35Arbeit&Wirtschaft 9/2016
„Männer wollen 
ausbrechen“
Hans-Georg Nelles vom 
Bundes forum Männer 
in Berlin im Interview.
Warum wollen immer mehr Männer 
aus traditionellen Rollenbildern aus-
brechen?
Hans-Georg Nelles: Die traditio-
nellen Rollenbilder werden als Fesseln 
erlebt, nicht nur als Privilegien. Das 
Leben besteht nicht nur aus Arbeit. 
Das ganze Prestige, das ich mir erwer-
ben kann, ist auf den ersten Blick reiz-
voll. Es ist aber auf Dauer nicht erfül-
lend. Daher wollen Männer ausbrechen. 
Warum bringen sich Männer in den 
Gleichstellungsprozess ein? 
Ich denke, die Männer selber sind 
aktiver geworden, weil sie spüren, dass 
Gleichstellung sie selbst etwas angeht 
– und von der sie selbst, die Familien, 
die Kinder und gar die Lebenserwar-
tung profitieren. Daher wird das The-
ma zunehmend attraktiver. 
Und die Lebensqualität? 
Männer gewinnen an Qualität, wenn 
sie ihr Leben erweitern und nicht nur 
Erwerbsarbeit in den Mittelpunkt stel-
len. Ab dem Zeitpunkt, an dem man 
Partnerschaft nicht mehr leben kann, 
gehen Beziehungen in die Brüche. Das 
verursacht Kosten, und zwar private 
und öffentliche. 
Männer tragen in vielen Fällen den 
Hauptteil des Familieneinkommens. 
Wie kann man ihre Bedürfnisse besser 
vorantreiben? 
Es gilt, die Bedürfnisse von Män-
nern ernst zu nehmen, und Unterneh-
men dürfen diese nicht nur als Belas-
tung sehen. Alle diskutieren darüber, 
dass man länger arbeiten soll, aber bei 
dem Tempo hält das niemand so lange 
durch. Unternehmen profitieren aber 
auch von mehr Gleichstellung. Sie 
wollen gut qualifizierte Frauen för-
dern. Dazu muss man Arbeit so orga-
nisieren, dass ein gutes Leben nebenbei 
möglich ist – auch für Männer mit die-
sen Bedürfnissen. 
Männer in Frauenberufen, Frauen in 
Männerberufen: Warum sorgt das im-
mer noch für so viel Aufregung? 
Es geht um Zuschreibungen. Was 
sind denn typische Frauen- und 
Männerjobs? Ich komme aus Nord-
rhein-Westfalen aus einer Stadt im 
Dreiländereck zwischen Deutsch-
land, den Niederlanden und Belgien. 
Medizinisch-Technische Assistenz ist 
in Deutschland ein von Frauen aus-
geübter Beruf, in den Niederlanden 
machen das Männer. In Deutschland 
galt es den Krankenschwesternjob zu 
erweitern, in den Niederlanden war 
aufgrund des Technikschwerpunkts 
klar, das ist etwas für Jungs. 
Der Beruf soll nach Interessen 
ausgesucht werden. Das Beste wäre, 
solche Diskussionen auszusparen. Ar-
beitet ein Mann im sozialen Bereich, 
kommt oft die Frage: Wie sollst du 
von dem Beruf eine Familie ernäh-
ren? Es gilt, das attraktiver zu ma-
chen. Oft sind es übrigens die Väter, 
die dazu beitragen, dass Kinder einen 
ungewöhnlichen Beruf erlernen.
Sandra  Knopp, Udo Seelhofer
Ansetzen könnte man etwa bei der Ver-
teilung der Arbeitszeit zwischen den Ge-
schlechtern, findet Moritz. „In der Zeit, 
wo die Kinder noch klein sind, arbeiten 
Männer und Frauen gemeinsam ungefähr 
60 Stunden. Aber muss es so sein, dass 
der Mann 40 Stunden und Überstunden 
macht und die Frau nur wenige Stunden 
arbeitet, oder könnte man das nicht an-
ders aufteilen?“ 
Den Wünschen von Männern und 
Frauen würde es jedenfalls entsprechen. 
Nicht zuletzt sollte man sich Gedanken 
darüber machen, ob die traditionelle 
Vorstellung von einer kontinuierlichen 
„Berufslaufbahn“ mit ständigem Voll-
zeit-Arbeitsplatz eigentlich noch der Re-
alität entspricht. Bei Sonnentor können 
Beschäftigte dank der familienorien-
tierten Maßnahmen Familie und Beruf 
viel besser vereinbaren als in herkömm-
lichen Betrieben. Manuela Feher, Mar-
keting-Chefin bei Sonnentor, erläutert 
weitere Prioritäten des Betriebes in 
puncto Familienfreundlichkeit: „Flexible 
Teilzeitregelungen und flexible Arbeits-
zeiten sind enorm wichtig.“ 
Aufstieg in Teilzeit
Die Arbeitstage und das Stundenausmaß 
sind in Abstimmung frei wählbar. Zudem 
werden Väterkarenzen aktiv gefördert 
und von den Mitarbeitern auch genutzt. 
Entgegen marktüblichen Gepflogen-
heiten können auch Teilzeitkräfte auf-
steigen. Dies wirkt sich positiv auf die 
Anzahl von Frauen in Führungsebenen 
aus. Durch Jobsharing gewinnen Be-
schäftigte und Führungskräfte wertvolle 
Familienzeit. Das Karenzmanagement bei 
Sonnentor gilt als vorbildlich. Beschäf-
tigte kehren nach der Karenz selbstver-
ständlich in gleichwertige Positionen 
zurück. Rückkehrgespräche, individu-
elle Karriereplanung und Mentoring er-
leichtern zudem den gleitenden Wieder-
einstieg. Aktuell sind bei Sonnentor 177 
Frauen und 69 Männer beschäftigt. Der 
Anteil an weiblichen Führungskräften 
liegt bei 63 Prozent.
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an die Autorin
irene_mayer@hotmail.com
oder die Redaktion
aw@oegb.at
        

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