Arbeit&Wirtschaft 4/2018 5
Vermögen lohnt sich, 
nicht Leistung
A
lles halb so wild: Nach diesem 
Motto veröffentlichte kürzlich 
das unternehmensnahe Institut 
EcoAustria eine Studie zur Ver-
teilung. Nicht die Ungleichheit habe 
sich verstärkt, sondern ihr würde nur 
mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Die 
gestiegene mediale Berichterstattung sei 
der Grund dafür, dass die Menschen die 
Gesellschaft als ungleicher wahrneh-
men, als sie tatsächlich sei. Alles also nur 
ein Medienhype? Nein, meint dazu der 
Makroökonom Wilfried Altzinger und 
hält wichtige Fakten entgegen. Zum ei-
nen fokussiere EcoAustria ausschließlich 
auf die Periode zwischen 2007 und 
2014. In dieser Zeit sei die Einkom-
mensverteilung tatsächlich relativ stabil 
gewesen – mit einem wichtigen Aber: 
„Auf einem langfristigen Ungleichheits-
höchststand.“ Zwischen Mitte der 
1980er-Jahre und heute hat sich die Un-
gleichheit um ein ganzes Viertel erhöht. 
Was EcoAustria zudem geflissent-
lich unter den Tisch fallen lässt: die 
Verteilung der Vermögen. Dies aber ist 
der gar nicht so kleine, sondern viel-
mehr relevante Unterschied. Betrachtet 
man die Verteilung der Vermögen in 
Österreich, so zeigt sich eine große 
Kluft:  Laut OeNB besitzen zehn Pro-
zent der Haushalte 60 Prozent des Ge-
samtvermögens. 
Dies macht die Frage nach der ge-
rechten Verteilung des Wohlstandes 
umso virulenter. Nicht so aber für die 
neue Regierung, denn beide Parteien 
haben sich schon bisher vehement ge-
gen Vermögenssteuern gewehrt. Das 
Motto: Leistung muss sich lohnen. Da-
bei arbeiten sie genau mit ihrer Weige-
rung, auch Vermögen in die Finanzie-
rung des Gemeinwesens miteinzube-
ziehen, in eine gegenteilige Richtung. 
Erschwerend kommt hinzu, dass in 
Österreich Aufstiegschancen insbeson-
dere im Bildungssystem mit dem mo-
netären Hintergrund der Eltern zu-
sammenhängen. Doch statt dem ent-
gegenzuwirken, setzt die neue Regie-
rung Maßnahmen, mit denen dies 
weiter verschärft wird. 
Stigmatisierung statt Lösungen
Alles halb so wild: Dies trifft jedenfalls 
zu, was den Wirtschaftsstandort Öster-
reich betrifft, der von Vertretern der 
Wirtschaft regelmäßig krankgejam-
mert wird. Dabei gibt es dafür absolut 
keinen Grund: Die Unternehmen ste-
hen gut da, die Wirtschaft wächst, die 
Prognosen sind gut. Gute Vorausset-
zungen also auch für das Budget. Doch 
statt die gute Situation zu nutzen, um 
energisch die Arbeitslosigkeit zu be-
kämpfen, schiebt die Regierung ihre 
Verantwortung an die Betroffenen ab: 
Sie sollen sich nur mehr bemühen, 
dann würde auch die Arbeitslosigkeit 
sinken. Schlimmer noch: Sie werden 
als Durchschummler abgestempelt 
und damit weiter stigmatisiert, als sie 
als Arbeitslose ohnehin schon sind. 
Dem werden selbst so sinnvolle Projek-
te wie die Aktion 20.000 geopfert, die 
vielen Menschen eine Beschäftigung 
geboten hätte. 
Völlig verantwortungslos
Gar nicht halb so wild ist die Situation 
in der Kinderbetreuung und der Pflege. 
Weitere Investitionen in diesem Be-
reich wären dringend nötig, damit 
Frauen so am Arbeitsmarkt partizipie-
ren können, wie sie dies wollen – kurz-
um, um Wahlfreiheit zu gewährleisten. 
Investitionen in die Bildung, angefan-
gen mit dem Kindergarten, sind zudem 
ein wichtiges Instrument, damit auch 
jene Kinder sich entfalten können, de-
ren Eltern keine Zeit oder nicht die 
Möglichkeit haben, ihnen beim Lernen 
zu helfen. Die Regierung aber nimmt 
in Kauf, dass viele junge Menschen 
weiterhin ein hohes Risiko haben, spä-
ter in der Arbeitslosigkeit festzuhängen. 
Das ist völlig verantwortungslos. 
Eine gerechte Verteilung des Wohl-
stands sowie bessere Chancen für die 
Menschen: Dies sind keine Anliegen der 
neuen Regierung. Vielmehr setzt sie auf 
Spaltung – und das ist letztlich auch für 
den Wirtschaftsstandort ein Problem. 
Standpunkt
Sonja Fercher
Chefin vom Dienst
Arbeit&Wirtschaft
        

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