Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1976 Heft 3 (3)

griff zu nehmen. Wäre nicht im konkreten Fall das Sta¬
tistische Zentralamt, das Institut für Höhere Studien oder
das Wirtschaftsforschungsinstitut der richtige Adressat
für einen Forschungsauftrag über die in dieser Studie be¬
handelten, größtenteils höchst abstrakten und überdies
keineswegs abgeschlossenen Theorien zur Entwicklung von
gesamtgesellschaftlichen Kriterien der Wohlfahrt und de¬
ren Beschreibung durch meßbare Indikatoren gewesen?
Grundsätzlich trifft es sicher zu, daß der Beirat seiner
ganzen Konstruktion nach, als ein von den Interessenver¬
tretungen beschicktes Gremium der Sozialpartnerschaft,
nicht so sehr zur Beackerung theoretischen oder statisti¬
schen Neulands als zur Darlegung wohl theoretisch fun¬
dierter, aber doch praktisch anwendbarer wirtschaftspoliti¬
scher Handlungsalternativen berufen ist. Dieser Richt¬
schnur sind auch die meisten bisherigen Arbeiten des Bei¬
rates, die sich vor allem mit den Fragen der Preisstabili¬
sierung, der Budget-, Industrie- und Arbeitsmarktpolitik
beschäftigten, gefolgt.
Es ist kein Geheimnis, daß die Tätigkeit des Beirates in
diesem, seinem eigentlichen Funktionsbereich nach dem
Regierungswechsel 1970 empfindlich erschwert, ja zeitweise
praktisch lahmgelegt wurde. Vielleicht war es sogar unver¬
meidlich, daß die einschneidende Änderung der Machtver¬
hältnisse auf beiden Seiten von jenen Politikern, die dem
Beirat eher skeptisch gegenüberstanden, zum Anlaß ge¬
nommen wurde, diese letztgeborene Institution der Sozial¬
partnerschaft — der übrigens sogar ein so kritischer Geist
wie Egon Matzner einmal eine gewisse »innovative Pro¬
duktivkraft« zugebilligt hat — beiseitezuschieben. Vor
allem der Bundeskammer fiel es schwer, sich in der neuen
Situation zurechtzufinden, auf die sie zunächst mit einem
pauschalen Mißtrauen gegen alles Expertentum — die
eigenen Experten nicht ausgenommen — reagierte. Doch
soll über die Verantwortung für die eingetretenen Schwie¬
rigkeiten an dieser Stelle nicht weiter gerechtet werden,
zumal sich gerade jetzt erfreulicherweise wieder eine Akti¬
vierung dieser letztgeborenen Institution der Sozialpart¬
nerschaft abzuzeichnen scheint. Sie berühren unser Thema
ohnehin nur soweit, als die Entstehung der Studie »Wohl¬
fahrtsindikatoren« eben in diese Pause fällt, die dem Bei¬
rat Zeit und Gelegenheit gab, ein für die längerfristige
Orientierung der Wachstumspolitik zweifellos wichtiges
Thema anzuschneiden, ohne dabei die politischen Sensibili¬
täten herauszufordern, an denen bereits einige aktuellere
Projekte gescheitert waren. Vom Standpunkt der Ver¬
bandsspitzen war es vielleicht eine Verlegenheitslösung,
vom Standpunkt einer weiter vorausschauenden Sicht aber
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