5Arbeit&Wirtschaft 9/2016
 
... wenn ihr denn  
unbedingt wollt ... 
L
etztlich ging sie leider nicht einmal 
als Fußnote in der Geschichte ein. 
Dabei war ihre Initiative Gold 
wert: Unter dem Titel „Ganze 
Männer machen halbe-halbe“ machte die 
damalige Frauenministerin Helga Konrad 
auf sehr effektive Art und Weise das Pri-
vate zum Politischen. Immerhin ging es 
um nicht mehr und nicht weniger als die 
Aufteilung der Haus- und Familienarbeit 
zwischen den Geschlechtern. Wenn Put-
zen und Kinderbetreuung weiterhin in 
die Domäne der Frau fallen sollten, auch 
wenn sie berufstätig war, sollte dies im 
Falle der Scheidung zugunsten der Frau 
berücksichtigt werden. Konrad stieß da-
mit eine Debatte über eines der größten 
Hindernisse bei der Gleichstellung an. 
Wespennest
Dass man bei dem Thema auch heute 
noch in ein Wespennest sticht, zeigte der 
Aufschrei, den die Kampagne „Echte 
Männer gehen in Karenz“ erst vor weni-
gen Jahren auslöste. Dabei kann über die-
ses Thema gar nicht oft genug diskutiert 
werden. Immerhin sind ebendiese Ge-
schlechterstereotype, die nur Frauen die 
Zuständigkeit für Kinderbetreuung zu-
schreiben, weiterhin dafür verantwort-
lich, dass Frauen am Arbeitsmarkt 
schlechtergestellt sind. Zwar sind sie auf 
der Bildungsleiter unheimlich viele 
Sprossen hochgeklettert. Dies spiegelt 
sich jedoch weder in den Jobs wider, die 
sie ausüben, noch in den Funktionen, die 
ihnen übertragen werden. Auch landen 
viel zu viele Frauen weiterhin in typischen 
„Frauenjobs“. Viele davon sind noch da-
zu Schwerarbeit, die aber bei Weitem 
nicht dementsprechend bezahlt wird. 
Frauen werden unter ihren Qualifi-
kationen beschäftigt und damit schlech-
ter bezahlt. Selbst wenn sie einen Job 
ausüben, der ihren Qualifikationen ent-
spricht, erhalten sie allzu oft weniger 
Geld als ihre männlichen Kollegen. 
Frauen mit Kindern wird die Berufstä-
tigkeit erschwert, weil es kein ausrei-
chendes Angebot an Kinderbetreuungs-
einrichtungen gibt. So kann es auch 
kaum verwundern, dass Frauen weiter-
hin jene sind, die aus dem Beruf ausstei-
gen, wenn ein Kind kommt oder ein/e 
Angehörige/r zu pflegen ist. Weil sie halt 
weniger verdienen, lautet eine beliebte 
Erklärung – und es ist ein handfester 
Grund. Damit dreht sich die negative 
Spirale aber leider weiter bis hin zur 
Pension. 
Von daher ist es mehr als zynisch, 
wenn weiterhin die Wahlfreiheit ange-
rufen wird. Frauen wird vorgegaukelt, 
sie könnten alles schaffen – aber man 
schafft weder die entsprechenden Rah-
menbedingungen dafür, noch gibt man 
ihnen die entsprechenden Chancen. Die 
Botschaft an Frauen lautet heute: Wenn 
ihr unbedingt arbeiten wollt, dann 
müsst ihr es halt auch schaffen. Man 
zwingt sie also nicht mehr, zu Hause zu 
bleiben. Allerdings bleibt ihnen auf-
grund der Rahmenbedingungen oftmals 
gar nichts anderes übrig. Wahlfreiheit ist 
das wahrlich nicht, von Geschlechterge-
rechtigkeit ganz zu schweigen. 
Geht alle etwas an
Zurück zu Helga Konrad. Männer sollen 
dazu gezwungen werden, in Karenz zu 
gehen, lautete eine große Befürchtung 
damals. Warum denn eigentlich nicht? 
Denn wenn es völlig einerlei ist, wer auf-
grund der Geburt eines Kindes „ausfällt“, 
würden Unternehmen nicht nur in Fest-
reden von Familienfreundlichkeit spre-
chen, sondern diese auch umsetzen. Auch 
der Druck zum Ausbau von Kinderbe-
treuung würde steigen. 
Da nun auch Männer Knicke in ih-
rer Erwerbsbiografie hätten, würde auch 
darüber diskutiert werden, wie eine an-
gemessene soziale Absicherung bei weni-
ger geradlinigen Berufslaufbahnen aus-
sehen sollte. Und man würde sich inten-
siver mit alternativen Arbeitszeit- und 
Karrieremodellen sowie Führungskon-
zepten beschäftigen, als Stichwort sei 
nur Führung in Teilzeit genannt. Kurz-
um: Gleichstellung würde nicht länger 
als Thema verstanden werden, das nur 
Frauen etwas angeht, sondern vielmehr 
als erstrebenswertes Ziel für alle. 
Standpunkt
Sonja Fercher
Chefin vom Dienst
Arbeit&Wirtschaft
        

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