Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1978 Heft 4 (4)

geringen Attraktivität neuer Konsum¬ güter und in einer gewissen Konsum¬ müdigkeit (S. 63). Dieser langfristige Rückgang der Konsumquote bedeu¬ tet, daß Kapazitäts- und Investitions¬ gleichgewicht immer schwerer einzu¬ halten sind. Daß die Durchführung privater Investitionen von Gewinn¬ erwartungen abhängt, erschwert die Einhaltung der ersten beiden Gleich¬ gewichtsbedingungen zusätzlich. Denn an sich gäbe es zur Krisenbekämpfung drei Möglichkeiten, »alle drei bedeu¬ ten Umverteilungspolitik: a) Erhöhung der Lohnquote, um die gesamtwirtschaftliche Konsum¬ quote anzuheben; b) Umverteilung innerhalb der Lohn¬ einkommen in Richtung Nivellie¬ rung, ebenfalls mit dem Ziel, die Konsumquote zu erhöhen; c) Verkürzung der durchschnittlichen Arbeitszeit, was bei unveränderter Lohnsumme erfolgen muß, also bei vollem Lohnausgleich, da ja sonst die zur Kapazitätsauslastung not¬ wendige Konsumnachfrage nicht mehr gewährleistet werden könn¬ te« (S. 64). Zinn kommt also zu der Ansicht, daß »im Hinblick auf die gegebene Situation in den kapitalistischen Län¬ dern — Überkapazität und Arbeits¬ losigkeit — ein Konsumanstieg not¬ wendig (ist). Dies impliziert (sieht man von der Möglichkeit b) ab, die Zinn für weniger bedeutend hält; E. H.) eine steigende Lohnquote und damit stei¬ gende Lohn(stück)kosten. Damit dürf¬ ten kaum noch Zweifel bestehen, daß nicht nur eine sinkende Gewinnquote, sondern auch eine sinkende Kapital¬ rentabilität unvermeidbar sind. Sin¬ kende Gewinnquote und sinkende Ka¬ pitalrentabilität müssen somit als Ne¬ beneffekte der gleichgewichtigen Ent¬ wicklung hingenommen werden« (S. 68). Dieser Lohnquotenanstieg führt »wegen der negativen VerteilungsWir¬ kung auf die Gewinneinkommen zu einem Rückgang der Investitionstätig¬ keit«1 (S. 62). Zinn schließt daraus auf »die faktische Unmöglichkeit einer sta¬ bilen Entwicklung unter kapitalisti¬ schen Verhältnissen« (S. 62). Der Kreis schließt sich: Sättigungs¬ tendenzen führen zu einer Zunahme der Sparquote, wodurch Investitions¬ und Kapazitätsgleichgewicht verletzt werden. Die Erhöhung der Lohnquote zwecks Zunahme einer höheren Kon¬ sumquote scheitert an der Verteilungs¬ bedingung. In einem nächsten Schritt untersucht Zinn verschiedene Überlebensstrate¬ gien des Kapitals. Er befürchtet ins¬ besondere, daß sich tendenziell ein In¬ dustriefeudalismus ergeben könnte, wo es zu einer extremen Erhöhung der Konsumquote der Gewinnempfän¬ ger kommt. Auch die Ausdehnung der Rüstungsausgaben sowie die Frage, inwieweit durch Umweltschutzinvesti¬ tionen eine Stabilisierung des Systems gewährleistet werden kann, werden diskutiert. Doch in keiner dieser systemimma¬ nenten Alternativen sieht Zinn einen dauerhaften Weg, die Instabilitäten des Kapitalismus zu vermeiden. Für Zinn sind damit »nur zwei Al¬ ternativen wahrscheinlich: 1. Fortdauer des üblichen Weiter- kriselns der kapitalistischen Länder, wobei kleinere Zwischenbelebungen möglich sind; entweder durch fiskal¬ politische Maßnahmen eingeleitet und/ oder durch die krisenimmanenten Re¬ generationskräfte bewirkt. Es wird also gewisse empirische Fakten geben, die die Illusion nähren können, daß doch einmal wieder bessere Zeiten kommen. 2. Veränderung der gesellschaftli¬ chen Verhältnisse derart, daß die strikte Profitabhängigkeit der Investi¬ tionen langsam aufgelöst wird, so daß das kapitalistische Verteilungsgleich¬ gewicht nicht mehr gewährleistet zu werden braucht; und zur Einhaltung des Strukturgleichgewichts wird eine planorientierte Wirtschaftspolitik, speziell eine strukturpolitische Ein¬ flußnahme auf die (Groß-)Investitio- nen realisiert. Wegen der internatio¬ nalen Verflechtungen der kapitalisti- 428

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