Full text: JubilEUmskater (001)

Arbeit&Wirtschaft 1/2015 39Schwerpunkt
2010 um 136.000 Personen auf heute 
336.00 angestiegen. Herbert Buchinger, 
Vorstand des AMS, zieht Bilanz: „Das ist 
schon eine beachtliche Zahl. Das BIP-
Wachstum in Österreich hätte deutlich 
höher ausfallen müssen, um diesen Zu-
strom am Arbeitsmarkt gut abzufangen. 
Außerdem ist das heimische Arbeitskräf-
tepotenzial nicht zurückgegangen – im 
Gegensatz zu Deutschland, wo das seit 
drei Jahren der Fall ist. In Deutschland 
war der Zuzug sogar notwendig, um ei-
nen funktionierenden Arbeitsmarkt auf-
rechtzuerhalten.“
Öffnung
In Österreich ist vor allem die Migration 
aus Rumänien und Bulgarien stark aus-
gefallen. Seit der Öffnung im Jänner des 
Vorjahres sind knapp 14.000 Personen 
zusätzlich aus diesen Ländern in den hei-
mischen Arbeitsmarkt geströmt, während 
aus den EU-8 der Zuzug verflachte. 
 Buchinger rechnet damit, dass bis 2018 
insgesamt weitere 25 bis 30.000 Men-
schen aus den zehn EU-Ost-Staaten ihren 
Weg nach Österreich finden werden. 
„Kurzfristig führt das zu einer 
schmerzhaften Belastung des Arbeits-
marktes, langfristig hat das aber positive 
Effekte, weil weniger qualifizierte Ar-
beitskräfte aus Nicht-EU-Staaten mit 
höher qualifizierten Personen aus der 
EU ausgetauscht werden. Positiv, weil 
die besser qualifizierten für eine höhere 
Wertschöpfung sorgen“ (besserer Ver-
dienst, höheres Steueraufkommen, 
Anm.). Buchinger weiß, dass dieser Pro-
zess Menschen, die jetzt verzweifelt auf 
Jobsuche sind, schwer zu vermitteln ist. 
Vor allem bis zum Jahr 2019, weil bis 
dahin laut AMS-Berechnungen das hei-
mische Arbeitskräftepotenzial noch 
wachsen wird: „Ab 2020 wird das inlän-
dische Erwerbspotenzial zurückgehen, 
dann brauchen wir Fachkräfte, die der 
heimische Arbeitsmarkt einfach nicht 
bietet“, so der Experte.
Gleichlautend äußert sich Margit 
Kreuzhuber, Beauftragte für Migration 
und Integration der Abteilung Sozial-
politik und Gesundheit in der WKO: 
„Zur Deckung des Fachkräftebedarfs 
haben Maßnahmen, die am inländi-
schen Arbeitskräftepotenzial ansetzen, 
klar Vorrang. Diese Maßnahmen rei-
chen aber nicht aus, um die Nachfrage 
nach Arbeitskräften abzudecken. Ein 
Grund dafür sind regionale Disparitä-
ten, dazu kommt auch die wenig ausge-
prägte innerösterreichische Mobilität. 
Das führt einerseits dazu, dass zum Bei-
spiel offene Stellen in Westösterreich 
nicht besetzt werden und andererseits in 
Ostösterreich in den entsprechenden 
Berufen eine hohe Arbeitslosigkeit 
herrscht.“ Häufig stimmen laut Kreuz-
huber auch die am Arbeitsmarkt ange-
botenen Qualifikationen nicht mit der 
Nachfrage der Betriebe zusammen: 
„Auch hier gilt es zunächst, durch im 
Inland ansetzende Maßnahmen gegen-
zusteuern. Zusätzlich bedarf es aber je-
denfalls auch der Zuwanderung sowohl 
aus anderen EU-Mitgliedstaaten als 
auch in weiterer Folge aus Drittstaa-
ten“, so die Expertin. 
Hohe Arbeitslosigkeit auf der einen 
Seite, ein Mangel an passenden Arbeits-
kräften auf der anderen – das klingt pa-
radox, ist in Österreich in vielen Sparten 
allerdings Realität. „Der Gesundheitsbe-
reich könnte ohne die tatkräftige Unter-
stützung von ausländischen Arbeitskräf-
ten kaum aufrechterhalten werden, 
ähnliches gilt für den Tourismus. Auch 
im MINT-Bereich – Mathematik, In-
formatik, Naturwissenschaften, Technik 
– herrscht sowohl im mittleren als auch 
im hochqualifizierten Segment eine star-
ke Nachfrage nach qualifizierten Ar-
beitskräften“, erläutert Kreuzhuber. 
Projekt IGR – Zukunft ImGrenzRaum
Der ÖGB Burgenland und der Landes-
verband der ungarischen Gewerkschaften 
MSZOSZ erleichterten hier durch kos-
tenlose Beratung sowohl UngarInnen in 
Österreich als auch ÖsterreicherInnen in 
Ungarn den Einstieg ins Arbeitsleben. 
Das Projekt war auf sieben Jahre angesetzt 
und ist Ende 2014 ausgelaufen. In die-
sem Zeitraum fanden rund 70.000 In-
formationsgespräche zu arbeits- und so-
zialrechtlichen Themen statt. Bei IGR 
hofft man auf eine Fortsetzung der Tä-
tigkeit in neuer Form – ausverhandelt ist 
das noch nicht. 
Internet:
Weitere Infos finden Sie unter:
www.arbeitsmarktoeffnung.at
www.igr.at
Schreiben Sie Ihre Meinung 
an die AutorInnen
harald.kolerus@gmx.at
amela.muratovic@oegb.at
oder die Redaktion
aw@oegb.at
Seit 2014 haben auch ArbeitnehmerInnen aus 
Rumänien und Bulgarien uneingeschränkten 
Zugang zum heimischen Arbeitsmarkt. 
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