23Arbeit&Wirtschaft 8/2016
Ausmaß von 650 Stunden zum/zur staat-
lich geprüften OrdinationsassistentIn 
abzulegen. Das hat bei vielen Ordinati-
onsgehilfInnen zu Unsicherheiten ge-
führt, die ihren Beruf seit vielen Jahren 
ohne Ausbildung ausüben. Jedoch war 
schon vor dem MABG eine staatlich an-
erkannte Prüfung zum/zur Ordinations-
gehilfIn rechtlich verpflichtend. Nur: 
Wo kein/e KlägerIn, da kein/e RichterIn. 
Seit 2013 ist das nicht mehr möglich. 
Fakt ist: Wer keine entsprechende 
Ausbildung hat, darf nur administrative 
Tätigkeiten ausführen, nicht aber an 
PatientInnen arbeiten. Ordinationsas-
sistentInnen haben durch das MABG 
nun auch die Möglichkeit, sich zur 
„medi zinischen Fachassistenz“ weiter-
zubilden. Damit ist ihnen der Zugang 
zur Berufsreifeprüfung eröffnet. „Wün-
schenswert wäre es, wenn ÄrztInnen 
diesbezügliche Bestrebungen ihrer Mit-
arbeiterInnen vermehrt unterstützen 
würden“, so Angelika Hais, Gesund-
heitsexpertin der Arbeiterkammer Nie-
derösterreich. Etwa indem sie dafür Ar-
beitszeiten zur Verfügung stellen und 
die entsprechenden Kosten der Weiter-
bildung übernehmen. „Immerhin sind 
die MitarbeiterInnen damit auch in der 
Ordination umfassender einsetzbar.“ 
Wer bezahlt die Kosten?
Gesetzlich ist weder die Bezahlung der 
Kosten noch das Ausmaß der Fortbildun-
gen geregelt. „Vereinbarungen dazu fin-
den sich in Kollektivverträgen, und die-
se sind eben in jedem Bundesland unter-
schiedlich“, so Hais. Beispielsweise ist in 
Niederösterreich vereinbart, dass Ordi-
nationsassistentInnen Anspruch auf be-
zahlte Freistellung von zwei Arbeitstagen 
im Jahr zum Besuch von berufsorientier-
ten Fortbildungen haben. Anders in der 
Steiermark, wo es keine kollektivvertrag-
liche Regelung zur Fortbildung gibt. „Da 
ist viel vom Selbstverständnis der Ärzte 
abhängig“, so Birgit Thalhammer. Eini-
ge ihrer KollegInnen kommen selbst für 
die Kosten auf – sowohl für die Grund-
ausbildung als auch für die Fortbildun-
gen. Manche nehmen dafür unbezahlten 
Urlaub. Laut Georg Grundei ist das 
rechtswidrig. Im Gesetz ist zwar die Kos-
tenübernahme nicht geregelt, allerdings 
gibt es eine höchstgerichtliche Judikatur, 
wonach in analoger Anwendung des Be-
rufsausbildungsgesetzes der/die Arbeit-
geberIn für die Kosten des theoretischen 
Fachkurses aufzukommen habe. 
Ein weiterer Wermutstropfen der 
Branche sind die Urlaubsvereinbarun-
gen, bei denen es gerade in kleinen Or-
dinationen immer wieder zu rechtlichen 
Schwierigkeiten kommt. „Vielen Ar-
beitgeberInnen dürfte nicht bewusst 
sein, dass der Urlaub arbeitsrechtlich 
zwischen MitarbeiterIn und Arbeitge-
berIn zu vereinbaren ist“, kritisiert Hais. 
In Dienstverträgen finden sich daher 
sehr häufig Klauseln, wonach die Mitar-
beiterInnen ihren Urlaub dann verbrau-
chen müssen, wenn die Ordination zu-
gesperrt ist. Nach der Judikatur seien 
derartige Vereinbarungen allerdings 
maximal für zwei Urlaubswochen zuläs-
sig. Das größere Ausmaß von drei Ur-
laubswochen muss dem/der Mitarbeite-
rIn für die individuelle Urlaubsplanung 
und zur „freien Vereinbarung“ zur Ver-
fügung stehen. 
Über Geld reden
Trotz dieser Bedingungen ist Birgit Thal-
hammer zuversichtlich, dass die Berufs-
gruppe der OrdinationsassistentInnen 
zukünftig weiter aufgewertet wird. 
Seitdem VertreterInnen des Berufs-
verbandes, also OrdinationsassistentIn-
nen, auch bei Kollektivvertragshandlun-
gen dabei sind, sei nicht nur das Ge-
sprächsklima deutlich respektvoller. 
Auch Frauen werden damit angehalten, 
für ihre Rechte selbstbewusster einzuste-
hen. Gerade am Land laufe der Hase 
noch anders als in Städten. Dort wird 
nicht viel über Geld oder Probleme ge-
sprochen. „Manche verstehen die Ver-
schwiegenheitspflicht falsch“, scherzt 
Thalhammer. Gerade über Geld zu re-
den sei aber notwendig. „Gerechte Ent-
lohnung ist eine Frage der Wertschät-
zung“, so Thalhammer. „Und diese ist 
wichtig, um eine so wertvolle Arbeit 
leisten zu können.“
Informationen für OrdinationsassistentInnen  
bei der GPA-djp:
tinyurl.com/hqckbne
 Schreiben Sie Ihre Meinung an die Autorin
steindlirene@gmail.com
oder die Redaktion
aw@oegb.at
Im Jahr 2013 wurden erstmals  Berufsbild, 
Rechte, Pflichten und Verantwortung  
der OrdinationsassistentInnen definiert. 
Sie dürfen nun offiziell Blut abnehmen – 
schon bislang haben sie das gemacht, 
nur ohne rechtlichen Unterbau. 
©
 C
hr
is
tia
n 
Vo
rh
of
er
/im
ag
eB
RO
KE
R/
pi
ct
ur
ed
es
k.
co
m
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.