12 Arbeit&Wirtschaft 8/2016
A
uf Probleme im Arbeitsalltag an-
gesprochen, zählt Farije Selimi 
gleich eine lange Liste auf. Zu den 
Problemen gehören etwa „Belas-
tungen durch die Organisation: lange 
und unplanbare Arbeitszeiten, Personal-
mangel, Dokumentation, also bürokra-
tischer Aufwand“. Ebenso liegt für die 
Fachbereichssekretärin Gesundheit in 
der Gewerkschaft vida auf der Hand, wo 
man ansetzen müsste: Dienstplanstabili-
tät, eine Erhöhung der Planstellen und 
die schnellere Nachbesetzung von freien 
Stellen. 
Auch die körperlichen Belastungen 
sind enorm: Heben, Tragen, ungewohn-
te Körperhaltung, Infektionen. Hier 
wäre es notwendig, die Tätigkeit auf 
mehrere MitarbeiterInnen aufzuteilen. 
Auch sollte man gesundheitsfördernde 
Maßnahmen im Betrieb wie Massagen 
in der Arbeitszeit anbieten, verbesserte 
Hygiene oder regelmäßige Impfungen. 
Und im psychischen Bereich ist das Be-
lastungslevel laut Farije Selimi hoch: 
Viele MitarbeiterInnen sind Burn-out-
gefährdet oder leiden beispielsweise un-
ter verbalen Angriffen von PatientInnen. 
Arbeiten statt lernen
„Schon im Praktikum, wo man ja eigent-
lich noch in Ausbildung ist, bekommt 
man den omnipräsenten Personalman- 
gel voll zu spüren“, berichtet Fabian*, 
 Diplomkrankenpfleger und Berufsein-
steiger. Oft gerate da das Ausbildungsele-
ment zu kurz und man ersetze einfach 
nur mehr eine Ar beitskraft. „Hygienisch 
korrekt zu arbeiten braucht schon etwas 
länger. Zu Stoß zeiten oder an stressigen 
Tagen gelingt das schlechter“, erzählt er. 
„Die Arbeit mit  kognitiv beeinträchtigten 
oder dementen PatientInnen kann, wenn 
keine geeigneten Konzepte in der Ein-
richtung implementiert sind oder man 
schlicht zu wenig Zeit hat, um auf 
die Bedürfnisse dieser Menschen einzu-
gehen, nervenaufreibend und frustrie-
rend sein.“ 
Der Personalmangel ist auch für ihn 
das größte Problem, denn  dieser sei da-
für verantwortlich, dass man oft zwi-
schen einzelnen PatientInnen oder Tä-
tigkeiten wie Pflege und Administra tives 
hin- und herspringen müsse. „Das 
schafft Hektik, erhöht die Fehleranfäl-
ligkeit und ist  extrem belastend. Interes-
santerweise ist allen, Auszubildenden, 
LehrerInnen und KollegInnen auf der 
Station, das Pro blem voll bewusst – Per-
sonalmangel – und man  redet offen dar-
über, auch in der Schule.“  
Extreme Belastungen
Auch Pflegerin Sabine*, Angestellte in 
einem Seniorenheim des SHV Linz-
Land, äußert sich ähnlich: „Nachtdiens-
te sind an und für sich körperlich schon 
belastend, vermehrte Doppelnächte ma-
chen das dann noch extremer.“ Doch 
nicht nur der Personalmangel, auch die 
Fluktuation stelle die MitarbeiterInnen 
vor zusätzliche Belastungen, insbesonde-
re wenn Führungskräfte wechseln und 
damit Konzepte und Strukturen fehlen. 
Unterm Strich ist die Folge, dass jene, die 
Kranke heilen sollten, selbst krank wer-
den: „Der Druck von den oberen Etagen 
und massive Einsparungen sind extrem 
zu spüren und führen zu immer mehr 
(Dauer-)Krankenständen, Einspringen 
und Einsätzen von Leasingpersonal, um 
dies auszugleichen. Auch brechen unter 
den Kollegen immer mehr Streitigkeiten 
aus – oft ist man am Limit und kann so 
nicht mehr lange weitermachen.“
Probleme runtergeschluckt
Bemerkenswert sind auch Sabines Wahr-
nehmungen zum Thema psychische Be-
lastung und Möglichkeiten der Präventi-
on in ihrem Pflegealltag: „Ein Problem, 
das ich überall sehe, ist, dass schon Din-
ge angeboten werden, doch ob sie von 
den Mitarbeitern genutzt werden, ist eine 
andere Sache.“ So werde zwar Supervision 
angeboten, dieses Angebot von den Kol-
legInnen aber entweder gar nicht wahr-
genommen oder aber sie hielten mit den 
Problemen hinterm Berg: „Jeder schluckt 
das Ganze runter und nagt an seinen psy-
chischen Problemen, so lange, bis sie sich 
körperlich auswirken.“
Viele der genannten Aspekte liegen 
als Strukturprobleme der Branche schon 
längst offen. So nimmt sich auch das Ar-
beitsmarktservice kein Blatt vor den 
Mund, wenn es um die Beschreibung 
der Realität im Gesundheits- und Pfle-
gebereich geht. So heißt es auf der 
Homepage des Karrierekompasses: 
„Viele Gesundheitsberufe werden in ho-
hem Maße als sinnstiftend empfunden. 
Aufgrund der für diesen Berufsbereich 
typischen Kombination aus hohen phy-
John Evers
Erwachsenenbildner und Historiker
Gesundheitsarbeit macht krank
Gerade Beschäftigte im Gesundheits- und Pflegebereich kämpfen oft mit ungesunden 
Arbeitsbedingungen und deren Folgeerscheinungen. 
* Namen von der Redaktion geändert
        

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