Full text: Träum weiter! (6)

44 Arbeit&Wirtschaft 6/2016
Der A&W-Blog ergänzt die 
Printausgabe als digitales De-
battenforum. Frisch gebloggt 
gibt einen Einblick, was in 
letzter Zeit online los war. In 
voller Länge finden Sie diese 
sowie jede Menge anderer ak-
tueller Debattenbeiträge zum 
Nachlesen auf  
blog.arbeit-wirtschaft.at.
Wir legen euch diese drei  Bei-
träge besonders ans Herz:
» Pathologischer Homo  
oeconomicus  
(Stephan Schulmeister)
» Neun Wahrheiten zu 
Flucht und Asyl  
(Lucia Bauer)
» EU-Spitzenwert beim 
BIP pro Kopf  
(Markus Marterbauer)
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PATHOLOGISCHER HOMO OECONOMICUS
Stephan Schulmeister beleuchtet in seinem Beitrag den sogenannten Homo oeconomicus. Das 
ist der idealtypische Wirtschaftstreibende in den Modellen der meisten ÖkonomInnen, der 
sich stets rational verhält, umfassend informiert ist und damit seinen individuellen Nutzen  
maximieren kann – egal ob eine profitmaximierende Unternehmerin oder ein Konsument.  
Obwohl dieses Gedankenkonstrukt mit der Realität wenig gemein hat, bildet es doch eine der 
wesentlichsten Grundlagen der neoklassischen Ökonomie und ihres Glaubens, dass Märkte 
und damit die Wirtschaft insgesamt stets gut funktionieren – wenn sie der Staat nur in Ruhe 
lässt. Das geht sogar so weit, dass Mainstream-ÖkonomInnen alternativen wirtschaftspoliti-
schen Vorschlägen grundsätzlich ihre Glaubwürdigkeit absprechen, eben weil sie nicht vom 
Homo oeconomicus ausgehen und damit nicht logisch wären. Stephan Schulmeister folgert 
daraus, dass das von der „neoliberalen Gegen-Aufklärung“ geschaffene neue „höhere Wesen“ 
entthront werden muss, indem die negativen Folgen in der Praxis aufgezeigt werden. 
Lesen Sie mehr: tinyurl.com/ztq39q4
NEUN WAHRHEITEN ZU FLUCHT UND ASYL
Lucia Bauer von der GPA-djp zeigt, dass sich in der öffentlichen Debatte über Flüchtlinge  
eine Vielzahl von Behauptungen hartnäckig hält, obwohl sich diese anhand von – großteils  
sogar online verfügbaren – Fakten leicht widerlegen lassen: 
 » Während hierzulande darüber diskutiert wird, dass „wir ja nicht alle nehmen können“, be-
heimatet allein der Libanon (ärmer und kleiner als Österreich) mehr syrische Flüchtlinge als die 
gesamte EU. 
 » Während in Österreich von 2014 bis 2016 allein rund 7,8 Milliarden Euro für weitere 
Kapitaltransfers an Banken da sind, wird ernsthaft darüber diskutiert, ob wir uns die 1,8 Milli-
arden Euro Aufnahmekosten für schutzsuchende Menschen leisten können. 
 » Obwohl 2015 der Großteil der Flüchtenden aus den von Krieg und Verfolgung zerrütteten 
Staaten Syrien, Afghanistan und Irak kommt, glauben immer noch viel zu viele, dass nur „Wirt-
schaftsflüchtlinge“ zu uns kommen. 
Die gelernte Politologin erklärt zudem, warum AsylwerberInnen niemandem einen Arbeits-
platz wegnehmen können, die Grundversorgung alles andere als üppig ist, sie nicht für die – 
sowieso insgesamt sinkende – Kriminalität verantwortlich gemacht werden können und ihr 
Smartphone kein Zeichen von ohnehin ausreichenden eigenen Mitteln ist. 
Lesen Sie mehr: tinyurl.com/hcm7h9v
EU-SPITZENWERT BEIM BIP PRO KOPF
Markus Marterbauer zeigt anhand der Anfang Juni erschienenen Daten über das Wirtschafts-
wachstum 2015, dass die heimische Ökonomie nicht abgesandelt ist, sondern vielmehr  
weiterhin international zur Spitzengruppe zählt. Mit (preisbereinigten) 36.400 Euro, die pro 
EinwohnerIn erwirtschaftet wurden, liegt Österreich – noch vor dem vielgepriesenen 
Deutschland – auf Platz vier in der EU, nur hinter Luxemburg, Irland und den Niederlanden. 
Während die ersten beiden durch unsolidarische Steuerkonstruktionen weder vergleichbar noch 
nachahmenswert sind, ist bei den Niederlanden der Trend zu beachten: Seit 2008 ging die 
Pro-Kopf-Produktion stetig zurück. Will man den Vorsprung zu Deutschland halten, ist nicht 
ein Abbau des Wohlstandes der ArbeitnehmerInnen anzuraten (wie es von der Wirtschaftsseite 
gefordert wird), sondern vielmehr eine ähnlich kräftig wachsende inländische Nachfrage.  
Mit der Steuerreform und der Wohnbauinitiative dürfte das 2016 gelingen.
Lesen Sie mehr: tinyurl.com/jpu843q
        

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