der Kommunistischen Partei zog die Regie-
rung den Entwurf vorerst zurück.
Die Weltwirtschaftskrise lieferte ab 1929 aber 
eine Begründung, um den Selbstverwaltun-
gen die demokratische Grundlage zu entzie-
hen: Die Zahl der AK-Zugehörigen und damit 
die Gesamteinnahmen aus den Beiträgen 
seien wegen der großen Arbeitslosigkeit so 
stark zurückgegangen, dass AK-Wahlen nicht 
mehr finanziert werden könnten. Deshalb wur-
den die für 1931 vorgesehenen AK-Wahlen 
mehrmals verschoben.
Als die Regierung Dollfuß nach der Ausschal-
tung des Parlaments im März 1933 „autori-
tär“ zu regieren begann, ging es Schlag auf 
Schlag. Am 19. September erklärte Sozialmi-
nister Richard Schmitz, dass ein Fortbe-
stand die bisherigen Arbeiterkammern 
„im Hinblick auf das bereits einsetzen-
de große Werk der Neuordnung unserer 
Gesellschaft nicht in Frage“ komme. Die 
am 31. Dezember 1931 auslaufenden Man-
date der Vollversammlungen wurden nicht 
mehr verlängert. Die Regierungsverordnung 
vom 21. Dezember ersetzte die demokratisch 
gewählten ArbeitnehmerInnenparlamente 
durch vom Sozialminister zu bestellende „Ver-
waltungskommissionen“. Nachdem die ge-
wählten Präsidenten abgesetzt waren, wurden 
am 2. Jänner 1934 die Vorsitzenden der Ver-
Die konstituierende Nationalversammlung 
beschloss 1920 die Errichtung von Arbeiter-
kammern einstimmig, aber die rechtslibera-
len und rechten Regierungskoalitionen stan-
den ihnen zunehmend ablehnend gegenüber. 
Die Wahlsiege der oppositionellen Freien Ge-
werkschaften bei den AK-Wahlen trugen eben-
so dazu bei wie die klare Positionierung gegen 
die Sozialabbau-Politik.
Schon bald forderten christliche und deutsch-
nationale Gewerkschaften die Umgestaltung 
der AK-Organe. Später ging es darum, den 
Wirkungs- und Aufgabenbereich einzuschrän-
ken. Etwa Mitte der 1920er-Jahre begann ei-
ne gezielte Kampagne gegen die freigewerk-
schaftlichen „Kammermitglieder“ in den Voll-
versammlungen, wie die Kammerräte damals 
hießen. Sie wurden als „Arbeiterverräter“ und 
„Bonzen“ verunglimpft. Die Kampagne blieb 
allerdings erfolglos.
Gegen Ende der 1920er-Jahre, als die Regie-
rungen immer mehr nach rechts rückten und 
sich zunehmend an Italiens Faschistenfüh-
rer Benito Mussolini anlehnten, wurden die 
Angriffe noch massiver. Am 12. Februar 1931 
beschloss der Ministerrat den Entwurf eines 
neuen AK-Gesetzes. Nach diesem Entwurf 
sollte den Bediensteten der Infrastruktur-
unternehmen, den EisenbahnerInnen und 
PostlerInnen, die AK-Zugehörigkeit aber-
kannt werden und die Arbeiterkammern soll-
ten das Begutachtungsrecht für Landesge-
setze fast vollständig verlieren. Nach hefti-
gen Protesten der Freien Gewerkschaften, 
der sozialdemokratischen Abgeordneten und 
Die Knebelungsstrategie
Ab 1929 gingen rechte Koalitionsregierungen gezielt gegen die autonome  
Selbstverwaltung der Arbeiterkammern vor, 1933 wurde sie beseitigt.
waltungskommissionen bekanntgegeben. Es 
handelte sich ausschließlich um regierungs-
nahe Funktionäre. Proteste fanden kein Gehör. 
Ausgewählt und kommentiert von 
Brigitte Pellar
brigitte.pellar@aon.at
4 Arbeit&Wirtschaft 10/2018
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Das „Antiterrorgesetz“ sollte die Position 
der sozialdemokratischen Freien Gewerk-
schaften in den Betrieben schwächen. Das 
lag im Interesse der christlichen Gewerk-
schaften, aber das geplante Streikverbot 
lehnten auch sie ab. Eine gemeinsame Stel-
lungnahme in der AK-Vollversammlung ver-
hinderte es – ein Grund mehr, gegen die 
 autonome Selbstverwaltung vorzugehen.
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Nachtrag zum Gedenkjahr 2018: Die sehenswerte Ausstellung „1848 – Die vergessene Revo-
lution“ ist noch bis 31. Jänner 2019 in der „Alten Schieberkammer“, Meiselstraße 20, 1150 
Wien zu sehen. Näheres unter www.vga.at/media/aktuell/1848_VGA_schieberk_folder.pdf
        

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