42 Arbeit&Wirtschaft 7/2018 B essere Regelungen für Arbeitneh- merInnen ermöglichen und si- chern: Das gilt besonders für Lehr- linge und Frauen am Arbeitsplatz, aber auch für KonsumentInnen. Seit ihrer Gründung am 6. Oktober 1948 kümmert sich die AK Niederösterreich um die An- liegen der Menschen. Bei ihrer Konstitu- ierung wurde der Metallgewerkschafter Josef Fuchs zum ersten Präsidenten ge- wählt. Zu dieser Zeit prägten Hunger, Inflation und Schwarzhandel Niederös- terreich. Die AK Niederösterreich unter- stützte von Beginn an Not leidende Men- schen mit Hilfsaktionen – sie kümmerte sich vor allem um hungernde und arbeits- lose Jugendliche, organisierte aber bald auch Schulungen für BetriebsrätInnen. Verstärkung für den Staat Rückenwind erhielt die gesamte AK 1954 mit dem Arbeiterkammergesetz, das ent- scheidende Rechte verankerte. Unter an- derem wurden Bund und Land verpflich- tet, bei Gesetzesentwürfen Stellungnah- men der AK einzuholen. Die AK kann (auf allen Gebieten, die das Interesse der ArbeiterInnen und Angestellten berühren) Initiativanträge stellen, von sich aus Anträge zu Geset- zen und Verordnungen ausarbeiten und sie der Regierung wie auch dem Natio- nalrat vorlegen. Überdies erhielt die AK die gesetzliche Kompetenz, in der Lehr- lingsausbildung mitzuwirken. Das bil- dete die notwendige Basis, um in beina- he allen Lebenslagen für die AK-Mit- glieder da zu sein: von Sozial- und Ar- beitsgesetzgebung, Arbeitsbeschaffungs- und Wirtschaftsprogrammen für Nie- derösterreich über geförderte Darlehen für Wohnbauten bis hin zur Mitarbeit an den sozialen Reformen der 1970er- Jahre. Stark im Service Ab den 1960er-Jahren wurde der Konsu- mentInnenschutz ausgebaut und die Dienstleistungs- und KundInnenorien- tierung der AK Niederösterreich deutlich erweitert – etwa 1988 mit der telefoni- schen Arbeits- und Sozialrechtsberatung zum Ortstarif. Josef Hesoun – 1990 vom amtieren- den AK-Niederösterreich-Präsidenten zum Sozialminister berufen – gelang ge- gen viele Widerstände die Einführung des Pflegegelds, eine damals einzigartige Pionierleistung in Europa. Mit dem neuen Arbeiterkammer- gesetz 1992 wuchs das Serviceangebot, die Kammerzugehörigkeit für Arbeits- lose wurde beschlossen, die fliegende Wahlkommission eingeführt und der Umweltschutz zum eigenständigen Aufgabenbereich erklärt. Das Gesetz brachte auch eine nachhaltige Demokrati sierung der AK mit sich: Die Sitzungen des ArbeitnehmerInnen-Par- laments wurden öffentlich, die Kon- troll rechte konnten wesentlich verbes- sert werden. Besonders wichtig: Die AK-Mitglieder erhielten Anspruch auf kostenlosen Rechtsschutz. Seither er- kämpfte die AK Niederösterreich für ihre Mitglieder knapp eine Milliarde Euro im Arbeits- und Sozialrecht. Auch in der Gleichstellung gibt es eine lange Tradition. Nachdem Sozial- wissenschafterin Käthe Leichter (1942 von den Nazis ermordet) bereits 1925 das AK-Frauenreferat begründet hatte – damals noch Arbeiterkammer für Wien- Niederösterreich-Burgenland –, war es auch der AK Niederösterreich wichtig, weibliche Beschäftigte zu fördern. Die erste österreichische Wissenschaftsmi- nisterin Hertha Firnberg war etwa Leite- rin der Statistikabteilung und Studien- bibliothek der AK Niederösterreich. Mit der Ernennung von Bettina Heise zur Direktorin der AK Niederösterreich gibt es auch jetzt eine Frau in einer gehobe- nen Führungsposition. Auf dem Weg in die Zukunft Im Jahr 2016 übersiedelte die AK-Zentra- le von Wien nach St. Pölten. Das neu er- baute Zentrum ermöglicht noch mehr Service für die NiederösterreicherInnen. Die ExpertInnen der AK sorgen auch da- für, dass die Erfahrungen aus den Beratun- gen in die interessenpolitische Grundla- genarbeit einfließen. Und so ist es ein ak- tuelles Anliegen der AK Niederösterreich, die Qualifizierung weiter voranzutreiben. Jetzt stellen Digitalisierung und Indus- trie 4.0 Herausforderungen dar, die drin- gender Antworten und Lösungen bedür- fen. Es gilt, alle ArbeitnehmerInnen auf dem Weg in die Zukunft mitzunehmen! Schreiben Sie Ihre Meinung an den Autor resei@gmx.at oder die Redaktion aw@oegb.at Christian Resei Freier Journalist 7 Jahrzehnte für die Zukunft Seit ihrer Gründung 1948 kann die AK Niederösterreich auf viele Erfolge zurück- blicken. Sie bietet auch Antworten zu den aktuellen Herausforderungen der Arbeitswelt.

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