Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1978 Heft 4 (4)

stark überschätzt hatte. Nicht nur haben sich Richtung
und Ausmaß des technischen Fortschritts in der längeren
Frist als unvoraussehbar erwiesen, selbst die Konjunktur¬
prognose, das Lieblingskind der »Modellbastler«, hat die
markanten Wendepunkte der Konjunktur meist verfehlt.
Total versagt hat sie in der Einschätzung der Lage vor
dem scharfen Entwicklungsbruch der Jahre 1974/75, der
nicht vorausgesehen wurde. Diese Fehlschläge haben sich
auch in einer »Tendenzwende« der Theorie ausgewirkt.
Einige der prominentesten Vertreter der Prognosetechnik
warnen seither vor einer Überschätzung der Leistungs¬
fähigkeit ökonometrischer Modelle zur Erklärung tief¬
greifender sozio-ökonomischer Wandlungen. Ganz all¬
gemein hat sich gezeigt, daß auch zwischen dem Grad
der technischen Verfeinerung von Prognosemethoden und
der Treffsicherheit der Voraussagen kein signifikanter
Zusammenhang besteht.
Zweitens ist auch die Art der Planerstellung und der
Festlegung von Planungszielen zunehmend Gegenstand
der Kritik geworden. Selbst wenn die oben angeführten
Prognosemethoden erlaubt hätten, ökonomisch relevante
Wandlungen des gesellschaftlichen Bewußtseins voraus¬
zusagen, wären die existierenden Planungssysteme nicht
flexibel genug gewesen, um den notwendigen Anpassungs¬
prozeß an die geänderten Erfordernisse in die Wege zu
leiten. Dies mag zum Teil daran liegen, daß — wie im
System der französischen »planification« — bedeutende
gesellschaftliche Kräfte auf die Erstellung von Planzielen
und die Instrumente der Planerfüllung keinerlei Einfluß
ausüben können. Darauf haben in der Planungsdiskussion
der sechziger Jahre in Österreich gerade die Gewerk¬
schafter, die in der Rahmenplanung ein taugliches Instru¬
ment der Wirtschaftslenkung sahen, immer wieder hin¬
gewiesen.
Auch die französische Planung hat aus diesem grund¬
sätzlichen Mangel zu lernen versucht, die jüngsten
»Pläne« haben der sozialen Dimension bedeutend breiteren
Raum gegeben. Das Planungskommissariat wurde darauf¬
hin zumindest von einigen Kommentatoren geradezu zum
Hort einer linken Planungsbürokratie hochstilisiert. Frei¬
lich verlor damit die planification nicht ihren grund¬
sätzlich technokratischen Charakter, durch die Verfeine¬
rung der Planungstechniken wurden im Gegenteil noch
die Möglichkeiten des Zugangs, der Überschaubarkeit und
Kontrolle für die von der Planung Betroffenen verringert.
Gerade aus dem letztgenannten Grund kann Skepsis
gegenüber der Vorstellung angemeldet werden, daß allein
durch Beiziehung von Experten aus der Arbeiterbewegung
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