Full text: Nur ned hudeln (8)

Arbeit&Wirtschaft 8/201544 Frisch gebloggt
Der A&W-Blog ergänzt die Printausgabe 
als digitales Debattenforum. Frisch ge-
bloggt gibt einen Einblick, was in letzter 
Zeit online los war. In voller Länge finden 
Sie diese sowie jede Menge anderer aktu-
eller Debattenbeitrage zum Nachlesen auf 
blog.arbeit-wirtschaft.at. 
WEBTIPPS DER WOCHE
Wir legen euch diese drei Beiträge beson-
ders ans Herz: 
 » Radikaler Reformismus in der 
wissenschaftlichen Verteilungsdebatte 
(Matthias Schnetzer)
 » Generationengerechtigkeit: Falscher 
Schauplatz des Verteilungskonflikts 
(Angelika Gruber)
 » Fortschritt bedeutet Arbeitszeitverkür-
zung – der Ansicht waren schon Marx 
und Keynes (Bernhard Schütz)
VERTEILUNG UND RADIKALER 
REFORMISMUS
Forderungen, deren Umsetzung als nicht 
realistisch erachtet werden, gelten als ra-
dikal. Demnach ist Thomas Piketty („Das 
Kapital im 21. Jahrhundert“) mit seiner 
Forderung nach einer globalen Vermö-
genssteuer utopisch oder radikal. Sir  Tony 
Atkinson („Inequality – What can be 
 done?“) wiederum setzt seine Maßnah-
men auf nationaler Ebene an, weshalb er 
als realistischer oder weniger radikal 
 bezeichnet wird. Radikalität bedeutet, ei-
ne Problemstellung an der Wurzel zu 
 packen, also Wurzelbehandlung statt 
Symp tombekämpfung zu betreiben. 
Demzufolge gilt wohl weder eine globa-
le noch eine nationale Vermögenssteuer 
als radikal, solange sie die Besitzverhält-
nisse nicht substanziell ändert, wie Mat-
thias Schnetzer ausführt. Dass sich die 
Verteilungssituation immer mehr zu-
spitzt, ist real. Selbst die OECD warnt 
vor gesellschaftlicher Polarisierung und 
sozialen Spannungen, weil die unteren 
40 Prozent der Einkommensverteilung 
sukzessive abgehängt werden. Es gilt, klar 
zu sagen: Eine Steuer auf sehr große Ver-
mögen, die nur einen Teil der Erträge 
abschöpft, verändert die Vermögensver-
hältnisse nicht nachhaltig. Eine Steuer-
senkungspolitik für Spitzeneinkommen 
löst keinen „Trickle-down-Effekt“ für die 
unteren Einkommensschichten aus.
Lesen Sie mehr: tinyurl.com/psm6ngh
GENERATIONENGERECHTIGKEIT
Die Aufrufe, das Pensionssystem in Ös-
terreich zu reformieren, um es künftig 
auch finanzieren zu können, gibt es seit 
Jahren. Der Beitrag von Angelika Gruber 
zeigt auf, dass der Ruf nach mehr „Gene-
rationengerechtigkeit“ mittlerweile ein 
Standardargument der Politik wie auch 
der Ökonomie ist, dessen Analyse viel zu 
kurz greife. In Österreich wird das öffent-
liche Pensionssystem zum größten Teil 
über Sozialversicherungsbeiträge finan-
ziert. 
Da diese Beiträge als fixer Anteil der Löh-
ne und Gehälter berechnet werden, ist 
ihr Wachstum für die Dynamik des Bei-
tragsaufkommens entscheidend: je höher 
das Beschäftigungsniveau, umso höher 
ist die Zahl der BeitragszahlerInnen; je 
höher die Entlohnung, umso höher ist 
das Beitragsvolumen. 
Da die Lohnquote in Österreich seit Jah-
ren kontinuierlich sinkt, hat dies einen 
negativen Effekt auf die Finanzierungs-
basis der Altersversorgung – sie wird zu-
nehmend kleiner und gleichzeitig steigt 
die Zahl der PensionistInnen. Daher ist 
es notwendig, den eigentlichen Vertei-
lungskonflikt zwischen Arbeit und Kapi-
tal anzutasten, so Gruber. 
Lesen Sie mehr: tinyurl.com/og569jq
FORTSCHRITT BEDEUTET 
ARBEITSZEITVERKÜRZUNG
Der Trend zu mehr Freizeit erscheint in 
unserer heutigen Gesellschaft als etwas 
Neues. Aber bereits Karl Marx und John 
Maynard Keynes haben diese Idee in ih-
ren Wirtschaftstheorien verfolgt, wie 
Bernhard Schütz, Ökonom an der Uni 
Linz, in seinem Beitrag ausführt. 
Karl Marx war der Ansicht, dass sich je-
der Mensch ganzheitlich verwirklichen 
kann und die „gesellschaftlich notwendi-
ge Arbeit“ so weit wie möglich reduziert 
werden sollte, damit der Widerspruch 
zwischen Arbeit und Selbstverwirkli-
chung aufhört. 
John Maynard Keynes ging davon aus, 
dass der technologische Fortschritt es er-
möglicht, die Arbeitszeit weitestgehend 
zu reduzieren, und die Menschen sich in 
der Freizeit ihrer eigentlichen Bestim-
mung widmen könnten. So neu erscheint 
die Debatte um Arbeitszeitverkürzung 
also nicht. 
Allerdings braucht es dafür heute auch 
eine Verteilungsdebatte, damit die frei-
willige Arbeitszeitverkürzung von einem 
Privileg der wenigen zu einer tatsächli-
chen Option für alle wird.
Lesen Sie mehr: tinyurl.com/nhum49w
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