30 Arbeit&Wirtschaft 9/2016
Zwar sind viele Frauen sehr gut ausge-bildet – und doch fehlen sie in Füh-
rungspositionen. Dieses Potenzial liegt 
brach, wenn sie in niedrig qualifizierten 
Jobs bleiben, anstatt aufzusteigen. Ma-
nuela Vollmann hält das volkswirtschaft-
lich und unternehmerisch für unvernünf-
tig. Die Geschäftsführerin des Vereins abz 
austria, der sich das Thema Frauen in der 
Wirtschaft auf die Fahnen schreibt und 
dazu unter anderem Unternehmen berät, 
stellt fest: Unternehmen müssten sich 
fragen, „ob sie nicht aus dem ganzen Pool 
schöpfen wollen“.
Allzu oft heißt es, dass Frauen gar nicht 
führen wollen und sich auf Stellenaus-
schreibungen nicht melden. Es sei richtig, 
dass sich Frauen seltener für Führungs-
positionen bewerben, aber dafür gebe es 
Gründe, bei denen es anzusetzen gelte, 
so Vollmann: „Im Recruiting-Prozess ist 
es Realität, dass Männer sich sofort be-
werben, sobald sie sehen: Das interessiert 
mich.“ Frauen dagegen würden sich In-
serate ganz genau anschauen – und wenn 
sie sehen, dass ihnen eine Qualifikation 
fehlt, bewerben sie sich nicht. 
„Man muss an den Kern des Problems 
gehen und sich fragen, wie Inserate ge-
staltet sein müssen, damit sich auch Frau-
en bewerben“, meint Vollmann. Ein wei-
terer Ansatz ist, sich innerhalb der Un-
ternehmen bewusst nach passenden 
Frauen umzusehen – für Spitzenpositio-
nen etwa in der zweiten Führungsebene.
Und noch etwas: Manche Qualifikati-
onen und Talente liegen nicht auf dem 
Präsentierteller. Viele Frauen sind Mana-
gerinnen ihrer Familien. „Unternehmen 
sind gut beraten, sich anzusehen, welche 
informellen Kompetenzen die Frauen ha-
ben – Kompetenzen, die sie nicht an der 
Uni gelernt haben“, so Vollmann. 
Natürlich heiße das nicht, dass jede Frau 
eine gute Managerin sei, aber möglich ist 
es – und dann wäre es ziemlich vernünf-
tig, diese Fähigkeiten auch im Unterneh-
men zu nutzen und diesen Frauen eine 
Führungsposition anzubieten.
Innovative Modelle  
für Gleichstellung
Renate Blauensteiner vertritt als Betriebsratsvorsitzende rund 1.400 
MitarbeiterInnen im Wiener Opel-Werk – 97 Prozent davon männlich. 
Sie war zuvor selbst Arbeiterin in der Produktion. Damit auch Frauen 
verantwortungsvolle Positionen übernehmen, sind aus ihrer Sicht gute 
Partnerschaften essenziell, in denen beide Teile für Haushalt und  
Kinderbetreuung zuständig sind.
Das Leben von Ana Ilic, die aus Bos-
nien und Herzegowina stammt, teilt 
sich in zwei Hälften: vor und nach ihrer 
Flucht vor dem Jugos-
lawienkrieg. Damals, 
1993, war sie Mitte 
20 und floh mit ih-
rem Onkel und ihrer 
Tante nach Wien. Hier lebt sie seit rund 
24 Jahren. Die jugendlich wirkende 
Frau, die mit ruhiger Stimme spricht, 
konnte das Wirtschaftsstudium in ihrer 
Heimat nicht abschließen, musste alles 
zurücklassen, auch ihre Mutter und 
Schwester, und sich „von null“ eine neue 
Existenz aufbauen – inklusive einer völ-
lig neuen Sprache. Der Job als Reini-
gungskraft für das Unternehmen Si-
macek, den sie relativ bald nach ihrer 
Ankunft in Wien antrat, war für Ilic ein 
Segen – und sie ist immer noch dabei: 
„Ich bin eine treue Seele.“ Vor zehn Jah-
ren wurde ihr ein Job als Objektmana-
gerin angeboten: „Durch meinen Ein-
satz ist es dazu ge-
kommen. Ich arbeite 
gerne und es wurde 
gesehen, dass ich 
mehr kann und zu-
verlässig bin.“ Heute ist Ilic für 23 Ob-
jekte, darunter ein Spital, ein Kinder-
garten, ein Fitnessstudio und Banken, 
verantwortlich – und für 80 Mitarbeite-
rInnen.
Voller Einsatz
Geschenkt bekam Ilic diese Chance 
nicht: Sie bildete sich intensiv weiter, ab-
solvierte eine Lehre zur Denkmal-, Fas-
saden und Gebäude-Reinigerin, besuch-
te weiterbildende Fachkurse und machte 
„Frauen trauen sich oft weniger 
zu, als sie können.“
Doris Christina Steiner
        

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