Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1978 Heft 4 (4)

EDITORIAL
Planung in der Krise
Die gegenwärtige Krise der Weltwirtschaft hat eine Inten¬
sivierung der staatlichen Interventionen notwendig ge¬
macht. Deutliches Beispiel dafür ist die beträchtliche
Ausweitung des staatlichen Eigentums an Unternehmen
bzw. ganzen Wirtschaftszweigen, die in Westeuropa durch
strukturelle Schwierigkeiten in ihrer Existenz gefährdet
sind. Die Notwendigkeit dieses Ausbaus der Staats¬
interventionen erwies sich als stärker als die Skepsis
gegenüber solchen Eingriffen, die nicht nur von rechts,
sondern auch von linken, autonomistischen Strömungen
artikuliert wird.
Der Charakter dieser staatlichen Eingriffe kann wohl
zurecht mit dem Begriff des Krisenmanagements bezeich¬
net werden, sie verfolgen allesamt keine erkennbaren
langfristigen Zielsetzungen, sind vielmehr auf Vermeidung
oder Milderung akuter Schäden gerichtet. Es mag er¬
staunen, daß in dieser Situation selbst in jenen Kreisen,
die nicht mit ordnungspolitischen Scheuklappen die Welt
betrachten, der Ruf nach ökonomischer oder gesamtgesell¬
schaftlicher Planung kaum laut wird, ist doch die Zeit
der Krise dem Auftreten neuer Planungsideen, neuen
Entwürfen für Planungsmechanismen immer günstig
gewesen.
Dies ist vor allem darauf zurückzuführen, daß die
klassischen Planungsvorstellungen selbst bereits seit
längerer Zeit in einer tiefen Krise stecken, die bisher nur
unzureichend analysiert wurde. Bezüglich des Konzepts
einer umfassenden und strikten ökonomischen Planung,
wie es in zahlreichen kommunistisch regierten Ländern
seit Jahren in verschiedenen Variationen angewendet wird,
muß diese Feststellung hier nicht näher begründet wer¬
den. Doch auch das westliche Muster der Rahmenplanung,
wie es etwa nach dem Zweiten Weltkrieg in Frankreich
angewendet wurde, hat viel von seiner Attraktivität ver¬
loren.
In diesem Rahmen kann keine vollständige Begründung
für diese Entwicklung versucht werden, ausschlaggebend
scheinen jedoch zwei Faktoren gewesen zu sein: Erstens
die Einsicht, daß man die Möglichkeiten der Prognose
wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Entwicklungen
323
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.