32 Arbeit&Wirtschaft 8/2016
stückszeiten. Auch die Körperpflege er-
folgt nicht automatisch um eine be-
stimmte Uhrzeit.“ Nur das Mittagessen 
findet für alle gemeinsam statt, allerdings 
in zwei getrennten Räumen: „Wir haben 
24 PatientInnen mit unterschiedlichem 
Demenzgrad. Durch die Trennung kön-
nen wir vermeiden, dass sich die Patien-
tInnen, deren Demenz noch nicht so weit 
fortgeschritten ist, womöglich über die 
anderen lustig machen.“ 
Tschank, der früher in Lainz arbei-
tete, ist seit 28 Jahren Pfleger und wirkt 
engagiert wie am ersten Tag. Im De-
menzgarten erzählt er mit Begeisterung 
über die Arbeit mit den PatientInnen 
– und über Erfolgserlebnisse. „Es heißt 
immer, in diesem Bereich gibt es keine 
Erfolgserlebnisse, doch das stimmt 
nicht. Wir sehen, dass es dementen 
 PatientInnen nach einigen Wochen 
hier besser geht, dass Verhaltensauf-
fälligkeiten mit der Zeit verschwinden. 
Wir haben zum Beispiel einen Patien-
ten übernommen, der enormen Bewe-
gungsdrang hatte, ständig herumgelau-
fen ist. Wir haben ihn einfach herum-
gehen lassen und auch beim Essen 
nicht wie bisher fixiert, sondern sind 
ihm zum Teil mit dem Essen nach-
gelaufen. Mit der Zeit wurde er wesent-
lich ruhiger und ausgeglichener. Er 
nimmt sein Essen und setzt sich da- 
mit hin. Die Möglichkeit, gewisse 
 Dinge selbst zu entscheiden, ist auch 
für  Demenzpatienten wichtig.“
Sicher, satt und selbstbestimmt
Appetitlosigkeit und mangelndes Durst-
gefühl kommen häufig bei alten Men-
schen vor, besonders bei Demenz. „Das 
Problem, dass Patienten nicht essen, ha-
ben wir hier nicht, eher im Gegenteil“, so 
Tschank. Manche kommen zweimal zum 
Frühstück – auch weil sie vergessen ha-
ben, dass sie schon gegessen haben – oder 
frühstücken noch einmal auf einer ande-
ren Station. „Entscheidend ist, wie man 
Essen und Getränke anbietet, bei uns ste-
hen immer Wasserkrüge griffbereit. Es 
kommt natürlich vor, dass manche dann 
direkt aus dem Krug trinken. Hauptsache, 
sie bekommen genug Flüssigkeit.“
Elektronische Armbänder, die beim 
Verlassen der Station Alarm auslösen, 
dienen zum Schutz der dementen Be-
S eit Jahren ist die Langzeitpflege im Spannungsfeld zwischen Qualität und Fi-nanzierbarkeit. Und die (demografischen) Herausforderungen werden nicht 
kleiner. 2030 wird jede/r Vierte älter als 65 sein, bis 2050 soll sich die Zahl 
der Demenzkranken verdoppeln. Durch zunehmende Berufstätigkeit der Frauen 
steigt der Bedarf an professioneller Betreuung. Derzeit erhalten 455.000 Personen 
 Pflegegeld, rund 80 Prozent werden zu Hause betreut – von 24-Stunden-Pflege-
rInnen, mobilen Diensten und/oder Verwandten. 2014 wurden 74 Prozent der 
Nettoausgaben für Pflege in stationären Einrichtungen ausgegeben, obwohl nur 
16 Prozent der PflegegeldbezieherInnen stationär betreut wurden. 
Höhere Durchlässigkeit
Damit betagte Menschen möglichst lange (selbstständig) in ihrer gewohnten Um-
gebung leben können, soll die Durchlässigkeit zwischen sämtlichen Pflege- und 
Betreuungsleistungen größer werden. In Wien wurde in Weiterentwicklung der 
Geriatriereform das Konzept „Pflege und Betreuung 2030“ erarbeitet. In diesem 
Zusammenhang ist die Verlagerung von akutgeriatrischen Abteilungen – mit kurz-
fristiger, maximal dreiwöchiger Betreuung – in die Nähe von Pflegeeinrichtungen, 
aber auch die Angliederung an ein Akutspital, ein wichtiger Schritt. Zusätzlich 
geplant: Länger geöffnete Tageszentren, neue Angebote für mobile Betreuung so-
wie Maßnahmen für eine höhere Attraktivität von Pflegeberufen (z. B. Wieder-
einsteigerinnen-Förderung).
Wie so vieles in diesem Bereich ist übrigens auch das Wording aufgrund des Fö-
deralismus uneinheitlich: Während in Wien die Pflegewohnhäuser dominieren, 
ist in vielen Bundesländern die Bezeichnung Pflegeheim durchaus noch gebräuch-
lich. Dabei dürfte sowohl den Beschäftigten als auch den Betroffenen und deren 
Angehörigen ziemlich egal sein, was außen am Gebäude steht. Wichtig ist, was 
drinnen passiert.
Handlungsbedarf
        

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