Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1976 Heft 3 (3)

sicher kein unnützbares Unterfangen. Zu den im Empfeh¬
lungsteil zusammengestellten konkreten Vorschlägen —
Verbesserung der Einkommens- und Verbrauchsstatistiken,
Zeitbudgeterhebungen, Sammlung von Daten zur Umwelt¬
qualität, Verlaufsstatistiken in den Bereichen Gesundheit
und Bildung und anderes — hätte man zwar vielleicht auch
auf kürzerem Weg gelangen können, vielfach handelt es
sich um längst angemeldete Wünsche von Regierungsstel¬
len und Arbeitnehmervertretungen. So nützlich es war,
diesen Wünschen durch die Autorität des Beirates Nach¬
druck zu verleihen, so soll doch der Hauptzweck der Unter¬
suchung in der Aktualisierung der ihr zugrunde liegenden
Problematik gesehen werden. Die gleichzeitig mit den
Arbeiten des Beirates bereits erfolgte Einrichtung eines
Referates »Sozialindikatoren« im Statistischen Zentralamt
sowie einer zugehörigen permanenten Arbeitsgruppe läßt
übrigens hoffen, daß den Intentionen des Beirates zumin¬
dest teil- und ansatzweise Rechnung getragen werden
wird. Eine erste Publikation des Zentralamtes, in der aller¬
dings nur bereits bekannte Daten zusammengestellt wur¬
den, ist ein Zeichen dafür.
Allerdings, der analytische Teil der Beiratsstudie ist
nicht gerade ermutigend für jene, die sich von dieser —
oder irgendeiner anderen — Untersuchung eine einfache
Antwort auf die Frage erwartet haben, worin denn nun
die »Qualität des Lebens«, die »Wohlfahrt« eigentlich be¬
stehe und wie ihre Zu- oder Abnahme durch geeignete
Indikatoren, gegebenenfalls sogar durch einen einzigen In¬
dikator analog dem Bruttonationalprodukt, darzustellen
wäre. So leicht es ist, die Unzulänglichkeit der volkswirt¬
schaftlichen Gesamtrechnung, die im Bruttonationalpro¬
dukt gipfelt, für die Messung des menschlichen Glücks
nachzuweisen, wofür sie auch gar nicht geschaffen wurde,
so unergiebig erweist sich die Suche nach einem theoreti¬
schen Instrumentarium, welches den Sprung von der —
manchmal allerdings gewiß nur scheinbaren — Objektivi¬
tät von Produktionsergebnissen zum subjektiven Aspekt
des Nutzens von Produktionsleistungen schaffen könnte.
Der häufig wiederholten Feststellung, daß dieses Problem
»bislang keiner Lösung zugeführt werden konnte«, ja daß
man nicht einmal über die Ansätze einer solchen univer¬
salen, anthropologisch fundierten Gesellschaftstheorie ver¬
fügt, die hierfür notwendig wäre, ist zweifellos zuzustim¬
men. Die Diskussion über die Meßbarkeit der Wohlfahrt
ist ja keineswegs etwas Neues in der Geschichte der öko¬
nomischen Theorie, haben doch schon ganze Generationen
von Anhängern und Gegnern der Wohlfahrtsökonomik
diesen steinigen Boden beackert. Wer diese Diskussionen
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