46 Arbeit&Wirtschaft 3/2017
Agenda Austria: Die „Vereinigung für wissen-
schaftlichen Dialog und gesellschaftliche Erneu-
erung“ wurde 2013 gegründet. Mitglieder und 
Finanziers der wirtschaftsliberalen Denkfabrik 
sind durchwegs Wirtschaftsunternehmen und 
vermögende Privatpersonen; Geschäftsführer: 
Franz Schellhorn, ehemaliger Leiter der Wirt-
schaftsredaktion der Tageszeitung Die Presse. 
(Seite 20)
Allgemeines Bürgerliches Gesetzbuch (ABGB): 
Das ABGB wurde 1811 als kaiserliches Patent 
(Gesetz) kundgemacht und trat im Jänner 1812 
in den deutschen Erbländern der Österreichi- 
schen Monarchie in Kraft. Es ist nach wie vor die 
Grundlage des Zivilrechtssystems in Österreich 
und damit neben dem französischen Code civil 
die älteste noch gültige, von vernunftrechtlichen 
Gedanken geprägte Zivilrechtskodifikation. Große 
Teile des österreichischen Privatrechts (Eherecht, 
Mietrecht, Konsumentenschutzgesetz) sind mitt-
lerweile außerhalb des ABGB in eigenen Gesetzen 
geregelt. (Seite 23)
Armutsschwelle: Als Einkommensarmutsgrenze 
werden in Österreich, wie in jedem Land der EU, 
jeweils 60 Prozent des mittleren Pro-Kopf- 
Haushaltseinkommens definiert. Laut EU-SILC 
beträgt demnach die Armutsschwelle in Öster-
reich 1.163 Euro netto. 13,9 Prozent der öster-
reichischen Bevölkerung haben ein Einkommen, 
das darunter liegt. (Seite 12)
Benya, Anton: österreichischer Politiker und 
 Gewerkschafter (1912–2001); 1953 bis 1987 
ÖGB-Präsident. Seine vielen Präsidentschaften 
(u. a. Rapid Wien, ÖGB, Nationalrat) brachten 
ihm den Beinamen „der Präsident“ ein. Im Jahr 
2000  empfahl der Europäische Gewerkschafts-
bund (EGB) seinen Mitgliedern, sich bei Forderun-
gen in Lohnverhandlungen an der sogenannten 
Benya-Formel zu orientieren: (Prognostizierte) 
Inflationsrate plus Arbeitsproduktivität, also das 
mittelfristige Wachstum der gesamtwirtschaft-
lichen Produktion pro ArbeitnehmerIn. (Seite 4) 
Bundeseinigungsamt: beim Sozialministerium 
eingerichtete Behörde, die derzeit aus einer Vor-
sitzenden, einer Stellvertreterin sowie aus der 
erforderlichen Anzahl von Mitgliedern, die von 
den gesetzlichen Interessenvertretungen der 
 Arbeitgeber und ArbeitnehmerInnen für fünf 
Jahre bestellt werden. Zu den Aufgaben des 
 Bundeseinigungsamtes zählen die Festsetzung 
von Mindestlohntarifen, Heimarbeitstarifen und 
Lehrlingsentschädigungen sowie die Erklärung 
von Kollektivverträgen zur Satzung. (Seite 22)
Deflationsspirale: Bezeichnung für einen sich 
selbst verstärkenden Abwärtstrend der Konjunk-
tur, die – vereinfacht ausgedrückt – mit sinkenden 
Preisen beginnt. Schrumpft eine Volkswirtschaft, 
so herrscht Konsumzurückhaltung. Dieses nach-
lassende Kaufinteresse führt dazu, dass Preise 
für Waren und Dienstleistungen deutlich nach 
unten korrigiert werden. Auch Unternehmen in-
vestieren weniger und es werden Arbeitsplätze 
abgebaut. Damit sinkt die Kaufkraft, was die 
Deflation immer weiter anheizt – ein Kreislauf, 
der als Deflationsspirale bezeichnet wird. 
(Seite 35)
Gini-Koeffizient: auch Gini-Index: statistisches 
Maß, das vom italienischen Statistiker Corrado 
Gini entwickelt wurde, um Ungleichverteilung 
punkto Vermögen und Einkommen darzustellen. 
Je höher der Gini-Index (zwischen 0 und 1), desto 
größer ist die Ungleichheit. (Seite 19)
Gretchenfrage: Diese Bezeichnung für eine direk-
te, an den Kern eines Problems gehende Frage 
hat ihren Ursprung in Goethes Drama Faust I. 
Darin stellt das Mädchen Margarete (Gretchen) 
der Hauptfigur, dem älteren Wissenschafter 
 Heinrich Faust, die Frage: „Nun sag’, wie hast 
du’s mit der Religion?“ (Seite 36)
Hamon, Benoît: französischer Politiker und Präsi-
dentschaftskandidat der Parti Socialiste (PS), 
geb. 1967; 2004–2009 EU-Parlamentarier. Im 
Zuge seiner Präsidentschaftskandidatur hatte 
er Jean-Luc Mélenchon, dem Kandidaten der ex-
trem linken Bewegung „La France insoumise“ 
(„das Frankreich der Aufsässigen“), eine ge-
meinsame Kandidatur mit ihm als Spitzen kan-
didaten angeboten – was Mélenchon ablehnte. 
