Full text: Stadt, Land, Flucht (4)

45Arbeit&Wirtschaft 4/2017
AK:
Fehlgeleitete E-Control
Kritik an Positionspapier der Regulierungsbehörde: Den Haushalten drohen höhere Stromrechnungen. 
AK:
Zu wenig zum Leben
Arbeitsklima Index: Zwischen 13 und 15 Prozent der Vollzeitbeschäftigten 
verdienen weniger als 1.300 Euro netto pro Monat.
Als „fehlgeleitet“ bezeichnet AK-Energie-
experte Josef Thoman das Positionspapier 
der Regulierungsbehörde E-Control zur 
Neuregelung der Netzfinanzierung. „Die 
privaten Haushalte tragen bereits jetzt 
fast die Hälfte der Netzkosten, obwohl 
sie nur ein Viertel des Stroms verbrau-
chen“, kritisiert Thoman. „Werden die 
Vorschläge der E-Control umgesetzt, so 
könnte sich diese Schieflage weiter ver-
stärken. Den Haushalten drohen dann 
höhere Stromrechnungen.“ 
 Eine Anpassung der Struktur der 
Netzentgeltkomponenten im Strombe-
reich ist notwendig, weil Strom durch 
Sonnen- und Windkraft dezentraler und 
schwankender erzeugt wird. Die E-Con-
trol hat vor rund einem Jahr eine Kon-
sultation der Netztarife 2.0 durchgeführt. 
Das nun vorgelegte Positionspapier soll 
als Richtschnur für die zukünftige Ge-
staltung der Netztarife dienen und zeigt, 
wie die Kosten zwischen den Stromnetz-
Nutzergruppen aufgeteilt werden. Die 
AK ist über die darin vorgebrachten Vor-
schläge wenig erfreut. „Sie könnten zu 
einer deutlichen Mehrbelastung privater 
Haushalte und kleiner Gewerbebetriebe 
führen“, mahnt der Energieexperte. So 
sollen sogenannte Systemdienstleistun-
gen, die bisher zu knapp vier Fünfteln 
von den Stromerzeugern getragen wur-
den, nun zur Gänze von den Verbrauche-
rInnen übernommen werden. 
 Die Leistung soll künftig bei der Tari-
fierung eine stärkere Rolle spielen. Derzeit 
zahlen die privaten Haushalte für ein 
Stromleistungspaket (4 kW) eine jährliche 
Pauschale. Zukünftig – mit der Einfüh-
rung der intelligenten Stromzähler (Smart 
Meter) – soll für einzelne Leistungsspitzen 
bezahlt werden. Das führt zu Intranspa-
renz und schlechterer Vorhersehbarkeit 
der Stromkosten für die Haushalte. Au-
ßerdem sind Haushalte mit geringen Ein-
kommen und alten Geräten tendenziell 
von höheren Kosten bedroht. Gleichzeitig 
lehnt die E-Control die Berücksichtigung 
„sozialer Aspekte“ ab – mit dem Hinweis, 
diese seien über sozialpolitische Instru-
mente zu lösen. „Das ist absurd, die regu-
latorische Ausgestaltung im Energiebe-
reich kann auch zu Härtefällen führen. 
Diese sind daher auch innerhalb dieses 
Systems zu lösen“, ärgert sich Thoman.
Eine Entlastung der Erzeuger auf 
Kosten der VerbraucherInnen– wie im 
Papier vorgesehen – kommt für die AK 
nicht infrage. 
Mehr: tinyurl.com/l2k6c2w 
Rund 422.000 Beschäftigte in Österreich ver-
dienen weniger als 1.700 Euro brutto im 
Monat. Drei Viertel der BezieherInnen 
von Niedrigeinkommen sagen, dass sie 
nur knapp oder gar nicht mit dem Geld 
auskommen. 8 von 10 nehmen an, dass 
ihre spätere Pension knapp oder gar nicht 
ausreichen wird. Das zeigt eine aktuelle 
Auswertung des Österreichischen Ar-
beitsklima Index der AK Oberösterreich. 
Diese beschäftigt sich auch mit der Situ-
ation von KraftfahrerInnen und liefert 
eine Analyse der Arbeitszufriedenheit im 
Bundesländervergleich.
 In den vergangenen drei Jahren ver-
dienten konstant zwischen 13 und 15 Pro-
zent der Vollzeitbeschäftigten weniger als 
1.300 Euro netto pro Monat. Das betrifft 
vor allem Frauen, Junge und Personen mit 
maximal Pflichtschulabschluss, insbeson-
dere in der Textilbranche und im Einzel-
handel. Zwei Drittel der Beschäftigten, die 
weniger als 1.300 Euro netto pro Monat 
verdienen, kommen nur knapp mit dem 
Einkommen aus, für elf Prozent reicht es 
gar nicht aus. Dementsprechend liegt die 
Arbeitszufriedenheit von Niedriglohn-
empfängerInnen nur bei 101 Punkten – 
um 6 Punkte unter dem Durchschnitt.
 Ein Blick auf die Arbeitszufriedenheit 
in den einzelnen Bundesländern zeigt, 
dass die Beschäftigten in den südlichen 
Bundesländern Kärnten (113 Indexpunk-
te) und Steiermark (111) am zufriedens-
ten und jene in Salzburg (101) und Wien 
(102) am unzufriedensten sind. Die Stei-
rerInnen schätzen ihre eigene gesellschaft-
liche Position und die wirtschaftliche Zu-
kunft optimistisch ein, die KärntnerInnen 
sehen die Arbeitsbedingungen und die 
persönliche Zukunft positiv.
 Während die Beschäftigten in der Stei-
ermark und in Kärnten mit der Arbeits-
zeit, dem Einkommen und der konkreten 
Art und dem Inhalt ihrer Tätigkeit am 
zufriedensten sind, fällt hier Salzburg ge-
genüber allen anderen Bundesländern ab. 
Auffällig sind auch die Unterschiede im 
Stressempfinden: Während in Kärnten 
und der Steiermark nur 17 beziehungs-
weise 21 Prozent der Beschäftigten unter 
psychischem Stress leiden, sind es in Wien 
36 Prozent. In der Bundeshauptstadt ist 
auch der Anteil jener Personen am höchs-
ten, die unter physischem Stress leiden.
Mehr unter: 
ooe.arbeiterkammer.at/arbeitsklima 
Aus AK und Gewerkschaften
        

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