Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1982 Heft 1 (1)

der selbst keinen Arbeitsplatz fin¬
det, einen solchen verschafft. Denn
Arbeiten zu finden, die Gesell¬
schaft und Umwelt dienen, gäbe es
genug (vgl. S. 190), und auch die
Finanzierung solcher Vorhaben sei
nicht unbewältigbar: „Bei sorgfälti¬
ger Auswahl der Projekte gibt es
keinen Grund für die Annahme,
daß sie keinen wesentlichen Netto¬
ertrag einbringen könnten. Stellt
man freie Kapazitäten ein (Arbeiter
ohne Jobs), so sind die realen wirt¬
schaftlichen Kosten (Alternativko¬
sten) sicherlich wesentlich geringer
als die monetären Kosten." (S. 191)
b) Ein System von Steuern und
Transfers, das zu einer gerechten
Verteilung der ökonomischen Res¬
sourcen führt. Dabei ist der geradli¬
nige und billigere Weg der direkten
Subventionen zu bevorzugen. Dies
sei allerdings nur eine Übergangs¬
lösung, denn als Endziel ist ein
gerechteres System von Marktein¬
kommen anzustreben (vgl. S. 194).
c) Eine stärkere Beteiligung der Re¬
gierung an großen Investitionsent¬
scheidungen. Denn diese seien für
unsere Energie- und Wachstums¬
probleme zu wichtig geworden, als
daß man sie allein dem privaten
Markt überlassen könnte (vgl.
S. 178).
Die Charakterisierung der anstehen¬
den Probleme als Null-Summen-Spie¬
le macht deren Bewältigung auf dem
Papier sehr einfach, als politische Ent¬
scheidung jedoch hochbrisant:
„Schwierige Situationen sind nicht
deshalb schwer zu meistern, weil es
keine Lösungen gibt, sondern weil es
keine Lösungen ohne tiefgreifende
Nebenwirkungen gibt ... Es gibt nur
dann keine Lösung, wenn wir nicht
für sie zahlen wollen." (S. 69)
Das Ausmerzen der Krisenerschei¬
nungen scheiterte nach Thurow in den
USA nur daran, daß die politischen
Instanzen nicht dazu bereit waren,
klar zu bekennen, welche sozialen
Gruppen als Träger der Verluste fun¬
gieren sollen: „Wir versinken, weil wir
nicht schwimmen wollen" (S. 36); die
grundsätzliche Fähigkeit zu schwim¬
men wäre vorhanden.
„Da alle die Wirtschaft betreffenden
Lösungen Entscheidungen über die
Einkommensverteilung erfordern,
sollten wir eine politische Partei da¬
nach bewerten, wie sie die wirtschaft¬
lichen Verluste verteilt, die zur Lö¬
sung unserer Probleme erforderlich
sind. Da wir keine politischen Partei¬
en haben, die zu dieser Frage Stellung
beziehen, gibt es für die Wähler keine
Möglichkeit, eine Mehr- oder Minder¬
heitsentscheidung darüber zu treffen,
wer die unvermeidlichen Verluste tra¬
gen sollte." (S. 199)
Diese Einschätzung wurde unmit¬
telbar nach der Drucklegung des Thu-
rowschen Buches von der Realität
überholt. Denn das Sanierungspro¬
gramm der Regierung Reagan läßt
keine Zweifel über die angestrebte
Verteilung der Gewinne und Verluste
aufkommen. Die Chancen auf eine
Realisierung der Thurowschen Lö¬
sungsangebote sind jedenfalls durch
die jüngste Entwicklung in den USA
so gut wie auf Null gesunken.
Thomas Delapina
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