Full text: Das gute Leben (10)

Arbeit&Wirtschaft 10/2015 33Schwerpunkt
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Ein bisschen macht Geld also schon  
glücklich und selbst empfundene Schönheit 
auch. Aber eben nur ein bisschen. 
Endorphine (körpereigene Opiate, die 
schmerzstillend wirken), Oxytocin (auch 
„Bindungs- oder Kuschelhormon“ ge-
nannt) und die Neurotransmitter Dopa-
min und Serotonin gemeint. In einem 
komplexen Zusammenspiel setzt das Ge-
hirn diese und weitere Botenstoffe frei, 
wenn Glücksgefühle entstehen. Bei den 
meisten Menschen passiert das bei Akti-
vitäten wie Sport, Nahrungsaufnahme 
oder Sex.
Reich und schön = glücklich?
Der Körper spielt noch in anderer Hin-
sicht eine Rolle betreffend Glück. Die 
Glücksforscherin Sonja Lyubomirsky in-
terpretiert verschiedene Studien so, dass 
körperliche Schönheit keinen Einfluss auf 
das Glücksempfinden hat. So etwa zeigt 
sich nach Schönheitsoperationen meist 
nur ein kurzer positiver Effekt auf das 
Wohlbefinden. Sich selbst jedoch für 
schöner zu halten bzw. ein positives Selbst-
bild zu haben dürfte jedoch sehr wohl ein 
Glücksfaktor sein. Das bedeutet, entschei-
dend ist weniger ein „objektiv“ gutes Aus-
sehen, sondern vielmehr der subjektive 
positive Blick für die eigene Schönheit. 
Unterstützt wird das auch durch Psycho-
therapie-Studien, die zeigen, dass viele 
psychische Störungen – wo sich Betroffe-
ne unglücklich erleben – mit einem nied-
rigen Selbstwert einhergehen. 
Reichtum ist ebenfalls nur ein relati-
ver Glücksfaktor: Bis zum Erreichen ei-
nes bestimmten Lebensstandards wirkt 
sich ein niedriges Einkommen laut dem 
Nobelpreisträger Angus Deaton stark auf 
das Befinden aus. Durch belastende Le-
bensumstände (z. B. Scheidung, Krank-
heit) hervorgerufener Stress vervielfältigt 
sich dabei. Allerdings fand das Forscher-
team der US-Universität Princeton auch 
heraus: Ab umgerechnet etwa 5.000 Euro 
Haushaltseinkommen empfinden zwar 
viele Menschen jede weitere Einkom-
menssteigerung positiv, es hat jedoch kei-
nen Einfluss mehr auf ihr Stress- oder 
Glücksempfinden. Ein bisschen macht 
Geld also schon glücklich und selbst 
empfundene Schönheit auch.
Abseits äußerer Faktoren gibt es viele 
Ideen dazu, wie das Glück quasi wie ein 
Muskel trainiert werden kann. Neuro-
biologische Basis ist, dass das Gehirn 
durch Nervenzellenverbindungen struk-
turiert ist. Stark vereinfacht erklärt: Man 
geht davon aus, dass, je öfter ein Impuls 
verschickt wird, umso robuster auch die 
Schnittstelle für diesen Impuls wird. Ver-
gleichbar mit dem Bild, dass wenn eine 
Nervenbahn für das Glücksempfinden 
ganz schmal ist, die Freude-Impulse dort 
nicht besonders bequem durchmarschie-
ren können. Beim Training wird ein Im-
puls „Freude“ bzw. „Glück“ durch den 
schmalen Pfad geschickt. Anfangs muss 
man ihn vielleicht mit viel Aufwand auf 
den Weg schicken und sozusagen durch-
pressen. Durch viele Impulse wird mit 
der Zeit die enge Nervenbahn immer 
breiter. Die Impulse „Freude“ kommen 
besser durch. Schließlich wird daraus 
ein breiter Weg, und so können die 
Freudeimpulse wie auf einer Nervenzel-
len-Autobahn mit Leichtigkeit hin und 
her flitzen. Es reichen dann bereits kleine 
Impulse für die Anfeuerung dieser Emp-
findung. Dabei scheint es effizienter zu 
sein, sich häufiger an kleinen Dingen zu 
erfreuen als selten an Großen.
In der vom US-Psychologen Martin 
Seligman geprägten „positiven Psycholo-
gie“ wurden verschiedene Übungen ent-
wickelt und erforscht, die diesem Prinzip 
folgen. Beispiel: Täglich sollen drei posi-
tive Ereignisse mit einer Begründung no-
tiert werden, also z. B.: „Heute morgen 
hat mich mein Lebensgefährte mit einem 
Kaffee ans Bett serviert überrascht. Der 
herrliche Geruch und die liebevolle Geste 
haben mir den Tag versüßt.“ Diese 
Übung zeigte nach sechs Wochen eine 
deutliche Steigerung des Wohlbefindens 
bei den StudienteilnehmerInnen. 
Die schönen Dinge
In der Glücksforschung gibt es also Hin-
weise darauf, dass zwar äußere Rahmen-
bedingungen einen Einfluss auf unser Er-
leben haben. Darüber hinaus gibt es aber 
auch individuelle Möglichkeiten, das eige-
ne Glücksgefühl zu steigern: sei es durch 
das Ankurbeln von sogenannten Glücks-
hormonen durch Sport, Sex, gutes Essen 
– oder auch gedankliche Auseinanderset-
zung mit den schönen Dingen des Lebens.
Internet: 
World Happiness Report 2015:
worldhappiness.report
Studie „Spending Money  
on Others Promotes Happiness“:
tinyurl.com/oqw2hpj
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