambel: Einleitung, Vorwort vor einem Vertrag, einer 
völkerrechtlichen Urkunde u. Ä. (Seite 32)
Rent-Seeking: Bestreben von Einzelpersonen oder Inte-
ressengruppen, durch Einflussnahme auf politische Ent-
scheidungsträger (Lobbying) Einkommen ohne entspre-
chende produktive Gegenleistung zu erzielen. Dabei kann 
es sich um Steuervergünstigungen, Regulierungen, di-
rekte Zahlungen, staatliche Aufträge etc. handeln. Der 
Begriff leitet sich ab von der Grundrente auf den Besitz 
von Boden, eines Produktionsfaktors, der nicht beliebig 
vermehrt werden kann. Erfolgreiches Rent-Seeking führt 
zu einer Einkommensumverteilung und damit unter Um-
ständen zu einem Nettowohlfahrtsverlust. (Seite 38)
Ruttenstorfer, Wolfgang: Manager und früherer SPÖ-
Politiker, geb. 1950, 1997–1999 Staatssekretär im 
 Finanzministerium, 2002–2011 Generaldirektor der OMV. 
Gegen Ruttenstorfer, der ab 1976 bei der OMV beschäftigt 
war, wurde 2010 wegen Insiderhandels in Zusammenhang 
mit dem Verkauf der MOL-Anteile des Konzerns ermittelt. 
Er wurde 2012 freigesprochen. Ruttenstorfer ist heute 
u. a. stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender beim 
Flughafen Wien und Aufsichtsratsmitglied der Telekom 
Austria. (Seite 20)
Sallmutter, Hans: österreichischer Gewerkschafter und 
SPÖ-Politiker, geb. 1944, 1994–2005 Vorsitzender der 
gpa, 1997–2001 Präsident des Hauptverbandes der ös-
terreichischen Sozialversicherungsträger. (Seite 45)
Tietmeyer, Hans: deutscher Volkswirtschaftler, geb. 1931, 
1982–1989 Staatssekretär im Bundesfinanzministerium. 
1988 kam Tietmeyer nur durch Glück bei einem Anschlag 
der RAF ohne Verletzung davon. Bei den Verhandlungen 
zur Wiedervereinigung war er Berater von Helmut Kohl in 
Wirtschaftsfragen, von 1993 bis 1999 Präsident der 
 Deutschen Bundesbank. Tietmeyer war bis zur Schieflage 
in der Finanzkrise Aufsichtsratsmitglied der Hypo Real 
Estate. (Seite 17)
tripartistisch: dreiteilig, drei Akteure mit jeweils unter-
schiedlichen Interessen miteinschließend. (Seite 38)
Unia: 2004 aus dem Zusammenschluss der alten, im 
Dienstleistungssektor tätigen Unia mit vier anderen Ge-
werkschaften entstandene Gewerkschaft, mit rund 
200.000 Mitgliedern die größte Gewerkschaft der Schweiz. 
Sie handelt die Arbeitsbedingungen und Löhne von mehr 
als einer Million Menschen in fast allen Bereichen der 
Privatwirtschaft aus. Ein wichtiger Teil der Unia ist die 
Arbeitslosenkasse, die größte unter den insgesamt 30 
Schweizer Arbeitslosenkassen, die von den Arbeitneh-
merInnen frei gewählt werden können. (Seite 42) 
Window of Opportunity: wörtlich: Fenster der Gelegenheit; 
Bezeichnung für eine Gelegenheit, die nur vo rübergehend 
besteht. (Seite 44) 
Wirtschafts- und Sozialbeirat: Im Oktober 1963 einge-
richteter Bestandteil der Paritätischen Kommission für 
Lohn- und Preisfragen. (Seite 39)
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.