Full text: Bis(s) zum Lebensabend (4)

11Arbeit&Wirtschaft 4/2016 Das „Frauenpensionsantrittsalter er-höhen“: Diese Forderung wird von Teilen der ÖVP und anderen Wirt- schaftsvertreterInnen geradezu gebets- mühlenartig wiederholt. Eine vorzeitige Anhebung des Frauenpensionsantrittsal- ters würde aber zu einer Steigerung der Arbeitslosigkeit führen. Schon jetzt man- gelt es an Arbeitsplätzen, und Unterneh- men setzen ältere ArbeitnehmerInnen bei der erstbesten Gelegenheit auf die Straße – davor warnte der ÖGB immer wieder und das bestätigte auch erst kürz- lich eine Studie des Wirtschaftsfor- schungsinstituts (WIFO). Eine Umsetzung dieser Forderung konnte ein weiteres Mal erfolgreich verhindert werden. Stattdessen wur- den neue Anreize für längeres Arbei- ten in der sogenannten „Bonusphase“ beschlossen: Für Frauen, die mit 60 Jahren noch einen Arbeitsplatz haben und die über das Regelpensionsalter hinaus arbeiten können und wollen, erhöht sich die Pension pro weiteres Jahr der Erwerbstätigkeit um circa zehn Prozent. Weiters werden die Pen- sionsbeiträge für alle halbiert, die in der Bonusphase über das Regelpensi- onsalter hinaus arbeiten. Altersarmut verhindern Dass die Ausgleichszulage für Allein- stehende steigen soll, ist aus Frauen- sicht ein weiterer positiver Schritt. Denn für alle, die mindestens 30 Jahre gearbeitet haben, beträgt die Min- destpension dann 1.000 Euro (bisher 883 Euro). Davon profitieren vor allem jene, die lange teilzeitbeschäftigt waren, und Langzeiterwerbstätige mit schlech- tem Einkommen – in diesem Fall ganz besonders Frauen. Zudem können bis zu 96 Monate an Kindererzie- hungszeiten dafür verwendet werden, um Anspruch auf eine Ausgleichs - zulage zu bekommen – die Anrechnung der Kindererziehungszeiten wird auf alle ab 1955 geborenen Frauen aus- geweitet. Ausgeweitetes Pensionssplitting Die Nachteile, die Frauen entstehen, die sich länger der Kinderbetreuung widmen, werden durch die Änderun- gen beim sogenannten Pensionssplit- ting verringert. Dabei kann der eine Elternteil zugunsten des anderen, der sich der Kindererziehung widmet, auf bis zu 50 Prozent seiner Teilgutschrift für das Pensionskonto verzichten. Bis- her war das für die ersten vier Jahre nach der Geburt des Kindes möglich, in Zukunft werden pro Kind bis zu sie- ben Jahre möglich sein – maximal sind 14 Jahre gestattet. Auf gutem Weg „Ich bin sehr froh, dass die Kürzungen bei den Pensionen, die im Raum ge- standen sind, abgewehrt werden konn- ten und dass es für Frauen entschei- dende Verbesserungen geben wird. Der Einsatz für ein sicheres, zukunfts- orientiertes Pensionssystem hat sich gelohnt“, zeigte sich AK-OÖ-Präsi- dent Johann Kalliauer nach dem Pensionsgipfel erfreut. ÖGB-Präsident Erich Foglar betonte, dass es auch in Zukunft gilt, diesen Weg weiter- zugehen. Amela Muratovic Frauen und Pensionen: Neue Anreize geschaffen Bonus für Frauen über 60, ausgeweitetes Pensionssplitting und Ausgleichszulage für Alleinstehende. Steuerliche Förderungen im Privatpen- sionssystem hätten nichts verbessert. Dementsprechend wäre es gut, wenn wir in Österreich diesen Fehler gar nicht erst machen würden“, sagt Mum. In Österreich sind in den letzten Jah- ren zahlreiche Reformen beschlossen worden: „Bei der Pensionsberechnung zählt nun jedes einzelne Versicherungs- jahr, früher waren es nur die besten Jah- re“, zählt AK-Experte Wöss auf. „Der Zugang zu Frühpensionen wurde massiv erschwert. Bei Pensionsantritt vor dem Regelpensionsalter gibt es nun hohe Ab- schläge, bei späterem Antritt hohe Zu- schläge. Die Anpassung der laufenden Pensionen erfolgt nur mehr mit der In- flationsrate.“ Außerdem wird das Frauenpensions- alter langfristig an das der Männer ange- glichen und die BeamtInnenpensionen an die Angestellten-Pensionen ange- passt. Dazu kommen Maßnahmen zur Prävention von Invaliditätspensionen, neuerdings gilt etwa der Grundsatz Reha vor Pension. Arbeitslosigkeit bekämpfen Viele dieser Reformen zeigen Wirkung. So steigt das Pensionsantrittsalter, wäh- rend die Zahl der vorzeitigen Alterspen- sionen sinkt. Das wirkt sich allerdings auch auf die Arbeitslosigkeitsstatistik aus – und zwar negativ. So ist die Arbeitslo- sigkeit der ArbeitnehmerInnen über 50 um 76 Prozent gestiegen, jene der 50- bis 55-Jährigen ist gar um 110 Prozent an- gewachsen. Dadurch wird die angestreb- te Erhöhung des Pensionsantrittsalters für viele zur Makulatur. Wie man es also dreht und wendet: Die große Baustelle sind nicht die Pensionen, vielmehr ist es der Arbeitsmarkt. AK-Experte Wöss mahnt vor diesem Hintergrund: „Wenn wir es nicht schaffen, die Arbeitslosigkeit zu reduzieren und die Tendenz zu Preka- risierung einzudämmen, dann werden wir sehr viele Probleme haben, auch bei den Pensionen.“ Schreiben Sie Ihre Meinung an die Autorin sonja.fercher@oegb.at oder die Redaktion aw@oegb.at

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