Full text: Bis(s) zum Lebensabend (4)

13Arbeit&Wirtschaft 4/2016 GESPRÄCH Ist die Pension zukunftsfit? Es muss mehr Beschäftigung geschaffen werden, zumindest darin sind sich die JugendvertreterInnen Stefan Bartl, Veronika Kronberger und Nikolaus Griller einig. Arbeit&Wirtschaft: Werden Sie eine sichere Pension bekommen? Stefan Bartl: Ich glaube schon, dass wir eine Pension haben, von der wir auch le- ben können. Es gibt derzeit gewisse De- fizite am Arbeitsmarkt, die ins Pensions- system reinspielen. Meiner Ansicht nach ist das Wichtigste, dass wir versuchen, die Beschäftigung zu heben und die prekären Beschäftigungsverhältnisse zu eliminie- ren. Aber wenn man die steigende Lebens- erwartung sieht, glaube ich schon, dass wir faktisch länger arbeiten werden. Ich glaube aber auch, dass unser momentanes Pensionssystem sehr gut ist und dass es nachhaltig finanzierbar ist. Veronika Kronberger: Man kann die Frage nicht so einfach mit Ja oder Nein beantworten, weil wir gerade in einer Pha- se sind, in der es relativ viele relativ starke Umbrüche gibt. Würde der Status quo so bleiben, wie er jetzt ist, und würden sich auch die Arbeitsbedingungen nicht maß- geblich verändern, würde ich sagen: Ja. Würden sich gewisse politische Fraktio- nen wie ÖVP, FPÖ oder Neos, die für Kürzungen eintreten, durchsetzen bzw. würden Tendenzen, die wir jetzt am Ar- beitsmarkt haben, wie arbeitsrechtliche Umgehungen und Lohn- und Sozialdum- ping, weiter zunehmen, dann bin ich eher skeptisch. Nikolaus Griller: Ich glaube, dass wir selbst dann, wenn wir die Beschäftigung heben, trotzdem ein Problem haben, weil die Lebenserwartung schneller gestiegen ist und noch immer schneller steigt als das Antrittsalter. Und das kann sich ein- fach nicht ewig ausgehen. Ich sehe die Gefahr, dass das Pensionssystem zumin- dest teurer wird. Ich sage nicht, dass es deshalb nicht sicher ist, aber dass es für den Staat teurer wird. Dass es öffentlich mitfinanziert wird, ist notwendig und gut. Nur ich habe das Gefühl, dass nicht allen bewusst ist, wie stark es finanziert wird und wie stark es in der Zukunft finanziert werden wird. Das Pensionssystem muss sich in 20, 30 Jahren noch immer ausge- hen, und dafür gehört noch mehr ge- macht, als bisher schon getan worden ist. Bartl: Bereits bei der Schaffung des Allgemeinen Sozialversicherungsgesetzes (ASVG) hat man sich auf das Prinzip der Drittelfinanzierung geeinigt: Ein Drittel Arbeitnehmer, ein Drittel Arbeitgeber und ein Drittel soll über das öffentliche Steuersystem finanziert wer- den. Was mir in der Diskussion ein biss- chen ungut aufkommt, ist, dass dieser Beschluss immer infrage gestellt wird. Dass die Steuermittel, die vom Bund zu- geschossen werden, immer in der Kritik stehen. Das ist politisch gewollt, dass et- was aus dem Steuersystem ins Pensions- system zugeschossen wird. Und deshalb sehe ich den nominalen Geldbetrag, was das Pensionssystem kostet, nicht so arg, weil man eben darauf schauen muss, ob die ausgewogene Finanzierung eingehal- ten wird. Kronberger: Die Pensionskommission hat 2014 festgestellt, dass das Pensions- system seit den 1980er-Jahren um ganze 1,8 Prozentpunkte des BIP teurer gewor- den ist. Ich behaupte jetzt einmal, dass das kein wahnsinnig drastischer, schwer- wiegender Anstieg ist. Besonders was die Demografie angeht: Der wird aktuell ziemlich stark entgegengewirkt. Es gibt Migration, es gibt Fluchtbewegungen. Das ist in dem Fall äußerst positiv, weil dadurch natürlich die Demografie eine andere wird und viele junge Menschen kommen. Griller: Ich sehe das in Milliarden Euro, die jedes Jahr beigetragen werden und die laut einer Studie der Jungen Indus trie weit mehr als ein Drittel sein werden und die bei gewissen Pensionen auch viel mehr sind, weit mehr als 50 Prozent. Wenn du dir ausrechnen würdest, wie viel du im Laufe deines Arbeitslebens beige- tragen hast, zu dem, was du ausgezahlt bekommst, siehst du, dass das Drittel, Drittel, Drittel einfach nicht immer funk- tioniert. Wenn das stimmt, dass wir Zu- wanderung dazu nutzen können, dass wir mehr Beschäftigte haben, die auch Bei- träge zahlen, und mehr Arbeitgeber für die Beschäftigten, dann bin ich vollstän- dig einver standen. Nur das ist eine ziem- lich optimistische Aussicht, wenn du davon ausgehst, dass Flüchtlingsbewe- gungen zu einem so starken Beschäfti- gungszuwachs führen, dass die Babyboo- mer, die jetzt in Pension gehen, alle damit abgedeckt sind. Bartl: Wir kriegen ein Problem, wenn wir das Pensionssystem nur auf der Finanzierungsfrage aufhängen. Weil was heißt das, wenn sich die Finanzierung nicht ausgeht? Dann müssen wir die Pensionen noch weiter kürzen. Das würde Altersarmut bedeuten. Altersarmut kann nicht das Ziel des Pensionssystems sein. Griller: Ich glaube auch, dass Kürzung in Bausch und Bogen keine gute Lösung ist. Die Dauer des Anspruchs wird wahr- scheinlich irgendwann einmal zu lang sein. Wenn wir davon ausgehen, dass

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