Full text: JubilEUmskater (001)

Arbeit&Wirtschaft 1/2015 31Schwerpunkt
terreich-Aufschlag lässt sich nicht wegleug-
nen“, weiß AK-Konsumentenschützerin 
Gabriele Zgubic. „Unfassbar, aber alle ver-
glichenen Drogeriewaren sind in Wien im 
Schnitt teurer als in München.“ Auch bei 
Lebensmitteln ist die Lage vergleichbar.
Wanderungen
Während Nathalie A. nach Österreich ge-
kommen ist, hat es 7.000 ÖsterreicherIn-
nen nach Frankreich gezogen. In Deutsch-
land leben 249.768, im Vereinigten König-
reich (GB) 25.000, in Ungarn 5.153, in der 
Tschechischen Republik 3.435, in Litauen 
und Lettland aber nur je 30 und 40 Aus-
landsösterreicherInnen. Und anders her-
um: Lebten 1995 noch rund 18.000 EU-
BürgerInnen in Österreich, sind es heute 
518.000. Die größte Gruppe kommt mit 
230.000 Menschen aus Deutschland (Zah-
len Bundesministerium für Europa, Inte-
gration und Äußeres bzw. Statistik Austria). 
Der gebürtige Deutsche Moritz Ziegler, 35, 
übersiedelte vor sieben Jahren nach Wien. 
„In Österreich ist alles familiärer“, meint 
der Grafiker aus Bayern: „Die Kollegen bei 
der Zeitung sind nicht so distanziert wie in 
Deutschland.“ 
Wie viele Menschen hatte Ziegler erst 
seine Schwierigkeiten mit der Bürokratie: 
Als es in seiner Wiener Wohngemein-
schaft, die nur aus Deutschen bestand, bei 
einem Fest ein bisschen lauter wurde, gab 
es von der Polizei gleich eine Anzeige. Die 
gängige Wiener Regelung „Drehen Sie 
halt ein bisschen leiser“ galt für die Deut-
schen offenbar nicht. Mit der Strafver-
fügung wegen Ruhestörung erhielt der 
Grafiker auch noch eine Strafe wegen Ver-
stoßes gegen das Meldegesetz. Inzwischen 
hat sich Ziegler mit Österreich versöhnt. 
Er schätzt die Lebenskultur, Gemütlich-
keit und: „In den letzten Jahren ist Wien 
etwas weltoffener geworden.“ In seiner 
Fußballrunde spielen neben Österreichern 
und Deutschen auch Männer aus Eritrea, 
dem Kosovo und Kroatien. Ziegler: „Wir 
sind ein richtiger Wohlfühlverein.“ 
Wer nicht wie Moritz Ziegler oder 
Nathalie A. aus den EU-Staaten zum Ar-
beiten nach Österreich kommt, ist oftmals 
StudentIn und nutzt das Erasmus-Pro-
gramm. Jährlich werden Zigtausende eu-
ropäische StudentInnen mithilfe dieser 
Förderung mobil, die Teilnehmerzahl 
steigt. Im Studienjahr 1995/1996 lernten 
rund 2.300 österreichische StudentInnen 
an anderen europäischen Hochschulen. 
Im Studienjahr 2012/2013 absolvierten 
bereits ganze 5.800 ÖsterreicherInnen 
(Zahlen des Bundesministeriums für Wis-
senschaft, Forschung und Wirtschaft, 
BMWFW) im Rahmen des LL-Pro-
gramms (LLP – Lebenslanges  Lernen, 
von 2007 bis 2013) einen Studienaufent-
halt oder ein Praktikum im Ausland. 
Die beliebtesten Zielländer für öster-
reichische StudentInnen im Studienjahr 
2012/2013 waren Spanien, gefolgt von 
Frankreich, Schweden, dem Vereinigten 
Königreich (GB) und Deutschland. Stu-
dierendenpraktika wurden vor allem in 
Deutschland, dem Vereinigten Königreich 
(GB) und in der Schweiz absolviert. Insge-
samt waren 2014 rund 74.000 Studieren-
de mit einem Erasmus-Programm unter-
wegs. Auch Lehrlinge werden gefördert, 
wenn sie ins Ausland gehen möchten. Bis-
lang absolvierten 5.000 österreichische 
Lehrlinge ein Praktikum in einem anderen 
EU-Land. Mit dem EU-Programm Leo-
nardo da Vinci werden diese Auslands-
praktika gefördert. Pro Jahr nutzen rund 
450 österreichische Lehrlinge diese Mög-
lichkeit. Kapazität gäbe es für knapp dop-
pelt so viele.
Austausch
Seit 2014 läuft das neue EU-Programm 
Erasmus+ für Bildung, Jugend und Sport, 
das u. a. die fünf Drittstaatenprogramme 
„Erasmus Mundus“, „Tempus“, „Alfa“, 
„Edulink“ und „Programm für die Zusam-
menarbeit mit industrialisierten Ländern“ 
vereint. Neuerungen sind etwa: Studienbe-
zogene Praktika können von zwei bis zwölf 
Monate absolviert werden; Ausweitung der 
Erasmus-Studierenden- und Personalmo-
bilität, die nun auch außerhalb Europas 
stattfinden kann (erst ab SJ 2015/2016 
möglich). Doch Bildung wird immer mehr 
zu einem Gut, das nicht länger gratis ist, 
denn es ist in Vorbereitung, dass Österreichs 
Studierende, die ihr gesamtes Masterstudi-
um im europäischen Ausland absolvieren 
wollen, die Möglichkeit zu einem zinsgüns-
tigen Bankdarlehen erhalten.
Internet:
KonsumentInnenschutz AK Wien:
tinyurl.com/qbfpg3m
Bildung und Jugend in der EU: 
tinyurl.com/mgzr2cl
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an die Autorin
sophia.fielhauer@chello.at
oder die Redaktion
aw@oegb.at
Billigere Lebensmittel sollte der Beitritt zur EU 
bringen. Das Angebot wurde zweifellos größer, 
doch 2014 war ein Warenkorb mit 165 gleichen 
Drogeriewaren in Wien um durchschnittlich  
53,2 Prozent teurer als in München.
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