Full text: Wie viel darf’s denn sein? (2)

17Arbeit&Wirtschaft 2/2019
12-Stunden-Tag 
erschwert Vereinbarkeit 
von Beruf und Familie
Kindergärten, nach 18 Uhr offen
10%
13%
Quelle: Kindertagesheimstatistik
Tagesbetreuung in der Volksschule
Quelle: Arbeiterkammer
Quelle: Forba
36%
der Kinder
Mann Vollzeit / Frau Teilzeit 
Kind unter 15 Jahren 
48%
Mann Vollzeit / Frau nicht erwerbstätig
Kind unter 15 Jahren 
36%
Beide Elternteile Vollzeit
Kind unter 15 Jahren 
13%
Jede zusätzliche Wochenarbeitsstunde
des Mannes erhöht die Chance auf 
Ungleichverteilung in der 
Partnerschaft
um
Sind Kinder im Haus,
reduzieren Frauen die Arbeitszeit: 
+1
Stunde
„Arbeitszeit in Österreich“ genau diese 
Frage. Von Christoph Hofinger, Bettina 
Leibetseder und Daniel Schönherr wurde 
dabei die Beschäftigung im Ausmaß von 
30 bis 32 Stunden untersucht sowie die 
Zufriedenheit mit diesem Beschäfti-
gungsausmaß und ihre Vorteile: „Ein Be-
schäftigungsumfang von 30 bis 32 Stun-
den in der Woche ermöglicht einen Aus-
gleich zwischen den Faktoren, die eine 
Belastung und eine Zufriedenheit mit der 
Arbeit erzeugen.“ 
Die AutorInnen kamen dabei zu fol-
gender Schlussfolgerung: „30 bis 32 Stun-
den unselbstständig Erwerbstätige sind in 
vielen Bereichen zufriedener als Teilzeit-
beschäftigte und geben geringere Belas-
tungen als Vollzeitbeschäftigte an. Damit 
kann eine wöchentliche Arbeitszeit zwi-
schen 30 und 32 Stunden Zufriedenheit, 
die für Vollzeitbeschäftigte typisch ist, 
mit niedrigeren Belastungen einer Teil-
zeitbeschäftigung vereinen.“
Der Vorteil liegt dabei darin, dass 
starke Belastungen von Vollzeitbeschäf-
tigten vermieden werden können, und 
zwar sowohl psychische als auch physi-
sche. Zudem ist diese Gruppe weniger 
von Mehr- und Überstunden betroen, 
und sie kann Freizeit und Familie we-
sentlich besser mit dem Beruf verbin-
den. Gleichzeitig werden die Aufstiegs-
möglichkeiten gleich wie bei Vollzeitbe-
schäftigten bewertet. 
Ungleichheit Mann/Frau
SORA zitiert den Arbeitsklima Index der 
AK Oberösterreich, wonach in Öster-
reich lediglich sechs Prozent der Un-
selbstständigen 30 bis 32 Stunden pro 
Woche tätig sind. Während drei Viertel 
mehr als 32 Stunden arbeiten, sind es 
rund 15 Prozent mit weniger als 30 Stun-
den. Auällig dabei ist die ungleiche Ver-
teilung der Arbeitszeit zwischen Frauen 
und Männern: „Rund zwölf Prozent der 
Frauen sind wöchentlich zwischen 30 und 
32 Stunden tätig, in der Altersgruppe von 
36 bis 45 Jahren sowie mit Kind im Haus-
halt sogar 16 Prozent. Bei den Männern 
arbeiten nur zwei Prozent zwischen 30 
und 32 Stunden in der Woche. Männer 
mit Kindern erhöhen sogar ihre tatsäch-
liche Arbeitszeit auf im Durchschnitt 
weit über 40 Stunden.“ Diese Zahlen 
zeigen, dass Kinderbetreuung und Job 
für viele Frauen nur durch ein geringeres 
Stundenausmaß vereinbar ist. 
Die SORA-ForscherInnen sehen Po-
tenzial für eine Veränderung der Arbeits-
zeit: „Vier Zehntel der über 32 Stunden 
Tätigen möchten ihre Arbeitszeit um 
durchschnittlich sieben Stunden in der 
Woche reduzieren. Über eine Million 
der unselbstständig Erwerbstätigen wür-
de sich so, statistisch gesehen, der 30- bis 
32-Stunden-Woche annähern.“ Das Fa-
zit: „Obwohl noch nicht sehr verbreitet, 
sehen also Beschäftigte, die tatsächlich 
30 bis 32 Stunden in der Woche arbei-
ten, ihre Arbeit insgesamt positiv. Nur 
ein kleiner Teil von ihnen möchte die 
Stunden erhöhen oder reduzieren.“ 
Vorteile der Verkürzung
Aus der Studie leiten die AutorInnen fol-
genden Auftrag ab: „Nun gilt es, Strate-
gien zu entwickeln, wie durch Maßnah-
men in Unternehmen ein Bewusstsein 
über die Vorteile, die eine nur geringe 
Verkürzung der Arbeitszeit hat, gebildet 
werden kann.“ Fakt ist: „Bei vielen Paa-
ren kommt es in der Zeit der Elternschaft 
zu meist einvernehmlichen Aushand-
lungsprozessen, die den Mann in die Er-
halterrolle und die Frau in die Zuerwerbs-
position drängen, auch wenn es beide 
ursprünglich anders geplant hatten.“
Ein Ausweg dafür wäre eine vertrag-
lich vereinbarte Arbeitszeit zwischen 30 
und 32  Stunden für beide Elternteile. 
„Denn diese Bandbreite wird sowohl 
von Arbeitgeber- als auch von Arbeit-
nehmerseite als optimal produktiv ange-
sehen, bietet ausreichend Zeit für Erho-
lung und private Verpichtungen und 
in der Regel eine ausreichende Grundla-
ge für Karriereentwicklung und soziale 
Absicherung“, fassen die AutorInnen 
zusammen. Es würde außerdem dabei 
helfen, dass Kinder mehr Zeit mit bei-
den Elternteilen verbringen können. 
Und geht es nicht im Endeekt genau 
darum?
Weitere Informationen:
tinyurl.com/y646p4f5
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oder an die Redaktion
aw@oegb.at
        

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