Full text: Nur ned hudeln (8)

Arbeit&Wirtschaft 8/201542 Schwerpunkt
O
b Sportvereine, Cliquen am Aus-
bildungsplatz, Vereine, Organisa-
tionen oder politische Parteien, sie 
alle verbindet eine Herausforde-
rung: Nur die wenigsten Freiwilligen blei-
ben. Die einen gründen eine Familie, die 
anderen ziehen fort, oftmals lebt man sich 
einfach „auseinander“, entwickelt andere 
Interessen oder kann sich mit der Peer-
group nicht mehr identifizieren. Auch die 
Gewerkschaftsjugend ist vor solchen Ent-
wicklungen nicht gefeit. Es können per-
sönliche Gründe sein, weshalb Jugendli-
che sich nach der Lehre nicht für eine 
Kandidatur zum Betriebsrat zur Verfü-
gung stellen wollen. Andere Ursachen 
sind der Wechsel des Wohnortes oder gar 
des Betriebes, Familiengründung oder 
eine andere Ausbildung. Manchmal be-
steht auch keine realistische Chance, dass 
ein Betriebsratsmandat frei wird, somit 
bleibt auch kein Platz für Nachwuchs. 
Bisweilen scheitert eine Kandidatur auch 
am Widerstand von BetriebsrätInnen, die 
verhindern wollen, dass Junge nachkom-
men – nicht nur, weil sie Veränderungen 
fürchten, sondern vielleicht auch, weil sie 
mit JugendvertrauensrätInnen oder jun-
gen Betriebsratsmitgliedern keine guten 
Erfahrungen gemacht haben. 
Zentraler Stellenwert
Das Nachwuchsproblem wird auch bei 
den Gewerkschaften kaum wahrgenom-
men oder die Suche einfach den Jugend-
abteilungen überlassen, bei denen jedoch 
oft selbst die Motivation und Interesse an 
der Betriebsratsarbeit fehlen oder – sofern 
diese überhaupt vorhanden sind – 
schwinden. Dabei hat die Jugendarbeit 
bei den Gewerkschaften einen zentralen 
Stellenwert. Denn die Jugendabteilungen 
versuchen nicht nur, junge Menschen für 
die Gewerkschaftsarbeit zu begeistern, zu 
motivieren und somit junge Mitglieder 
zu gewinnen, sondern sie bilden auch 
junge GewerkschafterInnen aus und 
gründen Jugendvertrauensräte. Wenn je-
doch nur wenige ihren Weg als Betriebs-
rätInnen weitergehen, entsteht eine gro-
ße Lücke – viel Erfahrung und Talent 
gehen verloren.
Stefan Bartl (GBH), Michael Dedic 
(GdG-KMSfB), Michael Oppenberger 
(PRO-GE), Alexander Sollak (GPF) 
und Georg Steinbock (vida) haben sich 
im Jahr 2012/2013 diesem herausfor-
dernden Thema gestellt. Im Rahmen 
ihrer SOZAK-Abschlussarbeit haben sie 
sich intensiv mit der Nachwuchsförde-
rung in den ArbeitnehmerInnen-Inter-
essenvertretungen beschäftigt, mit dem 
Ziel, die Gewerkschaften mit diesem 
Problem zu konfrontieren. Gleichzeitig 
entwickelten sie einen Ratgeber, der Be-
triebsrätInnen dabei unterstützen soll, 
vorhandenes Potenzial weiter zu nutzen 
und einen reibungslosen Übergang vom 
Jugendvertrauensrat zum Betriebsrat si-
cherstellen zu können. Sie präsentieren 
auch mehrere Lösungsansätze, die be-
reits von Gewerkschaften in die Tat um-
gesetzt wurden. 
Handbuch Mentoring
Kern ihrer Arbeit ist jedoch ein umfang-
reicher Leitfaden, „Mentoring für Ge-
werkschaft, Betriebsrat und Personalver-
tretung“, der Betriebsratskörpern und 
Gewerkschaften als Unterstützung die-
nen kann, um das Mentoring korrekt in 
der eigenen Organisation zu implemen-
Wachstumsstörungen
Vom Jugendvertrauensrat zum Betriebsrat – auch Gewerkschaften brauchen 
Nachwuchs. Durch Mentoring kann dieser gefördert werden.
Maja Nizamov
Freie Journalistin
Neues aus der SOZAK
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