Aktuellen Umfragen zufolge liegt Mélenchon 
 hinter Marine Le Pen und Macron an dritter 
Stelle. (Seite 35)
KMU Forschung Austria: Das 1954 in Wien ge-
gründete Marktforschungsinstitut ist die größte 
österreichische Forschungseinrichtung im Be-
reich der angewandten, an Klein- und Mittelun-
ternehmen (KMU) orientierten Sozial- und Wirt-
schaftsforschung. (Seite 39)
Milanovi, Branco: US-Ökonom mit serbischen 
Wurzeln, geb. 1953; 1987 mit einer Dissertation 
über die soziale Ungleichheit im kommunistischen 
Jugoslawien promoviert. Nach langjähriger Tätig-
keit als (Chef-)Ökonom in der Forschungsabtei-
lung der Weltbank arbeitet er seit 2014 als Dozent 
an der City University of New York (CUNY), dem 
Hochschulverbund der staatlichen Universitäten 
in New York. Aktuelle Publikation: Die ungleiche 
Welt. Migration, das eine Prozent und die Zukunft 
der Mittelschicht. (Seite 44)
Niedriglohn: Um Niedriglohn über verschiedene 
Länder hinweg vergleichbar zu machen, wurde ein 
eigener Indikator geschaffen. Niedriglohn ist hier 
definiert als weniger als zwei Drittel des durch-
schnittlichen Einkommens. Laut Berechnung des 
WIFO liegt dieser Wert für Österreich bei 1.460 
Euro und damit knapp unter der im ersten Schritt 
angepeilten Mindestlohngrenze. (Seiten 21/43)
Obamacare: eigentl.: Patient Protection and 
 Affordable Care Act (PPACA); 2010 unter der 
 Regierung von Barack Obama – gegen den erbit-
terten Widerstand der Konservativen – verab-
schiedetes Bundesgesetz, das den Zugang zur 
Krankenversicherung regelte. Kern des Gesetzes 
ist das sogenannte „individual mandate“, nach 
dem jeder Amerikaner verpflichtet ist, eine Kran-
kenversicherung abzuschließen, wenn er nicht 
anderweitig, insbesondere durch seinen Arbeit-
geber, abgesichert ist. Teile der Republikanischen 
Partei und einige Bundesstaaten hatten gegen die 
 Gesundheitsreform geklagt. 2012 bestätigte der 
Oberste Gerichtshof (Supreme Court) die Verfas-
sungsmäßigkeit der meisten Teile von Obama-
care. Schon kurz nach dem Amtsantritt von 
 Präsident Trump versuchten die Republikaner im 
US-Congress, Obamacare durch ein neues System 
zu ersetzen – (bisher) vergeblich. (Seite 44)
Prozentpunkt: Bezeichnung für den absoluten 
Unterschied zwischen zwei Prozentzahlen. Steigt 
etwa ein Prozentsatz von vier auf fünf Prozent, 
so beträgt die Steigerung tatsächlich 25 Pro- 
zent oder – einfacher ausgedrückt – einen Pro-
zentpunkt. (Seite 38)
Sattlerei: SattlerInnen stellen Gegenstände aus 
Leder oder Stoff zur Verwendung im Umgang mit 
Tieren her, wie Sättel, Zaumzeug oder Fahrgeschirr 
sowie Ausstattungen für Autos und Boote. Sattler 
stellen auch Taschen (z. B. Brieftaschen oder 
Schultornister) her. Sattler-Lehrlinge entscheiden 
sich gleich zu Beginn der Ausbildung für eine 
der drei Spezialisierungen: Taschner, Sportsattler 
oder Fahrzeugsattler. (Seite 30)
Schussfaden: auch Schuss, Eintrag oder Ein-
schlag; Schussfäden sind bei der Herstellung 
 eines Gewebes jene parallelen Fäden, die zu 
den im Webstuhl aufgespannten Kettfäden quer 
liegen. Durch die Verwendung gefärbter Kett- und/
oder Schussfäden sind farbige Muster möglich. 
(Seite 30)
WSI (Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches 
Institut): Das Institut der Hans-Böckler-Stiftung 
forscht und berät seit seiner Gründung 1946 für 
eine faire und menschliche Arbeits- und Lebens-
welt. WissenschafterInnen aus den Bereichen 
Ökonomie, Politik- und Sozialwissenschaften und 
Recht arbeiten gemeinsam an wirtschafts- und 
sozialpolitischen Fragestellungen, die für Arbeit-
nehmerInnen und Gewerkschaften relevant sind. 
Die WSI-Datenbanken zu den Themen Gender, 
Mindestlohn, Atypische Beschäftigung etc. bieten 
Daten, Grafiken und Analysen gratis zum Down-
load. (Seite 35)
Man kann nicht alles wissen ...
        

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