Full text: 70 Jahre Kampf für Gerechtigkeit (3)

Arbeit&Wirtschaft 3/201546 Man kann nicht alles wissen
Battisti, Josef: österreichischer Gewerkschafter (1900–
1990); der gelernte Zimmermann war in den 1920er-
Jahren Sekretär der Bauarbeitergewerkschaft, hatte in 
der illegalen Gewerkschaftsbewegung nach dem Febru-
ar 1934 eine führende Rolle und hielt auch in der NS-Zeit 
Kontakt zu GewerkschafterInnen aller Richtungen. Bat-
tisti wurde stellvertretender Vorsitzender der Gewerk-
schaft Bau- und Holzarbeiter und war bis 1964 in der 
Gewerkschaft tätig. (Seiten 22, 23, 36)
Bauer, Otto: österreichischer Politiker (1881–1938); mit 
dem Buch „Die Nationalitätenfrage und die Sozialdemo-
kratie“ wurde er 1907 auf einen Schlag bekannt. Von 
1918 bis 1934 stellvertretender Parteivorsitzender der 
Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP), ab 1919 
Parlamentsabgeordneter. Als führender Theoretiker des 
Austromarxismus prägte er 1926 das Linzer Programm 
seiner Partei, das damals auch den Passus der „Diktatur 
der Arbeiterklasse“ enthielt. Nach der Niederlage des 
sozialdemokratischen Schutzbundes gegen das faschis-
tische Dollfuß-Regime im Februar 1934 emigrierte Otto 
Bauer in die Tschechoslowakei und errichtete in Brünn 
das „Auslandsbüro der Österreichischen Sozialdemokra-
tie“. Er wurde Herausgeber der (illegalen) „Arbeiter-
Zeitung“ und übernahm die Redaktion der Zeitschrift 
„Der Kampf“. Das 1936 erschienene Werk „Zwischen den 
zwei Kriegen? Die Krise der Weltwirtschaft, der Demokra-
tie und des Sozialismus“ gilt als sein politisches Testa-
ment. Mit dem darin ausgeführten Konzept des „Integ-
ralen Sozialismus“ entwickelte er Perspektiven des ge-
meinsamen Wirkens von Sozialdemokraten und Kommu-
nisten gegen Krieg und Faschismus. (Seite 16)
Böhm, Johann: österreichischer Gewerkschaftsfunktio-
när und SP-Politiker (1886–1959); 1927–30 Gemeinde-
rat, danach bis 1934 Nationalrat. Böhm war 1945 einer 
der Gründer des überparteilichen ÖGB, dessen Präsident 
er bis 1959 war. Er gilt als einer der Hauptinitiatoren der 
Sozialpartnerschaft. (Seiten 14, 19, 22)
Boschek, Anna: österreichische sozialistische Politikerin 
(1874–1957); nach dem Tod ihres Vaters musste sie im 
Alter von neun Jahren die Schule abbrechen und arbeiten; 
ab 1890 als erste Frau im Parteivorstand der SDAP, 
1918–1920 Gemeinderätin, 1920 bis 1934 NR-Abgeord-
nete. (Seite 11)
Bundeseinigungsamt: beim Sozialministerium einge-
richtete Behörde. Zu den Aufgaben des Bundeseini-
gungsamtes zählen die Festsetzung von Mindestlohnta-
rifen, Heimarbeitstarifen und Lehrlingsentschädigungen 
sowie die Erklärung von Kollektivverträgen zur Satzung. 
