23Arbeit&Wirtschaft 9/2016
bahn treffen: mitten in der Pubertät. Es 
ist ebenjene Zeit, in der das soziale Um-
feld eine wichtige Rolle spielt – und in 
der die Jugendlichen noch dazu erst auf 
der Suche nach ihrer Geschlechteriden-
tität sind. Umso wichtiger ist es, dass 
man auch die Eltern in die Bemühun-
gen miteinbezieht. 
Hartnäckige Rollenbilder
Traditionelle Rollenbilder halten sich 
auch in den Bildungseinrichtungen wei-
terhin hartnäckig, von Kindergarten bis 
Schule. Dazu kommt, dass Kindergarten-
pädagogInnen und VolksschullehrerIn-
nen, die besonders prägend für Kinder 
sind, zu den Berufen mit dem höchsten 
Frauenanteil zählen. Auf diese Weise wer-
den den Kindern in einer entscheidenden 
Bildungsphase unterschwellig stereotype 
Arbeitsteilungsmuster vermittelt. Auch 
bei den Arbeitgebern selbst halten sich 
Vorurteile gegenüber Frauen, weshalb sie 
weibliche Bewerberinnen oft erst gar 
nicht engagieren. 
Zu diesen Faktoren kommt hinzu, 
dass die Betreuungsaufgaben im Haus-
halt in Österreich weiterhin sehr traditi-
onell verteilt sind. Überlegungen bezüg-
lich der Vereinbarkeit von Beruf und 
Familie beeinflussen nicht nur die Be-
rufswahl von jungen Frauen, sondern 
spielen auch in der weiteren Berufslauf-
bahn eine wichtige Rolle. Frauen suchen 
dann häufig nach Vollzeitberufen mit 
günstigen Arbeitszeiten oder nach Teil-
zeitbeschäftigungen – und erneut sind 
es genau jene Berufe, die zumeist stark 
segregiert sind. 
Der deutliche Anstieg der Erwerbs-
beteiligung von Frauen in den letzten 
Jahren hat die berufliche Segregation 
eher verstärkt. Denn erstens bewirkt die 
höhere Frauenerwerbstätigkeit zusätzli-
che Nachfrage nach personenbezogenen 
Dienstleistungen wie Kinderbetreuung 
und Pflegeleistungen. Diese Berufe sind 
überwiegend stark segregierte Frauenbe-
rufe. Und zweitens erfolgt die Zunahme 
der Erwerbstätigkeit von Frauen vorwie-
gend in der Form von Teilzeitbeschäfti-
gung – ein Arbeitsmarktsegment, in dem 
wiederum in hohem Maße „Frauenbe-
rufe“ dominieren. 
Die Tatsache, dass viele Frauen und 
Männer nur bestimmte, den geschlecht-
lichen Stereotypen entsprechende Beru-
fe für sich in Erwägung ziehen, hat zur 
Folge, dass potenzielle Berufs- und Le-
benschancen nicht verwirklicht werden, 
Talente unerkannt und Möglichkeiten 
der Gesellschaft ungenutzt bleiben. 
Schließlich begünstigt geschlechtsbezo-
gene berufliche Segregation den hartnä-
ckigen Fortbestand überkommener Vor-
stellungen über typische Frauen- bzw. 
Männerberufe und traditioneller Ge-
schlechterrollen.
Gleichstellungspolitik
In Österreich haben mehrere gezielte Ein-
zelmaßnahmen bereits gewisse Erfolge 
beim Abbau der beruflichen Segregation 
erzielt: beispielsweise Initiativen zur För-
derung von Frauen in Naturwissenschaft 
und Technik; der „Wiener Töchtertag“, 
an dem Mädchen unterschiedliche Beru-
fe kennenlernen können; das Programm 
„Frauen in Handwerk und Technik“ im 
Bereich der Arbeitsmarktpolitik. Was bis-
lang weitgehend fehlt, sind Maßnahmen, 
die Anreize für junge Männer setzen, stark 
segregierte Frauenberufe, also zum Bei-
spiel Kindergartenpädagoge oder Volks-
schullehrer, zu ergreifen. In den letzten 
beiden Jahrzehnten ist die berufliche Se-
gregation leicht zurückgegangen. Inner-
halb der EU liegt Österreich im Mittel-
feld: Um eine berufliche Gleichverteilung 
von Frauen und Männern zu erzielen, 
müsste rund die Hälfte der Beschäftigten 
ihren Beruf wechseln. 
Talente statt Stereotype
Freilich kann es nicht darum gehen, 
Männer und Frauen in Berufe zu zwin-
gen, für die sie weder Interesse noch 
Qualifikation haben. Worum es aber 
sehr wohl geht, ist, dass nicht mehr tra-
ditionelle Vorstellungen der wichtigste 
Faktor bei der Berufswahl sind, sondern 
vielmehr die Talente und Fähigkeiten 
der jungen Menschen im Vordergrund 
stehen. 
 Schreiben Sie Ihre Meinung an die AutorInnen
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Während ein Maurer im dritten Lehrjahr mit 
1.849 Euro brutto nach Hause geht, müssen sich 
Friseurinnen nach sechs Jahren Berufserfahrung 
mit rund 1.612 Euro brutto zufrieden geben.
        

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