Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1982 Heft 1 (1)

Gebrauchswerte, so ist es jetzt der subjektive Zweck des Tausches,
abstrakten Reichtum zu erhalten. Da der Zugang zu den Gebrauchswer¬
ten nur über Geld möglich ist, fallen Geld und Reichtum zusammen.
Waren ursprünglich die Waren als Gebrauchswerte das Wesentliche,
Geld nur das vermittelnde Medium, so ist letztlich Geld das Wesentli¬
che; dem einzelnen erscheinen die Waren nur als Repräsentanten des
Geldes.
Die Untersuchung der Gesellschaft geht bei Marx nicht auf eine
Tauschwirtschaft, in der ein Gut Geld ist, sowie in der mikroökono¬
misch fundierten Geldtheorie, sondern Reichtum in der Form des
Geldes steht im Mittelpunkt aller ökonomischen Aktivitäten. Dies
kontrastiert zwar mit dem „Naturalismus" und „Technizismus" der
Werttheorie, ist aber ein wesentlicher Gedankenstrang bei Marx. Ver¬
deutlicht wird diese Verselbständigung des Mittlers - als Produkt der
tauschenden Gesellschaft - gegenüber der produzierenden Gesellschaft
im Kontrast zum Bild einer von Marx als vernünftig anvisierten
Gesellschaft:
„Stellen wir uns endlich, zur Abwechslung, einen Verein freier
Menschen vor, die mit gemeinschaftlichen Produktionsmitteln arbei¬
ten und ihre vielen individuellen Arbeitskräfte selbstbewußt als
gesellschaftliche Arbeitskraft verausgaben. Alle Bestimmungen von
Robinsons Arbeit wiederholen sich hier, nur gesellschaftlich statt
individuell. Alle Produkte Robinsons waren sein ausschließlich per¬
sönliches Produkt und daher unmittelbar Gebrauchsgegenstände für
ihn. Das Gesamtprodukt des Vereins ist ein gesellschaftliches Pro¬
dukt. Ein Teil dieses Produkts dient wieder als Produktionsmittel. Er
bleibt gesellschaftlich. Aber ein anderer Teil wird als Lebensmittel
von den Vereinsgliedern verzehrt. Er muß daher unter sie verteilt
werden. Die Art dieser Verteilung wird wechseln mit der besonderen
Art des gesellschaftlichen Produktionsorganismus selbst und der
entsprechenden geschichtlichen Entwicklungshöhe der Produzen¬
ten ... Die gesellschaftlichen Beziehungen der Menschen zu ihren
Arbeitsprodukten bleiben hier durchsichtig und einfach in der Pro¬
duktion sowohl als in der Distribution." (Kapital Bd. 1, p. 92)
Diese und ähnliche Stellen können nicht als analytische Ökonomie
gelesen werden, wird doch darin die Gesellschaft einfach als Subjekt
gesetzt. Es handelt sich hier um Aufklärung, in dem Sinn, daß denkbare
ideale Alternativen aufgezeigt werden17.
2.3 Die Abstraktion von den Gebrauchswerten im Geld ist nun aus
drei Gründen für die Weiterführung der Marxschen Ökonomie von
Bedeutung.
1) Der einzelne erfährt die Bewertung seiner Arbeit nur indirekt
durch den im Geld gemessenen Erfolg. Das Verhältnis der Individuen
zueinander wird zu einem Verhältnis von Dingen (Warenfetischismus).
Damit ist nicht die Fähigkeit des Individuums, Gebrauchswerte zu
erzeugen, das Wesentliche, sondern die Fähigkeit Tauschwerte zu
produzieren. Abstrakte Arbeit wird zur sozialen Realität (Entfrem-
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