45Arbeit&Wirtschaft 3/2017
AK:
Keine Einbahnstraße!
Neue Arbeitszeitmodelle müssen allen etwas bringen. 
ÖGJ:
Revolution im Denken
ÖGJ fordert 700 Euro Mindestlehrlingsentschädigung und Aufwertung der Lehre. 
Im Arbeitsprogramm der Bundesregierung 
für 2017/18 steht: Die Bundesregierung 
arbeitet gemeinsam mit den Sozialpart-
nern an der Lösung der Frage der Flexi-
bilisierung der Arbeitszeit unter Berück-
sichtigung der Interessen der Arbeitneh-
merinnen und Arbeitnehmer sowie der 
Arbeitgeber. 
Aus diesem Auftrag geht klar hervor, 
dass eine Neuregelung sowohl die Inte-
ressen der Beschäftigten als auch die der 
Arbeitgeber berücksichtigen muss. Dies 
deckt sich mit der klaren Haltung der 
ArbeitnehmerInnenvertretungen: Ar-
beitszeitflexibilisierung darf keine Ein-
bahnstraße sein. „Die bislang bekann-
ten Forderungen von Wirtschaft und 
Industrie lassen bei uns aber die Alarm-
glocken läuten“, erklärten Rudi Kaske, 
Präsident der AK Wien, und Markus 
Wieser, Präsident der AK Niederöster-
reich. „Diese legen für uns den Verdacht 
nahe, dass die Interessen der Beschäftig-
ten nur ungenügend berücksichtigt 
werden sollen.“
Die scheinbaren Patentrezepte der 
Wirtschaft bedeuten übersetzt: flexibler 
arbeiten für weniger Geld – länger ar-
beiten am Tag, länger arbeiten in der 
Woche, Abgeltung in Zeitausgleich 
ohne Überstundenzuschläge. Die Ar-
beit soll somit für die Arbeitgeber billi-
ger werden, und die Flexibilisierung soll 
anscheinend rein nach betrieblichen 
Interessen erfolgen – ohne Rücksicht 
auf Erholungsphasen, Familienleben 
oder Freizeitgestaltung. Dabei kann in 
Österreich bereits sehr flexibel gearbei-
tet werden – und dies wird auch in An-
spruch genommen. „Uns ist nicht be-
kannt, dass auch nur ein Auftrag aus 
Gründen mangelnder Arbeitszeitflexi-
bilität nicht abgearbeitet werden konn-
te. Kollektivverträge werden so wie bis-
her auch in Zukunft branchenspezifi-
sche Problemlagen berücksichtigen und 
darauf achten, dass entsprechende 
Spielräume gestaltet werden. 
Die Wirtschaft will sich in Wirk-
lichkeit unter der Bezeichnung der Fle-
xibilisierung die Zuschläge sparen. Ei-
nes ist klar, für uns gilt: Zeit ist Geld 
und eine Überstunde ist eine Überstun-
de und darf nicht automatisch zu Nor-
malarbeitszeit werden“, halten Kaske 
und Wieser fest.
Mehr unter: tinyurl.com/k8a8wgh
„keine Arbeit – keine Zukunft? REVOLUTION!“: 
Unter diesem Motto tagte am 8. April 
der 35. Bundesjugendkongress des ÖGB. 
Aber keine Angst, es ist kein blutiger Um-
sturz, der den Delegierten der Gewerk-
schaftsjugend (ÖGJ) vorschwebt. „Unse-
re Revolution ist es, den Menschen wie-
der in den Mittelpunkt zu rücken. Denn 
wenn Unternehmen die ArbeitnehmerIn-
nen durch Maschinen ersetzen, hat das 
meist nur einen Sinn, nämlich in immer 
weniger Zeit mit immer weniger Beschäf-
tigten immer höhere Profite einzufah-
ren“, sagte Sascha Ernszt, der zum ÖGJ-
Vorsitzenden wiedergewählt wurde. 
„Ihr seid diejenigen, die mit der 
 Revolution im Denken die Zukunft der 
Gesellschaft gestalten müssen“, griff 
auch ÖGB-Präsident Erich Foglar das 
Motto auf: Eine der größten Herausfor-
derungen werde es sein, den Anschluss 
an die Digitalisierung nicht zu verpas-
sen. „Wir können und wollen die Digi-
talisierung nicht aufhalten. Das würde 
einen Wohlstandsverlust gerade für eure 
Generation bedeuten“, sagte Foglar zu 
den etwa 250 Delegierten im Wiener 
Austria Center: „Die entscheidende 
Frage wird aber sein: Wer steckt die Di-
gitalisierungsdividende aus dem enor-
men Produktivitätsgewinn ein? Ich sage 
in Richtung Arbeitgeber: Sicher nicht 
ihr allein!“
Die JunggewerkschafterInnen for-
dern dementsprechend neben höheren 
Mindestlöhnen auch eine kollektiv-
vertragliche Mindestlehrlingsentschä-
digung in der Höhe von 700 Euro im 
ersten Lehrjahr. „Bei Anhebung der 
 kollektivvertraglichen Mindestlöhne 
müssen immer auch die Lehrlingsein-
kommen mit erhöht werden“, so Vorsit-
zender Ernszt. Mit der Erhöhung der 
Mindestlöhne/-gehälter auf 1.500 Euro 
und später auf 1.700 Euro steigt auch 
der Abstand zwischen dem Einkommen 
der Lehrlinge und jenem der Hilfsar-
beiterInnen stark an. „Durch den er-
höhten Lohnunterschied würde die 
Hilfsarbeit im Vergleich zur Lehre deut-
lich attraktiver werden. Das muss ver-
hindert werden.“
Mehr Geld ist aber nicht alles, auch 
inhaltlich muss die Lehre attraktiver 
werden. Im Leitantrag fordert die ÖGJ 
daher kostenfreie Kurse für die Lehrab-
schlussprüfung, die Ausweitung der Be-
rufsschulzeit und die Umstellung der 
Lehrstellenförderung in Richtung Qua-
litätsförderung. Und damit die Lehre 
keine Sackgasse ist, sollen alle Absolven-
tInnen, die das wollen, auch studieren 
dürfen – mit der Lehrabschlussprüfung 
als Eintrittskarte an FH und Unis im 
jeweiligen Berufsfeld.
Mehr unter: www.oegj.at
Aus AK und Gewerkschaften
        

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