27Arbeit&Wirtschaft 8/2016
Pflegekraft Schulden bei der SVA an. 
 „Pflegende Hände“, „Gute Wesen“, „Pfle-
gekraftbörse“ – mit diesen wohlklingenden 
Namen werben Vermittlungsagenturen im 
Internet um KundInnen und Personal. 
Doch nicht alle Internetplattformen, die 
PflegerInnen vermitteln, sind seriös. Das 
Geschäft mit der Rundumbetreuung geriet 
vor allem wegen dubiosen Vermittlungsfir-
men, die ohne Bewilligung arbeiten und 
Hungerlöhne ohne jegliche Absicherung 
zahlen, in die Kritik. Trotz der selbststän-
digen Erwerbstätigkeit werden die Tages-
sätze für eine 24-Stunden-Betreuung meist 
von den Agenturen festgelegt. PflegerInnen 
fallen so um eine freie Gehaltsverhandlung. 
Eva H.*, die seit vielen Jahren als Betreu-
erin in Wien arbeitet, hat schon vieles er-
lebt: „Es gibt schwarze Schafe unter den 
Agenturen, die nicht nur eine einmalige 
Vermittlungsgebühr einbehalten, sondern 
pro Jahr noch mal 500 bis 1.000 Euro pro 
PflegerIn abkassieren.“ „Wir brauchen eine 
differenzierte Sicht auf diese Zusammen-
hänge und müssen die rechtlichen Voraus-
setzungen klären. Bislang setzen wir mit 
der Beschäftigung osteuropäischer Pflege-
kräfte die Tradition unsichtbarer Frauen-
arbeit fort“, gibt der deutsche Rechtswis-
senschafter und Sozialexperte Thomas Klie 
zu bedenken. Die Situation in Österreich, 
Deutschland und der Schweiz ist – abge-
sehen von Details bei länderspezifischen 
rechtlichen Vorgaben – ähnlich. „Insge-
samt lässt sich feststellen, dass es eine ge-
duldete Grauzone gibt, in der Ausbeu-
tungsverhältnisse entstehen und sich nie-
mand um Arbeitsschutz und Arbeitszeiten 
schert. Weil alle ein Interesse daran haben: 
Krankenkassen und Privathaushalte wollen 
möglichst billig davonkommen, ausländi-
sche Pflegekräfte wollen aus ihrer finanzi-
ellen Not heraus schnell zu Geld kommen“, 
analysiert Klie.
Anstieg an Pflegebedürftigen
Auf der Online-Plattform der österreichi-
schen Wirtschaftskammer gibt es einen 
mehrsprachigen Ratgeber. Für selbststän-
dige UnternehmerInnen ist in den meisten 
Fällen eine Gewerbeanmeldung verpflich-
tend. Als mitgliederstärkste Berufsgruppe 
erhöhen PflegerInnen nebenbei bemerkt 
die jährliche Gründerbilanz maßgeblich, 
und sie bilden eine große Gruppe inner-
halb der Ein-Personen-Unternehmen. Sie 
zahlen Abgaben und sind für das Pflege-
system längst unverzichtbar. Das Problem 
bisher war, dass die Wirtschaftskammer 
PflegerInnen den Gewerblichen Dienst-
leisterInnen zuordnete und somit in erster 
Linie die Interessen der Agenturen ver- 
trat, die BetreuerInnen an Privathaushalte 
vermitteln.
Auf Nachfrage bei der Wiener Ge-
bietskrankenkasse (WGKK) heißt es, dass 
es immer wieder Fälle gibt, wo das Vorlie-
gen einer Unselbstständigkeit auf Antrag 
der Betroffenen überprüft wird: „Die 
24-Stunden-Pflege kann im Sinne des 
Hausbetreuungsgesetzes auf selbstständi-
ge oder unselbstständige Weise erfolgen. 
