Full text: Was der alles kann! (6)

32 Arbeit&Wirtschaft 6/2017
nagement und zu vielen VerkäuferInnen 
für jeden Laden. Dennoch erhielt der 
„Supermarkt Larisa“ im vergangenen 
Jahr die stattliche Summe von 10,5 Mil­
lionen Euro zugesprochen – aus dem 
„Europäischen Fonds für die Anpassung an 
die Globalisierung“ (EGF).
Ein Jahr später ist das Geld aller­
dings noch immer nicht ausbezahlt. 
Noch diesen Sommer soll es kommen, 
so heißt es. Immerhin 120 der ehemali­
gen Supermarkt­Angestellten fanden 
mittlerweile neue Jobs, für den großen 
übrigen Teil der MitarbeiterInnen soll es 
Maßnahmen zur Weiterqualifizierung 
geben, in manchen Fällen auch eine 
Starthilfe von 10.000 Euro für ein eige­
nes Unternehmen.
Aus dem Geist der Kooperative ist in 
Larisa inmitten der Krisenjahre schließ­
lich auch ein erfolgreiches neues Unter­
nehmen entstanden. thESGala verkauft 
frische Milch am Automaten, am Vortag 
eingesammelt von den Bauernhöfen in 
Thessalien und Makedonien, pasteuri­
siert und in der Nacht verteilt über die 
Verkaufsstationen. 64 gibt es davon 
mittlerweile in Larisa, Thessaloniki 
und Athen. Der Clou an der Sache: 
thESGala kommt ohne Zwischenhänd­
ler und besondere Verpackung aus. Die 
Milch füllt man am Automaten in Glas­ 
oder Plastikflaschen ab. 90 Cent kostet 
der Liter in Larisa, einen Euro in Athen. 
Es ist ein Drittel weniger als in den 
 griechischen Supermarktketten. Dort 
liest man im Kleingedruckten auf man­
chen Milchpackungen Lieferadressen 
von Agrarindustriebetrieben im deut­
schen Niedersachsen oder in Holland.
Erfolgreiche Kooperative
thESGala – es heißt übersetzt „Willst du 
Milch?“ oder kann auch als Abkürzung 
von „Thessalien“ und dem griechischen 
Wort für „Milch“ verstanden werden – 
begann 2013 mit den Verkaufsautoma­
ten. Heute arbeiten 165 Menschen in 
dem Unternehmen, rund 50 Milchbe­
triebe gehören der Kooperative an. Tha­
nasis Vakalis, dem jungen Unterneh­
mensgründer, kam die Idee, als er Milch­
automaten für DorfbewohnerInnen in 
Norditalien sah. 25 Millionen Euro Um­
satz machte das Unternehmen im vergan­
genen Jahr, zehn Prozent sollen es dieses 
Jahr werden.
Einen normalen Job zu finden ist 
gleichwohl schwer in Larisa. thESgala ist 
sicherlich eine Ausnahme, ebenso wie 
die Karatzis­Gruppe, die in Larisa einen 
Teil ihrer Plastikfolien herstellt und 
Netze für Obst und Gemüse – sie soll 
sogar weltführend mit diesem Produkt 
sein. Die Normalität, so sagt Giorgos 
Katsiantonis, ein anderer Parlamentarier 
aus der Region Larisa, sind zwei, drei 
kleine Jobs parallel: Man kellnert in ei­
ner Bar, parkt Autos, verteilt Werbung 
und macht damit vielleicht 500 oder 
600 Euro im Monat. „Die Armut gibt es 
hier, aber sie ist nicht so leicht zu se­
hen“, sagt Katsiantonis. Er setzt die tat­
sächliche Arbeitslosigkeit bei 30 Prozent 
an. Bei dieser Zahl sind diejenigen da­
bei, die sich schon nicht mehr arbeitslos 
melden, sondern zu Hause verkriechen. 
Und jene, die einen so geringen Ver­
dienst haben, dass sie davon unmöglich 
allein leben können, aber gleichzeitig 
doch nicht mehr in den Arbeitslosensta­
tistiken aufscheinen.
Giorgos Katsiantonis selbst ist eine 
Ausnahmefigur. Acht Jahre, von 2006 
bis 2014, saß der US­Grieche für die 
Demokraten im Repräsentantenhaus im 
Nikos Papadopoulos 
ist Abgeordneter  
der linksgerichteten 
Regierungspartei 
Syriza für den Wahl-
kreis Larisa. Er ist 
der einzige Bauer im 
Parlament in Athen, 
wie er gern betont. 
Den Protest der 
Landwirte gegen  
die Anhebung der 
Sozialbeiträge ver-
steht er wohl. Ohne 
Proteste keine 
 Änderungen, sagt er.
        

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