Full text: Passend gemacht (7)

27
©
 Ö
GB
-V
er
la
g/
M
ic
ha
el
 M
az
oh
l
Arbeit&Wirtschaft 7/2016
bzw. Erwachsene. „Drei Leute haben wir 
seit Ende 2015 dafür eingestellt“, erzählt 
Stiftungsleiter Christopher Meier. Ge-
schäftsführerin Tina Riepel ergänzt: „Seit 
1.November 2015 absolvierten je zehn Ju-
gendliche je fünf Kurse des Programms 
AusbildungsReife.“ Man habe die Kurse 
bewusst klein halten wollen. 115 über 
25-jährige Geflüchtete nahmen an den 
 ArbeitsplatzReife-Kursen teil. Diese Kurse 
sind eine Kombination aus praxisbezo-
genem Sprachkurs und Qualifizierungs-
praktika.
Erneut gibt es mit dem B1-Sprachni-
veau eine hohe Einstiegshürde, dazu 
kommt, dass die Flüchtlinge eine gute 
Bleibeperspektive haben müssen. Das 
Sprachniveau habe man höher angesetzt, 
erklärt Riepel, denn: „Das Angebot an 
Grundlagenkursen ist schon sehr groß.“ 
Ihr Fazit: „Die TeilnehmerInnen sind mit 
großer Ernsthaftigkeit dabei. Die An-
schlussperspektive ist sehr gut, 80 bis 85 
Prozent haben direkt eine Ausbildung be-
gonnen oder Vergleichbares.“ Oft fehlt 
gerade den Leuten, die schon Ausbildun-
gen oder Arbeitserfahrung haben, wenig, 
um den üblichen Ausbildungsstandards in 
Deutschland zu genügen. Nützlich ist da-
bei eine vom BMWi schon 2011 geschaf-
fene preisgekrönte Internetplattform: 
www.bq-portal.de. Hier kann man sich 
über Berufs- und Ausbildungsstandards in 
einzelnen Ländern kundig machen bzw. 
über spezifische deutsche Regelungen und 
Fördermaßnahmen. 
Erleichternd soll das neue Integrati-
onsgesetz wirken. Demnach ist in 133 von 
156 Bezirken der Arbeitsagentur die Vor-
rangprüfung abgeschafft, also der Nach-
weis, dass es keine/n gleich gut 
qualifizierte/n InländerIn gibt. Außerdem 
ist auch für jene mit prekärem Status nun-
mehr der Aufenthalt während der Ausbil-
dung und danach gesichert. 
Brücken und Netzwerke 
Alle genannten Maßnahmen haben eines 
gemeinsam: Sie bauen auf bestehenden 
Strukturen auf und sind zusätzliche Ange-
bote für geflüchtete Menschen, also kei-
nem „Inländer“ wird etwas weggenom-
men. Mitunter werden Flüchtlinge auch 
in bestehende Initiativen integriert, wie 
zum Beispiel im Kölner Bildungsmodell, 
einem modularen Ausbildungssystem für 
Langzeitarbeitslose, oder in der Sommer-
akademie der Handelskammer-Stiftung 
für Jugendliche, die schulische Probleme 
haben. Dort, so erzählt Tina Riepel, haben 
in diesem Sommer auch fünf Flüchtlinge 
teilgenommen – mit großem Erfolg, be-
sonders auf menschlicher Ebene, denn da-
raus sind viele Freundschaften entstanden. 
Für besonders wichtig hält Riepel zu-
dem die neue, teils informellere und ver-
einfachte Art der Zusammenarbeit, so-
wohl zwischen Institutionen und Behör-
den, vor allem aber mit Graswurzelinitiati-
ven und ehrenamtlich Tätigen, die 
unglaublich wertvolle Arbeit leisten. Es 
braucht „Brücken“, meint Riepel und 
meint damit sowohl Programme wie das 
ihre, aber auch die intensive Kooperation 
und Kommunikation aller Beteiligten. 
Außerdem nimmt sie wahr, wie sehr sich 
Flüchtlinge, die schon etwas Fuß fassen 
konnten, sich für Neuankömmlinge ein-
setzen, oft als ÜbersetzerInnen. Auch so 
entstehen Netzwerke. Auch Schlottow 
vom Butzweilerhof betont: „Ein schöner 
Nebeneffekt ist der starke Gruppenzusam-
menhalt, enge Freundschaften entstehen, 
die Jugendlichen unterstützen sich gegen-
seitig im Alltag, obwohl sie aus ganz ver-
schiedenen Ländern kommen.“ 
An einer Tatsache aber kommt man 
auch in Deutschland nicht vorbei: Die In-
tegration von Flüchtlingen am Arbeits-
markt braucht einfach Zeit. Die Unter-
nehmen seien willig, mitunter müsse man 
aber eine gewisse Ungeduld besänftigen, 
meint Christoph Meier von der Handels-
kammer. „Es ist ein Marathonlauf, aber es 
ist machbar, mitunter braucht es halt 
mehr Aufwand. Ich sehe nicht, warum das 
nicht funktionieren soll“. Zohir Sourou, 
der Syrer aus Aleppo vom Butzweilerhof, 
wurde nach einem halben Jahr betriebsbe-
dingt gekündigt, er beendet nun die restli-
chen Ausbildungsmodule in der Hand-
werkskammer. Fast, erzählt er, wäre er 
Übersetzer geworden, oft hat er in den 
letzten Monaten ausgeholfen (er spricht 
sieben Sprachen). Doch eigentlich hatte er 
immer einen Traum: Er wollte Metallbau-
er werden. 
 
Schreiben Sie Ihre Meinung an die Autorin
angelahuemer@t-online.de
oder die Redaktion
aw@oegb.at
©
 A
ng
el
a 
Hu
em
er
Zohir, ein kurdischer Syrer in einer 
 Metall bauerausbildung der HWK im 
Bildungszen trum Butzweilerhof Köln.
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.