46 Arbeit&Wirtschaft 2/2017
Bedarfsorientierte Mindestsicherung (BMS): 
 Sozialleistung zur Armutsbekämpfung, die seit 
September 2010 die Sozialhilfe ersetzt. Die meis-
ten BMS-BezieherInnen sind AufstockerInnen, 
haben also irgendein anderes Einkommen, das 
unter dem Richtsatz von 827,82 Euro für Allein-
lebende liegt. BezieherInnen der Mindestsiche-
rung müssen eigenes Vermögen bis zur Höhe von 
4.139,13 Euro (Stand 2015) aufgebraucht haben 
bzw. dürfen kein Vermögen besitzen. Eine Aus-
nahme stellt die Eigentumswohnung, in der man 
hauptgemeldet ist,  samt Einrichtung dar. Ein 
Auto zählt ebenso zum Vermögen und darf nur 
im Falle beruflichen Bedarfs behalten werden. 
(Seite 40)
Bismarck, Otto von: Deutscher Politiker und Fürst 
(1815–1898); 1862–1890 Ministerpräsident von 
Preußen, 1867–1890 Bundes- bzw. Reichskanz-
ler. Der aus altem Adelsgeschlecht stammende 
Jurist wurde von König Wilhelm I. unterstützt, aber 
besonders anfangs sogar von vielen Konserva-
tiven als zu reaktionär abgelehnt. Ein wichtiges 
Leitprinzip für Bismarck war, die Macht und Pri-
vilegien des landbesitzenden Adels zu erhalten. 
Um die Stellung Deutschlands (und seine eigene) 
nicht zu gefährden, traf er unter anderem auch 
in der Außenpolitik während seiner Amtszeit 
 immer wieder auch sehr pragmatische Ent-
scheidungen. Als epochal gilt die Einführung 
der Sozialversicherung während seiner Amtszeit. 
(Seite 20)
Dienstleistungsscheck: Um legales Arbeiten in 
Privathaushalten (Babysitten, Putzen etc.) zu 
erleichtern, wurde 2006 der Dienstleistungs-
scheck eingeführt. Die ArbeitnehmerInnen sind 
unfall versichert und dürfen nicht unter dem Min-
destlohn bezahlt werden, die Verdienstgrenze 
entspricht der Geringfügigkeitsgrenze. (Seite 37)
DÖW (Dokumentationsarchiv des Österreichi-
schen Widerstandes): 1963 von ehemaligen 
WiderstandskämpferInnen und engagierten Wis-
senschaftern gegründet; Präsident: Rudolf Edlin-
ger. (Seite 42)
Familienlastenausgleichsfonds (FLAF): Der Aus-
gleichsfonds für Familienbeihilfen verteilt um 
zwischen jenen, die für Kinder sorgen, und jenen, 
für die das aktuell nicht zutrifft. Mit dem FLAF-
Budget von 6,25 Mrd. Euro pro Jahr werden u. a. 
die Familienbeihilfe, Freifahrten und das Kinder-
betreuungsgeld finanziert. Die FLAF-Einnahmen 
kommen zu mehr als 80 Prozent aus den Beiträgen 
der DienstgeberInnen, diese wurden mit Beginn 
2017 um 0,4 Prozentpunkte auf 4,1 Prozent der 
Bruttolohnsumme gesenkt. Ab 2018 ist eine wei-
tere Reduktion um 0,2 Prozentpunkte geplant, um 
die Lohnnebenkosten zu senken. Wesentlich ge-
ringere Beiträge kommen von land- und forstwirt-
schaftlichen Betrieben sowie aus der Einkom-
mens- und Körperschaftssteuer. (Seite 34)
Friedman, Milton: US-amerikanischer Ökonom 
(1912-2006), der wichtige Arbeiten zu den The-
men Mikro- und Makroökonomie, Statistik und 
Wirtschaftsgeschichte verfasste (Kapitalismus 
und Freiheit, Die Rolle der Geldpolitik etc.); Ver-
treter des ökonomischen Liberalismus. Dieser ist 
gekennzeichnet durch die neoklassische Preis-
theorie und den strikten Glauben an die freie 
Marktwirtschaft. Friedman erhielt 1976 den 
 Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften, u. a. 
