Full text: Wie viel darf’s denn sein? (2)

36 Arbeit&Wirtschaft 2/2019
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 Befürchtungen bewahrheitet
Schon vor dem 12-Stunden-Tag beschäftigten Probleme mit der Arbeitszeit die 
Beratungsstellen in Arbeiterkammern und Gewerkschaften. 
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er schon einmal in der AK vor-
beigeschaut hat, weiß: Es ist 
immer etwas los. Vor allem die 
Rechtsberatung wird vielfach 
nachgefragt. Aus dem Berufsleben lohn-
abhängig beschäftigter Menschen ist sie 
schon längst nicht mehr wegzudenken. 
Dabei gibt es sie noch gar nicht so lange. 
1992 wurde sie als Teil des AK-Gesetzes 
eingeführt. In Paragraf 7 heißt es: „Die 
Arbeiterkammern haben kammerzuge-
hörige Arbeitnehmer in arbeits- und so-
zialrechtlichen Angelegenheiten zu be-
raten und ihnen insbesondere Rechts-
schutz durch gerichtliche Vertretung in 
arbeits- und sozialrechtlichen Angele-
genheiten nach Maßgabe eines von der 
Hauptversammlung der Bundesarbeits-
kammer zu beschließenden Rahmen-
Regulativs zu gewähren.“
Einer, der am Aufbau des Rechts-
schutzes der Arbeiterkammer direkt be-
teiligt war, ist Hans Trenner. Inzwischen 
ist er Leiter des Bereichs Beratung, in 
dem die Abteilung für Arbeitsrecht an-
gesiedelt ist. „Früher haben hauptsäch-
lich Angestellte gegen ihre Arbeitgeber 
Klage geführt“, erinnert er sich. „Heute 
sind es meistens ArbeiterInnen. Das 
Bau- und das Gastgewerbe führen das 
Branchenranking bei den Klagen an. In 
den allermeisten Fällen geht es um nicht 
ausbezahlte Löhne.“ Hier zeige sich, wie 
nötig der Rechtsschutz der Arbeiterkam-
mer sei. „Wir prozessieren weitgehend 
am unteren Rand des Arbeitsmarktes. 
Mehr Probleme
Für jene, die sich selber nicht helfen kön-
nen, sind wir dringend notwendig“, so 
Trenner. Ein wichtiges Thema dabei ist 
die Arbeitszeit. Schon bevor der 12-Stun-
den-Tag beschlossen wurde, gab es hier 
nämlich Probleme. Mit dem neuen Ge-
setz haben sie zugenommen. 
Fehlende Arbeitsstunden
Wenn Einzelpersonen klagen, dann oft 
nach Ende ihres Beschäftigungsverhält-
nisses. Aus Niederösterreich kommt das 
Beispiel eines Bauarbeiters, dem nach 
seiner Kündigung plötzlich 71 Arbeits-
stunden auf seiner Endabrechnung fehl-
ten. Die AK Niederösterreich forschte 
nach und konnte erreichen, dass dem 
betroffenen Arbeiter 2.800 Euro nach-
gezahlt wurden. 
Die 2016 erschienene Broschüre 
„Schwarzbuch Arbeitswelt“ der Arbei-
terkammer Oberösterreich gibt Ein-
blick in die von Arbeitgebern ange-
wandten Dreistigkeiten lange vor Ein-
führung des 12-Stunden-Tages. Die 
systematische Nichtbezahlung von ge-
Christian Bunke
Freier Journalist
        

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