(Seite 12)
Danneberg, Robert: österreichischer SP-Politiker und 
Jurist (1885–1942); kritisierte schon 1914 die kriegsun-
terstützende Politik der Sozialdemokraten, 1919–1934 
Nationalrat, Mitautor der demokratischen Wiener Stadt-
verfassung. 1938 wurde Danneberg verhaftet, er starb 
in Auschwitz. (Seite 22)
Dollfuß, Engelbert: christlich-sozialer österreichischer 
Politiker (1892–1934); 1932 auf demokratischem Weg 
ins Kanzleramt gelangt, nutzte Dollfuß eine Geschäfts-
ordnungskrise bei der Nationalratssitzung am 4. März 
1933 zum Staatsstreich. Nach der Ausschaltung von 
Parlament und Verfassungsgerichtshof regierte er dik-
tatorisch per Notverordnung. Dem italienischen Faschis-
mus und der katholischen Kirche nahestehend, lehnte er 
aber die deutschen Nationalsozialisten ab. Beim letztlich 
erfolglosen Juliputsch österreichischer Nationalsozialis-
ten wurde er 1934 ermordet. (Seite 16)
EFTA: Die 1960 gegründete Europäische Freihandelsas-
soziation westeuropäischer Staaten (darunter auch 
Österreich) war als Gegengewicht zu den Europäischen 
Gemeinschaften gedacht und hat durch den EU-Beitritt 
der meisten EFTA-Länder mittlerweile an Bedeutung 
verloren. Seit 1995 gehören ihr nur noch Norwegen, 
Liechtenstein, die Schweiz und Island an. (Seite 34)
Fiala, Gottlieb: österreichischer Gewerkschafter und 
KPÖ-Politiker (1891–1970); zählte 1945 zu den Grün-
dern des ÖGB. Während der vom ÖGB abgelehnten Ok-
toberstreiks 1950 stand er auf der Seite der kommunis-
tischen Streikenden und wurde deshalb aus dem ÖGB 
ausgeschlossen. (Seite 14)
Figl, Leopold: österreichischer ÖVP-Politiker (1902–
1965); nach dem austrofaschistischen Staatsstreich 
von Engelbert Dollfuß 1933 wurde Figl im „Ständestaat“ 
Mitglied des Bundeswirtschaftsrats und niederösterrei-
chischer Führer der paramilitärischen Ostmärkischen 
Sturmscharen. Im April 1938 wurde er mit dem „Promi-
nententransport“ in das KZ Dachau gebracht. 1945–
1953 Bundeskanzler, nach ÖVP-interner Kritik an seiner 
zu großen Kompromissbereitschaft gegenüber der SPÖ 
wurde er von Julius Raab abgelöst. Danach war Figl als 
Außenminister wesentlich am Zustandekommen des 
Staatsvertrages beteiligt. (Seite 37)
Kreditlenkungskommission: 1945 von der Provisori-
schen Staatsregierung (Konzentrationsregierung aus 
SPÖ, ÖVP und KPÖ von April bis Dezember 1945) einge-
setzter Beirat, der festlegte, welchen Betrieben oder 
Unternehmungen im Interesse des Wiederaufbaus Kre-
dithilfe zu gewähren war. Sie erarbeitete entsprechende 
Gesetzesentwürfe u. Ä. (Seite 19)
ÖBIB: Österreichische Bundes- und Industriebeteili-
gungsholding GmbH, Nachfolgegesellschaft der ÖIAG. 
Die entsprechende Gesetzesnovelle wurde am 25. Feb-
ruar 2015 vom Nationalrat beschlossen. Die ÖBIB hat 
keinen Aufsichtsrat, ein Nominierungskomitee wird die 
ausschließliche Aufgabe haben, die Auswahl und Nomi-
nierung der Aufsichtsratsmitglieder der Beteiligungs-
gesellschaften vorzubereiten. Die Geschäftsführung der 
ÖBIB obliegt einem auf Vorschlag des Bundesministers 
für Finanzen mit Zustimmung der Bundesregierung von 
der Generalversammlung zu bestellenden „Generalse-
kretär“. (Seite 44)
Olah, Franz: österreichischer Politiker (1910–2009); 
während des NS-Regimes in verschiedenen KZs inter-
niert; 1950 verstärkte er – um gegen etwaige kommu-
nistische Bedrohungen gerüstet zu sein – mit Unterstüt-
zung des CIA die bereits 1947 gegründete, geheime 
paramilitärische Organisation „Österreichischer Wan-
der-, Sport- und Geselligkeitsverein“. Sie wurde Anfang 
der 1960er-Jahre aufgelöst. 1959–1963 ÖGB-Präsident; 
1959 gab er der „Kronen Zeitung“ mit ÖGB-Geldern 
geheime finanzielle Starthilfe, um ein SP-freundliches 
Massenblatt zu ermöglichen. Später verwendete er Ge-
werkschaftsgelder zur Unterstützung der FPÖ unter 
Friedrich Peter. 1963 war Olah sieben Monate lang In-
nenminister. Nach dem Ausschluss aus der SPÖ grün-
dete er 1965 die rechtspopulistische Demokratische 
Fortschrittliche Partei (DFP). 1969 wurde er wegen 
Veruntreuung zu einer einjährigen Haftstrafe verurteilt. 
