Full text: Das gute Leben (10)

Arbeit&Wirtschaft 10/2015 37Schwerpunkt
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Regulierung der Finanzmärkte oder des 
internationalen Handels. Zentral ist die 
Bekämpfung der politischen und ökono-
mischen Machtungleichgewichte, nicht 
zuletzt im Sinne der Interessen von ar-
men und benachteiligten sozialen Grup-
pen im globalen Süden gleichermaßen 
wie im hochentwickelten Norden.
Kurswechsel
Dabei ergreifen durchaus unterschiedliche 
AkteurInnen die Initiative. Schon im De-
zember 2012 organisierte die IG Metall 
in Berlin einen großen Kongress mit dem 
Titel „Kurswechsel für ein gutes Leben“, 
auf dem man sich auf die Suche nach ei-
nem neuen Fortschrittsbegriff für Indus-
triegesellschaften und alternative Ent-
wicklungspfade machte. 2014 verwende-
te eine Kooperation aus AK Wien, Attac 
Österreich, Beirat für gesellschafts-, wirt-
schafts- und umweltpolitische Alternati-
ven (BEIGEWUM), Grüner Bildungs-
werkstatt u. a. den gleichen Titel für eine 
Veranstaltungsreihe und eine Ausgabe der 
Zeitschrift „Kurswechsel“. Im Februar 
2015 fand an der Wirtschaftsuniversität 
der erste große österreichische Kongress 
mit dem Titel „Gutes Leben für alle“ statt, 
auf Initiative der Allianz „Wege aus der 
Krise“ und des Obmanns der Grünen Bil-
dungswerkstatt Österreich. „Wege aus der 
Krise“ ist dabei bereits selbst eine themen-
übergreifende zivilgesellschaftliche Alli-
anz, an der österreichische Fachgewerk-
schaften und Umweltorganisationen 
ebenso beteiligt sind wie die Menschen-
rechtsorganisation SOS Mitmensch, das 
Netzwerk Armutskonferenz, die öster-
reichische HochschülerInnenschaft und 
Attac Österreich. Schon in diesem Netz-
werk wurden in den letzten Jahren the-
menübergreifende politische Allianzen 
 erprobt und das Ergebnis der internen 
Abstimmung in Form eines jährlich er-
scheinenden Zivilgesellschaftlichen Zu-
kunftsbudgets als Forderungen an die Po-
litik herangetragen. Der Kongress wurde 
von der AK, Entwicklungsorganisationen, 
Forschungsinstitutionen und politischen 
Bildungseinrichtungen mitgetragen. Zu-
sätzlich haben sich zahlreiche Initiativen 
an einer Messe beteiligt, die im Rahmen 
des Kongresses stattgefunden hat.
Der Vorteil der Utopie des guten Le-
bens für alle ist, dass sich im Unterschied 
zum „verwandten“ Postwachstumskon-
zept – in dem sehr viel Gewicht auf Ver-
zicht und individuelle Verantwortung 
gelegt wird – auch gesellschaftliche Ak-
teurInnen darauf einigen können, die 
stärker mit der bestehenden Wachstums-
logik verbunden sind. Schließlich blei-
ben die konkreten Schritte und Zwi-
schenziele zur Transformation unserer 
Gesellschaften vorerst relativ offen. 
In der akademischen Diskussion 
wurde die Idee des guten Lebens vor al-
lem unter Berufung auf Aristoteles aus-
formuliert, am prominentesten von der 
US-amerikanischen Sozialphilosophin 
Martha Nussbaum. Ihr geht es im Sinne 
der Entwicklung menschlicher Grundfä-
higkeiten nicht nur um die Sicherung 
von grundlegenden Daseinsvorausset-
zungen, sondern auch um die Schaffung 
von gesellschaftlichen Bedingungen, die 
allen gleichermaßen die Entdeckung und 
Nutzung des eigenen schöpferischen Po-
tenzials und den Aufbau von bedeuten-
den Beziehungen zu Mitmenschen und 
der Natur ermöglichen. In ähnlicher 
Weise entwerfen der Wirtschaftshistori-
ker Robert Skidelsky und sein Sohn Ed-
ward eine Ökonomie des guten Lebens, 
die im Unterschied zum wirtschaftswis-
senschaftlichen Mainstream konkrete 
menschliche Bedürfnisse wie Gesund-
heit, Sicherheit, Persönlichkeit und Har-
monie mit der Natur in den Fokus 
nimmt sowie die politisch-ökonomi-
schen Möglichkeiten für deren Erfül-
lung.
Mehr Schlagkraft als Allianz
Offensichtlich ist, dass ein enger Zusam-
menhang zwischen dem guten Leben für 
alle und gewerkschaftlichen Forderungen 
nach belastungsarmen und entwicklungs-
förderlichen Arbeitsplätzen, geregelten 
Arbeitszeiten, gerechter Einkommens- 
und Vermögensverteilung, umfassender 
demokratischer Mitbestimmung und gu-
ten Bildungschancen besteht. In diesem 
Sinne werden die Interessenvertretungen 
der ArbeitnehmerInnen auch weiterhin 
wichtige Bündnispartnerinnen im Kampf 
für ein gutes Leben für alle sein. Durch 
neue Allianzen erhalten zentrale Anliegen 
im besten Fall noch mehr Schlagkraft. 
Internet:
Dialogreihe „Gutes Leben für alle“:
www.guteslebenfueralle.org
Schreiben Sie Ihre Meinung 
an den Autor
florian.wukovitsch@akwien.at
oder die Redaktion
aw@oegb.at
Es gibt einen engen Zusammenhang zwischen 
dem guten Leben für alle und gewerkschaftlichen 
Forderungen nach guter Arbeit.
        

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