auch für seine Demonstration der Komplexität 
der Stabilitätspolitik. (Seite 21)
Grundversorgung: Unterstützung von hilfs- und 
schutzbedürftigen Fremden (z. B. Asylwerbe-
rInnen), um deren Grundbedürfnisse abzu- 
decken. Die Leistungen umfassen  unter anderem: 
Verpflegung(sgeld), Mietzuschüsse, Beklei-
dungshilfe, Taschengeld, medizinische Versor-
gung etc. Für Asylberechtigte endet nach einer 
Übergangsfrist von vier Monaten die Unterstüt-
zung durch die Grundversorgung. Kann danach 
der Lebensunterhalt nicht aus eigenen Mitteln 
bestritten werden, so kann Mindestsicherung 
beantragt werden. Das Grundversorgungsge- 
setz wurde zuletzt 2015  novelliert. Damit wurde 
die Bestimmung, nach der AsylwerberInnen nach 
einem abschlägigen Asylbescheid aus der 
 Grundversorgung fallen  können, abgeschwächt: 
Aus humanitären Gründen muss die Versorgung 
bis zur faktischen  Abschiebung beziehungsweise 
bis zur Ausreise erfolgen. (Seite 41)
Hayek, August von: österreichischer Ökonom und 
Sozialphilosoph (1899–1992); wichtigster Ver-
treter des Neoliberalismus. 1974 erhielt er ge-
meinsam mit Gunnar Myrdal den Nobelpreis für 
Wirtschaftswissenschaften für ihre Pionierar - 
beit auf dem Gebiet der Geld- und Konjunktur-
theorie und ihre Analysen des Zusammenhangs 
zwischen  ökonomischen, sozialen und institutio-
nellen  Phänomenen. (Seite 21)
kalte Progression: Steuermehrbelastung, die 
dann eintritt, wenn Löhne oder Gehälter nur ge-
ring erhöht werden, die Einkommenssteuersätze 
aber der Inflation nicht angepasst werden und 
man dadurch in eine höhere Steuerklasse kommt 
– was zu Reallohneinbußen führt. (Seite 36)
Monetarismus: Im Unterschied zum traditio - 
nellen Keynesianismus ist der Monetarismus 
 weniger eine Einkommens- und Beschäftigungs-
theorie, sondern in erster Linie eine Theorie zur 
Erklärung von Inflation. Dabei wird angenom - 
men, dass Inflation langfristig allein durch das 
Geldmengenwachstum einer Volkswirtschaft be-
stimmt wird. Monetaristen sehen in der Regulie-
rung der Geldmenge die wichtigste Stellgröße 
zur Steuerung des Wirtschaftsablaufes. Eine zu 
starke Ausdehnung der Geldmenge führe zur 
 Inflation, eine zu starke Bremsung des Geldmen-
genwachstums zu Deflation. Kurzfristige Eingrif-
fe des Staates zur punktuellen Steuerung der 
Wirtschaft werden abgelehnt. Der Monetarismus 
 wurde in den 1960er- und 1970er-Jahren vor 
allem von Milton Friedman als Gegenentwurf 
zum nachfrageorientierten Keynesianismus ent-
wickelt. (Seite 21)
Pflegegeld: wird ausbezahlt, wenn aufgrund ei - 
ner geistigen, körperlichen oder psychischen 
 Behinderung bzw. Sinnesbehinderung ständiger 
(= voraussichtlich länger als sechs Monate 
 dauernder) Hilfs- und Betreuungsbedarf im 
 Ausmaß von mehr als 60 Stunden monatlich 
 besteht. Voraussetzung ist in der Regel ein ge-
wöhnlicher Aufenthalt in Österreich. Unter Um-
ständen wird Pflegegeld auch im EWR-Raum 
gewährt. Es gibt sieben Pflegestufen, in der 
höchsten Stufe ist das Pflegegeld rund zehn - 
mal höher als in Pflegestufe 1. Die Entschei - 
dung über das Ausmaß des Hilfs- und Betreu-
ungsbedarfs erfolgt im Rahmen eines Haus-
besuchs durch eine/n MedizinerIn oder eine 
 diplomierte Pflegefachkraft. (Seite 8) 
Silicon Valley: bedeutendster Standort der IT- 
und Hightech-Industrie in der Nähe von San 
 Francisco. Das Gebiet ist rund 70 Kilometer 
lang und 30  Kilometer breit. Die wirtschaftliche 
Entwicklung der auch als Bay Area bezeichne- 
ten Region begann 1951 mit der Einrichtung 
des Stanford  Industrial Park, eines Forschungs- 
und Industriegebiets neben der Stanford Uni-
versity. Heute sind dort Tausende Unternehmen 
ansässig, neben Branchenriesen wie Apple, 
Google oder Tesla auch zahlreiche Start-ups. 
 (Seite 20)
Tálos, Emmerich: österreichischer Politikwissen-
schafter und Publizist, geb. 1944; zu seinen 
Schwerpunkten zählen die Sozialpolitik und der 
Wohlfahrtsstaat, die politische Entwicklung 
 Österreichs im 20. Jahrhundert, Austrofaschis-
mus und die Sozialpartnerschaft. Im Jahr 2002 
engagierte er sich für das Sozialstaatsvolks-
begehren. (Seite 4)
Totalitarismus: diktatorische Herrschaftsform, 
bei der es auch darum geht, entsprechend einer 
bestimmten Ideologie einen „neuen Menschen“ 
zu formen. Während in einer autoritären Diktatur 
in der Regel der Status quo aufrechterhalten 
wird, fordert eine totalitäre Diktatur eine äu- 
ßerst aktive Beteiligung des Einzelnen am 
 Staatsleben sowie dessen Weiterentwicklung in 
eine Rich tung, die durch die jeweilige Ideolo- 
gie vorge geben wird, z. B. Nationalsozialismus, 
Stalinismus. (Seite 21)
Man kann nicht alles wissen ...
        

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