Dazu liegt eine Richtlinie des Sozialmi-
nisteriums vor“, erklärt eine WGKK-
Sprecherin. Nicht erst wenn die Baby-
boom-Generation in ein pflegebedürfti-
ges Alter kommt, werden weit mehr Pfle-
geplätze benötigt. Laut ExpertInnen ist 
bereits jetzt das Pflegesystem stärker als 
bisher belastet. Das Hilfswerk warnte erst 
kürzlich vor einem akuten Anstieg an 
Pflegebedürftigen: Allein in Österreich 
wird es in den nächsten Jahren laut Schät-
zungen rund 10.000 Pflegebedürftige 
mehr pro Jahr geben. Dafür werden zu-
sätzliche 2.000 Pflege- und Betreuungs-
kräfte sowie 1.500 Heimplätze benötigt. 
Die Kosten dafür belaufen sich auf 150 
Millionen Euro.
Um dem Personalmangel entgegenzuwir-
ken, müssten Pflegeberufe attraktiver ge-
staltet werden, vor allem durch eine besse-
re Bezahlung, aber auch eine reformierte 
Ausbildung. Franz Kolland, Professor für 
Soziologie an der Universität Wien, hat 
2015 eine Studie zum Thema „24-Stun-
den-Betreuung in Niederösterreich“ gelei-
tet, die sich mit der aktuellen Situation im 
Pflegebereich und den Arbeitsbedingungen 
der BetreuerInnen beschäftigt. Allen voran 
wird von den befragten ExpertInnen und 
Angehörigen eine bessere Entlohnung ge-
fordert. Bei Umfragen sprechen sich 98 
Prozent der Befragten dafür aus, dass Pfle-
gende mehr Anerkennung für ihre Arbeit 
erhalten sollten. Der Pflegeberuf ist groß-
teils weiblich. In dieser Sparte wird die Ein-
kommenskluft zwischen Männern und 
Frauen besonders deutlich. Weiters wird 
eine bessere Ausbildung für den Pflege-
dienst gefordert. Die Arbeiterkammer etwa 
bietet Fachberatungen für Pflegeberufe an. 
Besonders die Pflege von Menschen mit 
Demenz erfordert eine besondere Professi-
onalität und Spezialwissen. Es gibt Pläne, 
die Ausbildung der gehobenen Pflege künf-
tig an Fachhochschulen und Universitäten 
anzubieten. Durch die angestrebte Akade-
misierung würde das Niveau gehoben, was 
allen Beteiligten zugutekommen würde. 
Dubiose Rolle
Der Forschungsbericht der Universität 
Wien bestätigt ebenfalls die bereits ange-
sprochene „dubiose Rolle der Vermitt-
lungsagenturen“ und ortet dringenden 
Handlungsbedarf. Ein erster Schritt dazu 
wurde im Rahmen der Reform der 24-Stun-
den-Betreuung gemacht, welche die gewer-
berechtliche Trennung von Vermittlerfir-
men und BetreuerInnen festgeschrieben 
hat. Doch weitere Qualitätskriterien sind 
laut dem Soziologen und Gerontologen 
 Kolland für eine qualitätsvolle 24-Stunden-
Betreuung dringend notwendig. Dazu 
zählt beispielsweise die Einhaltung allge-
meiner gesetzlicher Voraussetzungen für 
die Vermittlung von 24-Stunden-Betreu-
ungsdiensten, die Kontrolle der Gewerbe-
anmeldung, ebenso die Überprüfung der 
Qualifikationen und Ausbildungen samt 
Zeugnissen und Zertifikaten der Betreue-
rInnen. Nicht zuletzt ist die Sprache zent-
ral, immerhin sprechen in Österreich viele 
Dialekt, was eine große Herausforderung 
bei der Arbeit darstellt. Geschichte und 
Anekdoten über Sprachhürden und Miss-
verständnisse kursieren unter Pflegenden 
und Betreuten. Dann wird auch einmal 
gelacht, erzählt Dana S. Denn viele Pati-
entInnen haben ihr gezeigt, dass man trotz 
allem Humor und Vertrauen in das Leben 
nie verlieren soll. So zählen zu den positi-
ven Seiten ihres Jobs für Dana vor allem 
die Begegnungen mit Menschen und das 
Gefühl, eine sinnvolle Tätigkeit in einer 
krisenfesten Branche auszuüben.
Weitere Infos finden Sie unter:
www.personenbetreuung.wkoratgeber.at 
tinyurl.com/j8gpxym
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