12 Arbeit&Wirtschaft 4/2018
D
ie Regierung schreibt: „Wir wol-
len eine Politik … machen, die 
neue Schulden so weit wie mög-
lich einschränkt, sich nicht auf 
dem Rücken der nachfolgenden Gene-
ration finanziert.“ So richtig das Ziel 
ist, sich um das Wohl der nächsten Ge-
neration zu kümmern, so falsch ist es, 
dass dies etwas mit den Staatsschulden 
zu tun hätte. Wenn der Staat Schulden 
macht, dann macht er diese bei den jetzt 
lebenden SparerInnen. In Zukunft be-
kommen diese bzw. deren ErbInnen 
Zinsen und Tilgung. 
Kapital der nächsten Generation
Für die nächste Generation stellt sich 
nur die Frage, ob sie in Zukunft ein 
höheres Real- und Humankapital in 
Form von Infrastruktur und Bildung 
bekommt – oder eben weniger Staats-
schulden, weil zu wenig investiert 
 wurde.
Genauer betrachtet 
Die Idee, dass alle Generationen ein 
Recht auf gleiche Ausgangschancen ha-
ben, klingt naheliegend, ist es aber bei 
genauerer Betrachtung nicht. Ziel muss 
vielmehr sein, dass es den Kindern ein-
mal besser geht und nicht gerade ein-
mal gleich gut. Die Säuglingssterblich-
keit etwa betrug noch 1988 (also vor 
30 Jahren) 8,1 Gestorbene auf 1.000 
Lebendgeburten, inzwischen sind wir 
bei 3,1 angelangt. Auch die Bildungs-
chancen haben sich seit damals massiv 
verbessert. Der heutigen Generation 
nur die gleichen Chancen wie deren 
Eltern zuzugestehen, wäre eine massive 
Verschlechterung für die meisten Kin-
der und jungen Menschen. 
Für die Gerechtigkeit ist relevant, 
was mit dem geborgten Geld gemacht 
wird: Wird durch die Senkung von Ge-
winnsteuern die Spaltung der Gesell-
schaft für die nächste Generation ver-
schärft oder werden Ausgaben finan-
ziert, welche die Chancen der nächsten 
Generation auf Bildung,  Gesundheit 
oder auch Integration  erhöhen?
Gespaltene Gesellschaft 
Werden nur niedrige Profitsteuern, ka-
puttgesparte Schulen und eine in Arm 
und Reich gespaltene Gesellschaft hin-
terlassen, so ist das ungerecht gegenüber 
den nächsten Generationen. Generati-
onengerechtigkeit heißt, der nächsten 
Generation eine funktionierende Infra-
struktur, eine intakte Natur und eine 
geeinte Gesellschaft zu hinterlassen.
Sepp Zuckerstätter
Abteilung für Wirtschaftswissenschaft  
der AK Wien
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Keine Gerechtigkeit zu finden 
Gerechtigkeit war im Wahlkampf ein heiß umkämpftes Thema. Doch ist sie auch im 
Regierungsprogramm angekommen?
Änderungen Mietrecht
12-Stunden-Arbeitstag
Anpassung Familienbeihilfe
Zerschlagung AUVA
Senkung KÖSt
Abschaffung Notstandshilfe
        

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