32 Arbeit&Wirtschaft 9/2016
F
rauen verdienen weniger als Män-
ner. Der Einkommensunterschied 
besteht bereits seit Jahren. „Frauen 
sind schüchtern, bescheiden und 
trauen sich nicht, in Gehaltsverhand-
lungen mehr Geld zu fordern“: So lautet 
eine weitverbreitete Annahme. 
Von Vorurteilen geleitet
Doch stimmt diese These oder ist sie viel-
leicht selbst von Vorurteilen geleitet? In 
einer groß angelegten Fallstudie haben 
sich WissenschafterInnen der University 
of Wisconsin, der University of Warwick 
und der Cass Business School dieses The-
mas angenommen. Im Zuge der Studie 
wurden 4.600 Angestellte in mehr als 800 
australischen Unternehmen befragt. Das 
deutliche Ergebnis: Frauen fragen genau-
so oft wie ihre männlichen Kollegen nach 
einer besseren Bezahlung – allein: Sie er-
halten sie seltener.
Um 25 Prozent geringere Chance
Die ForscherInnen fanden keine Anzei-
chen dafür, dass Frauen bei Gehaltswün-
schen zögerlicher sind, weil sie sich vor 
negativen Auswirkungen auf das Arbeits-
klima fürchten, wie ebenfalls oft orakelt 
wird. „Wir müssen akzeptieren, dass hier 
offenbar schlicht diskriminiert wird“, sagt 
Andrew Oswald, Professor an der Uni-
versity of Warwick und einer der Auto-
rInnen der Studie. Die Wahrscheinlich-
keit, dass Frauen mit ihrer Forderung 
nach mehr Einkommen beim Chef er-
folgreich sind, liegt sogar um 25 Prozent 
unter jener von Männern. Dieses Umfra-
geergebnis ist nicht besonders überra-
schend, wenn man bedenkt, dass es Un-
ternehmen weltweit seit Jahren verabsäu-
men, ihre Machokultur zu ändern. Frau-
en sind nach wie vor eine Ausnahmeer-
scheinung in den Führungsebenen, sie 
werden vorwiegend mit operativen oder 
bestenfalls taktischen Führungsaufga- 
ben betraut, vom strategischen Topma-
nagement bleiben sie meist ausgeschlossen. 
Still sein, auf Superkräfte vertrauen?
Gründe dafür gibt es viele, einer könnte 
aber auch das veraltetete Frauenbild man-
cher Konzernmanager sein. So sorgte 
Microsoft-Chef Satya Nadella vor etwas 
mehr als zwei Jahren mit seiner Äuße-
rung: „Frauen sollten nicht nach einer 
Gehaltserhöhung fragen, sondern darauf 
Amela Muratovic
ÖGB Kommunikation
Frauen blitzen öfter ab
Wer glaubt, dass Frauen in Gehaltsverhandlungen schüchterner als Männer sind,  
irrt gewaltig. Sie fordern sehr wohl mehr Geld – nur bringt es ihnen nichts.  
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In Österreich ist das Einkommen ein gut gehütetes 
Geheimnis und häufig auch unter KollegInnen ein  
Tabuthema. Deshalb werden Entgeltdiskriminierun-
gen meist nicht offensichtlich als solche erkannt.
        

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