Full text: 70 Jahre Kampf für Gerechtigkeit (3)

29Arbeit&Wirtschaft 3/2015
sam. „Es müssen wieder mehr Unternehmen 
Lehrlinge von Anfang an selbst ausbilden. 
Sonst wird den Jugendlichen ihre Zukunft ge-
raubt“, fordert Sascha Ernszt, Vorsitzender 
der ÖGJ. Auf den „Ausbildungsverweigerern“ 
muss größerer Druck lasten. Ernszt hat dafür 
auch Vorschläge parat: „Man könnte öffent-
liche Aufträge und Förderungen nur mehr an 
Firmen vergeben, die Lehrlinge ausbilden.“ 
Ziel ist es, eine seit Jahren bestehende ÖGJ-
Forderung endlich umzusetzen. Die sogenann-
te Fachkräftemilliarde soll die Ausbildungs-
finanzierung auf eine gerechtere Grundlage 
stellen. Alle Unternehmen, die in der Lage 
wären, Lehrlinge auszubilden, müssten in ei-
nen Topf einzahlen. Von dem gesammelten 
Geld würden jene Firmen, die tatsächlich 
Lehrlinge ausbilden, gefördert werden.
Qualität der Lehre 
Die Qualität der Lehre ist seit jeher ein Kern-
thema der Gewerkschaftsjugend. Denn man-
che Unternehmen sehen Lehrlinge als billige 
Arbeitskräfte. Schon zu Beginn der 1980er-
Jahre gab es die Aktion „ÖGJ deckt auf“. Da-
bei wurden extreme Fälle offengelegt, etwa 
Lehrlinge, die 70 Stunden in der Woche arbei-
teten, oder Kellner, die regelmäßig in der Ar-
beit Holz hacken mussten. Oder Jugendliche, 
denen ihr Chef befahl, nur im Jänner auf Ur-
laub zu gehen. „Dem Hund geht’s besser als 
uns. Wenn die Chefleute auf Urlaub fahren, 
geben sie ihn in ein Heim und zahlen viel Geld 
dafür. Wir müssen in der Nacht arbeiten und 
kriegen nicht einmal was dafür“, zitierte die 
„Hallo“ anno 1980 einen Betroffenen.
Auch heute gibt es Firmen, die nicht adäquat 
ausbilden. Viele Jugendliche lernen die in ih-
rem Beruf benötigten Fertigkeiten gar nicht 
erst kennen. Mit dem Ergebnis, dass die Lehr-
abschlussprüfung für einige zum unüber-
windbaren Hindernis wird. In manchen Beru-
fen gab es Jahrgänge mit einer Durchfalls-
quote von 30 Prozent. Hier fordert die ÖGJ 
Änderungen. Sascha Ernszt: „Die Qualität der 
Ausbildung in den einzelnen Betrieben muss 
laufend überprüft werden. Derzeit kontrollie-
ren sich die AusbildnerInnen im Wesentlichen 
selbst, und das ist uns zu wenig.“
Eine ihrer zentralen Aufgaben sieht die ÖGJ 
in ihrer Aufklärungsarbeit gegen Fremden-
hass, Antisemitismus und Faschismus. Be-
reits 1966 erschien die Broschüre „Was geht 
uns Mauthausen an“. Sie brachte jungen 
Menschen den Hintergrund der Nazi-Tötungs-
maschinerie in Oberösterreich nahe. Gerade 
damals wollten die Menschen von diesem 
Thema nichts mehr hören. Seit Jahren findet 
auch das ÖGJ-Antifaschismus-Seminar in 
Mauthausen statt und eine jährliche Ge - 
denk reise nach Auschwitz. Eine Woche lang 
setzen sich die TeilnehmerInnen dabei inten-
siv mit dem Thema Holocaust und Zweiter 
Weltkrieg auseinander. Verschiedene Städte 
und Schauplätze des Geschehens werden auf 
dieser Reise besucht. 
Symbole, Runen, Zahlencodes
Faschismus ist allerdings nicht nur ein his-
torisches Thema, denn auch die Rechten ge-
hen mit der Zeit. Vor allem in der Jugend-
bewegung versuchen Rechtsradikale immer 
wieder Fuß zu fassen. Für viele Junge, die von 
zu Hause nicht sensibilisiert sind, lässt sich 
nicht unterscheiden, was mit Symbolen, Ru-
nen oder Zahlencodes verbunden ist. Rechte 
treten durchaus geschickt in Designerklei-
dung auf, die nur für KennerInnen sofort zu 
dechiffrieren sind. Verwirrend ist, dass sie 
immer wieder auch Symbole der Linken, etwa 
die  geballte Faust oder Che Guevara, zitieren. 
Die Österreichische Gewerkschaftsjugend 
klärt mit Referaten in Berufsschulen und in 
Betrieben auf.
Frauenförderung 
Unter den Nägeln brennt aber auch, dass Mäd-
chen von etwa 200 möglichen Lehrberufen in 
der Regel nur drei Berufe wählen: Friseurin, 
Sekretärin oder Verkäuferin. Die ÖGJ will Per-
sonalverantwortliche für dieses Thema sen-
sibilisieren und junge Mädchen über ihre Be-
rufsmöglichkeiten besser aufklären. 
Andererseits erzählen Mädchen, die in die 
Technik gehen wollen, dass sie aus fadenschei-
nigen Gründen abgelehnt wurden. Etwa ein 
Kfz-Mechanikermeister, der meint, dass Mäd-
chen zu schwach für den Job sind und sich 
nicht schmutzig machen wollen. Frauen wer-
den schon in der Lehre benachteiligt. Ihr Anteil 
an der überbetrieblichen Lehrausbildung ist 
deutlich höher als in der Lehrlingsausbildung 
insgesamt. Freilich, die ÖGJ selbst ist bisher 
auch vermehrt männlich geprägt. In ihrer 
 Geschichte gab es  weder ein Mädchen als 
 Jugendvorsitzende noch als Jugendsekretärin.
Internet: 
Weitere Informationen finden Sie unter:
www.oegj.at
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an den Autor
resei@gmx.de
oder die Redaktion
aw@oegb.at
Schwerpunkt
Eine Jugenddelegation auf dem Weg ins Bundes-
kanzleramt. Der Forderungskatalog an die 
 Regierung enthielt unter anderem die Erhöhung 
von Lebensmittelrationen für Jugendliche, den 
4-Wochen-Urlaub oder die 40-Stunden-Woche. 
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