(Seite 22)
Reichskommission der Freien Gewerkschaften: an-
lässlich des ersten österreichischen Gewerkschaftskon-
gresses 1893 gegründete Dachorganisation der Freien 
Gewerkschaften, ab 1928 nannte sich der Dachverband 
„Bund Freier Gewerkschaften“, er wurde 1934 verboten. 
(Seite 11)
Renner, Karl: österreichischer sozialdemokratischer 
Politiker (1870–1950); 1918–1920 Staatskanzler, da-
nach bis 1934 NR-Abgeordneter. 1933 legte Renner aus 
abstimmungstechnischen Gründen sein Amt als NR-
Präsident zurück, was letztendlich zum Staatsstreich 
von Engelbert Dollfuß führte. Renner, der sich schon 
1918 für den Anschluss an das Deutsche Reich einge-
setzt hatte, war auch 1938 dafür. Die NS-Zeit verbrach-
te er unter Hausarrest, 1945 wurde Renner erster Bun-
despräsident der Zweiten Republik. (Seite 33)
Rothschild, Kurt Wilhelm: österreichischer Wirtschafts-
wissenschafter (1914–2010); der Jurist emigrierte 1938 
nach England und studierte dort Nationalökonomie und 
politische Philosophie. Er war später am WIFO und an 
der Johannes Kepler Universität Linz tätig und gilt als 
Doyen der österreichischen Wirtschaftswissenschaften. 
(Seite 18)
Sozialisierungskommission: Ende 1918 wurde neben 
der Berliner Sozialisierungskommission, die u. a. von 
Karl Kautsky geleitet wurde, auch in Wien die Staats-
kommission für Sozialisierung eingerichtet, um den 
(sukzessiven) Ersatz privater Wirtschaft durch öffentli-
che Wirtschaft zu planen und umzusetzen. (Seite 16)
Staribacher, Josef: österreichischer SP-Politiker (1921–
2014); während des NS-Regimes zeitweise im KZ, da-
nach im Krieg schwer verwundet, ab 1955 Kammeramts-
direktor der AK Wien, 1970–1983 Minister für Handel, 
Gewerbe und Industrie. (Seite 18)
Staud, Johann: christlich-sozialer österreichischer Poli-
tiker und Gewerkschafter (1882–1939); er stammte aus 
sehr einfachen Verhältnissen und bildete sich autodi-
daktisch weiter, in der Ständestaatsdiktatur wurde 
Staud 1934 zum Leiter der staatlich verordneten Ein-
heitsgewerkschaft sowie der Arbeiterkammer Wien und 
Niederösterreich. Er starb im KZ Flossenbürg. (Seite 22)
UNDOK: Im Juni 2014 eröffnete Anlaufstelle zur gewerk-
schaftlichen Unterstützung UNDOKumentiert Arbeiten-
der. (Seite 39)
VIF-Vereinbarkeitskriterien: 2010 entstand mit dem 
Vereinbarkeitsindikator für Familie und Beruf (VIF) ein 
neues Instrument für die Bewertung von Kinderbil-
dungseinrichtungen. Die Kriterien lauten: Öffnungsdau-
er von mind. 45 Stunden pro Woche, von Montag bis 
Freitag; maximal fünf Wochen pro Jahr geschlossen; an 
vier Tagen pro Woche mindestens 9,5 Stunden geöffnet; 
Angebot eines Mittagessens. In Vorarlberg entsprachen 
2009/2010 nur 5 Prozent der Kindergärten und 12 Pro-
zent der Horte diesen Kriterien. (Seite 31)
Weinberger, Lois: österreichischer VP-Politiker und Wi-
derstandskämpfer (1902–1961); 1940–1945 Führer der 
illegalen christlichen Gewerkschaftsbewegung, Gründer 
des ÖAAB und Mitbegründer des ÖGB 1945, 1946–1959 
Vizebürgermeister von Wien. (Seite 14)
Wille, Josef (Sepp): österreichischer SPÖ-Politiker 
(1926–2014); 1971–1986 NR-Abgeordneter, 1980–
1988 (Geschäftsführender) Vorsitzender der Gewerk-
schaft Metall-Bergbau-Energie, 1999 erhielt er den 
Luitpold-Stern-Preis für seinen Einsatz in der Arbeiter- 
und Erwachsenenbildung und sein literarisches Werk, 
das er in Gedichtform verfasste. (Seite 8)
        

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