27Arbeit&Wirtschaft 4/2018
darüber hinausgehende Ausbildung. 
Das hat sich radikal geändert: Bis 2015 
ist dieser Anteil auf ein Fünftel zusam-
mengeschrumpft.
Am anderen Ende der Ausbil-
dungsskala geht die Dynamik in die 
gegenteilige Richtung: Vor 35 Jahren 
waren Frauen mit einem höheren Ab-
schluss eine kleine Minderheit: nur 6 
Prozent hatten Matura und nur 3 Pro-
zent eine Akademie oder Universität 
absolviert. Kaum wiederzuerkennen 
ist das Bild 2015: 15 Prozent der Frau-
en haben Matura, 18 Prozent einen 
darüber hinausgehenden Abschluss. 
Kurz gesagt: Während es zunehmend 
kaum noch Frauen im Erwerbsalter 
ohne Ausbildung gibt, „explodiert“ die 
Zahl jener, die sehr gut (aus)gebildet 
sind. Natürlich ist in dieser generellen 
Entwicklung auch die Zahl der Män-
ner mit höheren Bildungsabschlüssen 
stark gewachsen, aber Frauen haben sie 
überholt. So hat fast die Hälfte (47 
Prozent) der Frauen zwischen 25 und 
34 Jahren Matura oder einen höheren 
Abschluss. Bei den Männern sind es 
mit 37 Prozent zwar immer noch viele, 
aber doch deutlich weniger.
Brachliegende Kompetenzen
Aus Sicht der Wirtschaft sind Ausbil-
dungen natürlich vor allem dann rele-
vant, wenn sie auch am Arbeitsmarkt 
zur Anwendung kommen. Das ist defi-
nitiv der Fall, immer mehr Frauen sind 
am Arbeitsmarkt aktiv. Während die 
Erwerbstätigenquote der Männer in 
den letzten 20 Jahren von 77 Prozent 
auf 76 Prozent leicht gesunken ist, ist 
die der Frauen spürbar angestiegen. Lag 
sie 1997 noch bei 58 Prozent, hat sie 
mittlerweile auf 68 Prozent angezogen 
und rückt damit immer weiter zuneh-
mend an jene der Männer heran.
Das Wissen und die Fertigkeiten, 
die Frauen erwerben, finden also di-
rekte Anwendung in der Wirtschaft 
und sind somit ein wichtiger Beitrag 
zur Produktivität und damit dem 
Standort Österreich. Wie wichtig es 
ist, die Kompetenzen der Frauen zu 
nutzen, wird auch daraus ersichtlich, 
dass die Wirtschaftskammer in einer 
Metaanalyse von 180 Standort-Ran-
kings den Fachkräftemangel als das 
größte Problem für die Standortquali-
tät einstuft. Es wäre also nicht gerade 
smart, Frauen vom Arbeitsmarkt fern-
zuhalten.
Was macht die Regierung?
Es wäre unfair zu sagen, die Regierung 
verfolge im Bereich Frauen eine reine 
Retro-Politik. Sie spricht sich sehr wohl 
für gleichen Lohn für gleichwertige Ar-
beit, Gleichstellung am Arbeitsmarkt 
und soziale Sicherheit für Frauen aus. 
Allerdings gibt es im Frauenkapitel des 
Regierungsprogramms keine konkreten 
Maßnahmen zur Förderung von Frauen 
im Berufsleben und nur wenige Vor-
schläge zur Verringerung der Einkom-
mensschere, die noch dazu sehr allge-
mein gehalten sind. Die geringe Ambi-
tion zeigt sich auch beim Frauenbudget, 
das mit 10,2 Millionen Euro – das sind 
etwas über zwei Euro pro Frau in Ös-
terreich – sogar hinter die Ausgaben von 
2017 zurückfällt.
Auch in die Qualifikation von ar-
beitsuchenden Frauen soll offenbar 
weniger investiert werden als bisher. 
Die langjährige Vorgabe, dass 50 Pro-
zent der Mittel aus der aktiven Arbeits-
marktpolitik beim Arbeitsmarktservice 
(AMS) für Frauen zu verwenden sind, 
ist im Regierungsprogramm nicht 
mehr enthalten. Sie wurde zwar vor-
läufig durch die Sozialpartner ins aktu-
elle AMS-Budget wieder hineinver-
handelt, allerdings vor dem Hinter-
grund einer massiven Kürzung der 
Mittel.
Auch wenn Frauen- und Familien-
politik getrennte Felder sind, so hat 
Letztere doch massiven Einfluss auf die 
Erwerbs- und Einkommenschancen 
von Frauen. Ein Schlüsselfaktor dabei 
ist die Vereinbarkeit von Familie und 
Beruf, und die hängt wiederum stark 
vom Angebot ganztägiger Betreuung 
in der Elementarbildung und Schule 
ab. Obwohl das Regierungsprogramm 
in diesen Bereichen sehr viele positive 
Absichtserklärungen enthält, spricht 
das türkis-blaue Budget eine deutlich 
andere Sprache. So fehlen ab 2019 die 
Mittel für einen weiteren Ausbau der 
Kinderbetreuung, enthalten ist ledig-
lich eine Absichtserklärung, diese bis 
August des heurigen Jahres zu verhan-
deln. Bei der Ganztagsschule wurden 
jene Mittel, die bis 2025 zur Verfü-
gung gestellt werden sollten, bis 2032 
gestreckt. Das ist nichts anderes als de 
facto eine Halbierung. Viele Eltern 
werden nichts mehr davon haben, dass 
ein ganztägiger Platz in der Schule für 
ihr Kind zur Verfügung steht, weil das 
Kind in der Zwischenzeit dem schon 
entwachsen ist.
Vom Arbeitsmarkt gedrängt
Auf der arbeitsrechtlichen Seite schafft 
die geplante Verlängerung des arbeits-
rechtlichen Kündigungsschutzes An-
reize zu langen Berufsunterbrechun-
gen, statt einen frühen Wiedereinstieg 
zu unterstützen. Statt partnerschaftli-
che Teilung und eine Annäherung der 
Arbeitszeiten zwischen Paaren zu un-
terstützen, wird mit dem 12-Stunden-
Tag die gegenteilige Entwicklung for-
ciert. So werden Frauen vom Arbeits-
markt gedrängt. 
Wenig hilfreich ist auch der Famili-
enbonus, der mehr als 1,5 Milliarden 
Euro jährlich kosten wird. Dabei ge-
hen allerdings Familien mit geringen 
Einkommen oder in prekären Lebens-
umständen wie Arbeitslosigkeit leer 
aus. Schon das ist wirtschaftspolitisch 
wenig sinnvoll, weil Menschen mit ge-
ringen Einkommen eine hohe „Kon-
sumneigung“ haben, sprich: ihr Geld 
zur Gänze ausgeben (müssen) und so 
wiederum die Wirtschaft ankurbeln.
Man hätte aber mit dem Geld für 
den Familienbonus wirtschaftlich 
noch viel mehr bewegen können, 
wenn man die Mittel in die Kinderbe-
treuung und Elementarbildung inves-
tiert hätte. Damit hätte man öster-
reichweit flächendeckende Plätze und 
Vollzeit-Öffnungszeiten finanzieren, 
eine der größten Hürden für die Frau-
enerwerbstätigkeit beseitigen und die 
Basis für erfolgreiche Bildungskarrie-
ren durch gute Frühförderung schaffen 
können. 
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sybille.pirklbauer@akwien.at
oder die Redaktion
aw@oegb.at
        

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